17-03-17

Siegfried Lenz, Thomas Melle, Hans Wollschläger, Rense Sinkgraven, Hafid Aggoune, William Gibson, Patrick Hamilton, Karl Gutzkow, Jean Ingelow

 

De Duitse schrijver Siegfried Lenz werd op 17 maart 1926 in Lyck, in de landstreek Masuren in Oostpruisen geboren. Zie ook alle tags voor Siegfried Lenz op dit blog.

Uit: Der Überläufer

„In Prowursk bekam die kleine Lokomotive zu trinken. Ein eiserner Rüssel wurde über ihren glühenden Körper geschwenkt, ein Handrad gedreht, und dann schoß ein dicker Wasserstrahl in ihre geöffnete Flanke. Proska hörte das Rauschen des Wassers und trat an das zerbrochene Abteilfenster. Ein winziges, weißes Stations-häuschen, das auf der Stirn eine Nummer trug, ein ver-wahrloster Bahnsteig, zwei Holzstapel; mehr konnte er nicht entdecken, denn das Dorf selbst lag eine gute halbe Stunde von der Station entfernt hinter einem Laubwald. Vor dem Zug patrouillierte ein Posten. Er hatte sich, da es heiß war, den Kragen aufgeknöpft. Ober dem Rük-ken trug er ein Sturmgewehr mit der gleichen Selbstver-ständlichkeit wie eine afrikanische Mutter ihren Säugling. Wenn er das Ende der Kleinbahn, die aus der Lokomo-tive, einem Verpflegungs- und einem Postwagen bestand, erreicht hatte, machte er, ohne den Kopf zu heben, kehrt und latschte zurück. Das wiederholte sich einige Male. Die Landschaft machte den Eindruck einer riesigen, ver-lassenen Feuerstelle; kein Wind, »Bis wir weiterfahren!« »Ich glaube. die Lokomotive braucht nur Wasser.« »So«. sagte der Posten mürrisch. »braucht sie das?« Plötzlich hob er den Kopf und blickte den Lehmweg hinunter, der nach Prowursk führte. Proska sah, am Fenster stehend, in die gleiche Richtung und entdeckte ein Mäd-chen, das zum Zug herüberwinkte und sich rasch näherte. Sie trug ein laubgrünes Kleidchen und einen breiten Gür-tel um die Taille, die schmal war wie ein Stundenglas. Mit schnellen Schritten kam sie auf den Bahnsteig und ging geradewegs auf den Posten zu. Sie hatte mattglänzendes rotes Haar, ein kurzes Näschen und grünblaue Augen. Ihre Füße steckten in braunen Stoffschuhen. »Was wollen Sie?« brummte der Posten und starrte auf ihre nackten Beine. »Herr Soldat ...«, sagte sie und zitterte. Sie setzte einen irdenen Krug ab und legte einen zusammengefalteten Regenmantel darauf. »Haben Sie Milch in dem Krug oder Wasser?« Sie schüttelte den Kopf und strich sich das Haar zu-rück. Proska bewunderte das Profil ihrer Brüste. »Wahrscheinlich wollen Sie mitfahren?« fragte der Posten. »Ja, ein kleines Stück. Bis zu den Rokitno-Sümpfen. Ich kann Ihnen Geld geben dafür oder ...« »Verschwinden Sie, aber schnell! Wir dürfen nieman-den mitnehmen. Das müßten Sie doch eigentlich wissen. Haben Sie mich nicht schon einmal danach gefragt?!« »Nein, Herr.«

 

 
Siegfried Lenz (17 maart 1926 – 7 oktober 2014)
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17-03-16

Siegfried Lenz, Thomas Melle, Hans Wollschläger, Hafid Aggoune, Rense Sinkgraven, William Gibson, Patrick Hamilton, Karl Gutzkow

 

De Duitse schrijver Siegfried Lenz werd op 17 maart 1926 in Lyck, in de landstreek Masuren in Oostpruisen geboren. Zie ook alle tags voor Siegfried Lenz op dit blog.

Uit: Deutschstunde

„Aber hinter der für tat sich, je länger wir dorthin blickten, doch etwas, der Glutklumpen einer Zigarette wurde da hinter der schmalen Milchglasscheibe sichtbar, ein Räuspern war zu hören, und während Per Arne Scheßel sich zu einer kargen, aber immer noch einladenden Geste bereitfand, trat endlich Asmus Asmussen ein, Autor des Buches »Meeresleuchten« und Ehrenvorsitzender des Glüseruper Heimatvereins. Obwohl er in Marineuniform, als Stabsobergefreiter eintrat, wurde er sofort erkannt, mit Rufen und Beifall begrüßt, worauf er leger, doch militärisch zurückgrüßte und die Zigarette ausdrückte. Der Schöpfer von Timm und Tine, der bei uns ziemlich populären Figuren aus dem »Meeresleuchten« - beide hatten sich, wenn ich mich nicht täusche, durch eine Flaschenpost kennengelernt, fanden diesen Austausch so ergiebig, dass sie auch als Verlobte und Verheiratete Flaschenpost wechselten, trieben das Spiel unermüdlich weiter, hielten die Flaschenpost auch noch in hohem Alter für die schönste, jedenfalls sparsamste Art der Mitteilung und gaben somit ihrem Autor die Möglichkeit, lange nach ihrem Tode immer noch an entlegenen Stränden verkorkte Post zu entdecken, mit der zeilenschindend bekenntnishafte Neuigkeiten von Timm und Tine nachgeliefert wurden.
Also dieser Asmus Asmussen, der auf einem Vorpostenboot in der Nordsee Dienst tat, war auf einen Kurzurlaub von Bremerhaven heraufgekommen. Fr war ein säbelbeiniger Mann mit starkem, gewissermaßen lohendem Haarwuchs, seine Halsmuskeln waren erschreckend ausgebildet wie bei einem Gewichtheber, der Blick beherrschte alle Spielarten zwischen kühn und gütig, und man hätte sich ihn nicht ohne weiteres als Schöpfer von Timm und Tine vorstellen können, wenn da nicht sein aufschlussreicher Mund gewesen wäre, ein empfindsamer, rundlicher Pfennigmund, will ich mal sagen. Der Mund verriet ihn. Geschickt zog er sich die Matrosenmütze mit den langen Bändern vom Kopf, hielt sie vorschriftsmäßig. Kokarde und Adler nach vorn, unterm Arm und ließ sich von meinem Großvater willkommen heißen. Er nickte fast zu jedem Satz des Willkommens. Er schien einverstanden damit, dass Per Arne Scheßel ihn zunächst einen intimen Kenner der Heimat nannte, dann einen wehrhaften Vorposten der Heimat, auch erhob er keine Einwände, als man in ihm den Gestalter von einheimischem Schicksal und schließlich sogar das Gewissen von Glüserup begrüßte. Asmus Asmussen nickte nur, und er lächelte zustimmend, als mein Großvater das Thema des Abends bekanntgab, zu dem ein Berufener sich äußern werde; das Thema hieß: »Meer und Heimat«; der Berufene: Asmus Asmussen. Darauf setzte sich mein Großvater.”

 

 
Siegfried Lenz (17 maart 1926 – 7 oktober 2014)

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17-03-15

Thomas Melle

 

De Duitse schrijver Thomas Melle werd geboren op 17 maart 1975 in Bonn, waar hij ook opgroeide. Na zijn eindexamen gymnasium in 1994 aan de Jezuïeten school in Bad Godesberg begon Melle in Tübingen aan een studie Algemene en Vergelijkende Literatuurwetenschap en filosofie. Van daar ging hij naar Austin (Texas), waar hij cursussen in Creatief Schrijven volgde en het werk van William T. Vollmann leerde kennen. Later stapte hij over naar de Vrije Universiteit van Berlijn. In 2004 rondde hij zijn studie daar af met een proefschrift over William T. Vollmann. Zijn literaire carrière begon Melle als toneelschrijver. In 2004 schreef hij samen met schrijver Martin Heckmann het stuk "4 Millionen Türen", dat in het Deutsche Theater in Berlijn in première ging. Daarna volgden eigen stukken zoals "Haus zur Sonne" (2006, première Erlangen) en "Licht frei Haus" (2007, première Karlsruhe). Sinds 1997 woont hij in Berlijn. Melle is auteur van verhalende werken, gedichten, toneelstukken en hoorspelen, en vertaalt ook vanuit het Engels. In 2008 ontving hij de Förderpreis zum Bremer Literaturpreis, in 2009 de Förderpreis van de deelstaat Noordrijn-Westfalen. Melles roman “Sickster” werd genomineerd voor de Deutsche Buchpreis 2011. Zijn in 2014 gepubliceerde roman “3000 Euro” haalde de shortlist van de Deutsche Buchpreis. Met deze roman had de schrijver zich voorgenomen "in verzet te komen tegen de burgerlijke familieroman". Uit de kritieken en uit de nominatie bleek dat hij een punt had.

Uit: 3000 Euro

„Da ist ein Mensch drin, auch wenn es nicht so scheint. Unter den Flicken und Fetzen bewegt sich nichts. Die Passanten gehen an dem Haufen vorbei, als wäre er nicht da. Jeder sieht ihn,aber die Blicke wandern sofort weiter.ZweiFlaschen stehen neben dem Haufen, trübe und abgegriffen. Die Sonne knallt herunter. Es riecht streng, nach Urin, nach Säure und frühem Alter.
Anton träumt einen dünnen Traum, in ihm sind alle Arschlöcher weg. Jana betritt sein Zimmer, oder ist es eine industrielle Höhle; Anton muss eine Maschine bedienen, die etwas stanzt, Geldscheine aus Blech, vielleicht. Jana, sein Jugendschwarm, hockt sich zu ihm nieder und lächelt mit großen Augen. Ihr Hemd steht offen, halb sind die Brüste sichtbar. Anton nickt. Jana legt sich zu ihm, sie reden. Noch berühren sie sich nicht.
Wenn Anton träumt in diesen Wochen, dann von den alten Zeiten, die es so nie gab. Alternative Versionen seiner Jugend: Das Personal ist zwar dasselbe, aber die Ereignisse sind komplett irreal. Er schläft mit den Mädchen, die er nie haben konnte, errettet die Freunde, die nicht mehr Teil seines Lebens sind, erfeiert die Erfolge, die er nie hatte.Treibgut aus der Zeit, als noch alles möglich schien.
Der Haufen rührt sich. Die Passanten gehen weiter dran vorbei, machen teils einen größeren Bogen. Anton merkt, dass er aufwacht, gegen seinen Willen. Die Traumbilde werden durchsichtig, lösen sich auf. Jana ist weg, bevor er sie berühren konnte, die Maschine ist auch weg. Der Traumkanal schließt sich. Anton ärgert sich. Der Schlaf ist alles, was er noch hat. Er hält die Augen geschlossen, Schweiß läuft ihm die Wange hinunter. Noch nicht, denkt er, noch nicht, und versucht, den Schlaf zu verlängern.“

  
Thomas Melle (Bonn, 17 maart 1975)

18:15 Gepost door Romenu in Literatuur | Permalink | Commentaren (0) | Tags: thomas melle, romenu |  Facebook |