27-11-16

Navid Kermani, Nicole Brossard, Philippe Delerm, Han Kang

 

De Duits-Iraanse schrijver en islamist Navid Kermani werd geboren op 27 november 1967 in Siegen. Zie ook alle tags voor Navid Kermani op dit blog.

Uit:Sozusagen Paris

“– Aber nicht für Jutta.
Ich schaue zu der Frau hoch, die mir das Buch zum Signieren auf den Tisch gelegt hat, Anfang, Mitte Vierzig, taxiere ich sie, auffallend klein, schlichtes, vermutlich nicht billiges Kleid, das etwas zu eng geschnitten ist, der Leib zwar grazil, aber doch ein Pölsterchen vorm Bauch, die glatten blonden Haare wie mit dem Lineal auf Höhe des Kinns abgeschnitten, so daß ihr Kopf runder wirkt, als er wohl ist, und ihr Hals noch zarter, ja so fein wie ein Blumenstiel, geht mir ein Bild durch den Kopf, das der Lektor abgeschmackt finden wird, um die braunen Augen auffallend viele Linien allerdings, Falten würde ich’s nicht nennen, Krähenfüße nennt man es wohl, also älter jedenfalls, Ende Vierzig vielleicht und dennoch mädchenhaft, ihr Blick von mildem, beinah schon geschwisterlichem Spott, seltsam vertraut.
– Wie bitte?
– Schreib bloß nicht für Jutta, bekräftigt die Frau.
Unmittelbar nach Lesungen bin ich grundsätzlich verwirrt, erkenne selbst Freunde nicht wieder oder kann mich nicht auf ihren Namen besinnen. Auch jetzt dauert es, bis ich mich an das Lächeln erinnere, das die Lippen wie in Zeitlupe in die Länge zieht und die Wangen rund wie Aprikosen macht, es dauert – ich kann die Zeit nicht abschätzen – zehn Sekunden?, fünfzehn, hinter der Frau noch zehn, fünfzehn andere Menschen, die sich zum Signieren angestellt haben. Die Lesung lief ungewöhnlich gut; ohne einmal aufzusehen, spürte ich, wie die Zuhörer mit mir in der Geschichte versanken, wie ich jetzt ohne Hinsehen spüre oder mir einbilde, daß die Zuschauer meinen offenen Mund und die unruhigen Pupillen bemerken, mein nicht recht funktionierender Verstand, der das Lächeln hektisch einem bestimmten Punkt meines Lebens zuzuordnen sucht und noch immer nicht die Nase registriert hat, die mit der leicht nach oben gewölbten Spitze ein hinreichend deutliches Erkennungszeichen ist.“

 
Navid Kermani (Siegen, 27 november 1967)

Lees meer...

27-11-15

Navid Kermani, Philippe Delerm, Han Kang, James Agee, Nicole Brossard, Jos. Habets, Friedrich von Canitz

 

De Duits-Iraanse schrijver en islamist Navid Kermani werd geboren op 27 november 1967 in Siegen. Zie ook alle tags voor Navid Kermani op dit blog.

Uit: Der Schrecken Gottes

„Solange meine Erinnerung zurückreicht, versorgte er die Häuser aller Verwandten und Bekannten, auch jener, die in Europa und den Vereinigten Staaten leben, mit einem selbstentworfenen braunen Poster, auf dem «Remember God» in drei Sprachen stand, auf englisch, arabisch und persisch. Bei meinen Eltern hängt es noch heute im Flur.
Herr Ingenieur war fromm, aber nie kleingeistig. Ich war jung, um seine Größe zu überblicken, mein ältester Bruder jedoch berichtete mir, wie der Herr Ingenieur ihn einmal während der Ferien in Teheran zur Seite nahm und auf dessen Hosenlatz deutete. Mein Bruder stand damals kurz vor der Geschlechtsreife, die im Islam mit der Verpflichtung zum Ritualgebet einhergeht.
– Paß mal auf, sagte er meinem Bruder, du wirst bald an deinem Körper etwas ganz Besonderes und sehr Schönes bemerken. Dein Glied wird manchmal groß und fest werden, und vielleicht wachst du auch mal eines Morgens mit einem Flecken vorn in der Hose auf oder bemerkst, daß es Spaß macht, mit deinem Glied zu spielen. Vielleicht wird dann etwas Weißes aus deinem Glied spritzen, eine Flüssigkeit, die aussieht wie Milch. Das ist nicht schlimm. Das ist etwas Wunderbares. Das ist eines der schönsten Geschenke, die Gott uns gibt. Du mußt dich nicht schämen oder dich fürchten. Du darfst es genießen.
Bei allem Frohlocken über die Wohltaten Gottes vergaß Herr Ingenieur Kermani nicht, meinen Bruder auf die bevorstehende Verpflichtung zum Ritualgebet hinzuweisen. Daß ihm die Sexualität göttlich vorkam, machte ihn nicht zum Freigeist. Er nahm es als einen Grund mehr, Gott zu danken. Gott zu lieben hieß für den Herrn Ingenieur, die Schöpfung zu lieben. Gott zu dienen hieß für ihn, Gottes Geschöpfen zu dienen. Mein Bruder erzählte mir auch von der Hochzeit eines Bettlers, die der Herr Ingenieur ausgerichtet hatte. Der Bettler hatte ihn auf der Straße um ein Almosen gebeten, und der Herr Ingenieur hatte ihm statt dessen eine Arbeit besorgt, später eine Ehefrau vermittelt und dazu noch die Aussteuer bezahlt. Auch die anderen
Bettler und Bedürftigen der Nachbarschaft konnten sich auf ihn verlassen, und für die Waisenkinder Isfahans gründete er ein Heim, wie es heute noch in Isfahan kein größeres und besser organisiertes gibt.“

 

 
Navid Kermani (Siegen, 27 november 1967)

Lees meer...

27-11-14

Navid Kermani, James Agee, Nicole Brossard, Philippe Delerm, Jacques Godbout, Jos. Habets, Friedrich von Canitz

 

De Duits-Iraanse schrijver en islamist Navid Kermani werd geboren op 27 november 1967 in Siegen. Zie ook alle tags voor Navid Kermani op dit blog.

Uit: Der Schrecken Gottes

„Sie mahnen – nicht mehr, aber zu unserem gelegentlichen Verdruß auch nicht weniger. Das ist die Religiosität, die sich mir als Kind eingeprägt hat, und so deutlich ich wahrnehme, welches Unheil heute gerade aus dem Islam erwächst, vergesse ich doch die Menschen nicht,
Denn es ist ihresgleichen nicht im Lande die mir bis heute die Tugend zum Vorbild geben, meinen Großvater zum Beispiel, der den getuschelten Spott seiner jungen, frechen Töchter ertrug, wenn er vor ihnen das Gebet der Großfamilie leitete. In seinen Memoiren hielt er als erstes stolz die Anekdote fest, wie unser Urgroßvater, ein hochangesehener Theologe, sich im Wortsinn schützend vor die Bahais in Isfahan gestellt hat, als andere Mullahs den Mob losließen; Anfang des letzten Jahrhunderts muß das gewesen sein. Mein Großvater ist als Großbürger überzeugter Demokrat gewesen und als Vertreter der Isfahaner Notabeln in den vierziger Jahren eigens nach Teheran gefahren – keine kurze Strecke damals –, um dem verblüfften Oppositionsführer Mossadegh mitzuteilen, daß er seinen Kampf gegen die Monarchie gutheiße. Liberal jedoch, wie wir es verstehen, war mein Großvater nicht, vielmehr ein konservativer Mann von orthodoxem Ernst, das Lob Gottes beständig auf den Lippen und mit strengen moralischen Ansprüchen an sich und seine Nächsten. Wenn er, der selbst an einer Theologischen Hochschule in Isfahan studiert hatte, den Kleingeist der Straßenprediger wie der Staatstheologen verächtlich machte, dann fühlte er sich nicht dem Geist der westlichen Aufklärung und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verpflichtet, sondern dem größten Geist, dem des Allmächtigen.
Da ist der Herr Ingenieur Kermani, der Mann meiner Tante Eschrat, der uns mit dem Backgammon auch das Beten lehrte, ein Kettenraucher vor dem Herrn, der seine immense Körpermasse am liebsten in Kleidung vom Stile Gamal Abdel Nassers zwang, jenen hellbraunen oder hellblauen Baumwollanzügen, bei denen die Jacke zugleich Hemd ist. Herr Ingenieur – den Titel,«Herr Ingenieur», vergaß ich selbst dann nicht zu nennen, wenn ich zu mir selbst sprach –,Kermani war eine wirklich imposante Erscheinung, der dickste und größte unter meinen Verwandten, den riesig-runden Schädel kahl und mit goldenem Vorderzahn im häufig lachenden Mund.”

 

 
Navid Kermani (Siegen, 27 november 1967)

Lees meer...

27-11-13

Navid Kermani, James Agee, Nicole Brossard, Philippe Delerm, Jacques Godbout, Jos. Habets

 

De Duits-Iraanse schrijver en islamist Navid Kermani werd geboren op 27 november 1967 in Siegen. Zie ook alle tags voor Navid Kermani op dit blog.

Uit: Über den Zufall

„Daß ich in der Vorlesung auf Jean Paul und Hölderlin eingehen müßte, wenn ich über den Roman sprechen wollte, den ich schreibe, genau gesagt über die Poetik des Romans, den ich schreibe, stand fest, noch bevor ich mich für den Haupttitel entschied, mit dem ich nun hadere. Der Roman selbst, den ich schreibe, bildet seine Poetik im Laufe der Lektüre von Jean Paul und Hölderlin aus. Eigentlich müßte ich zuerst über Hölderlin sprechen und dann erst über Jean Paul, weil der Enkel, Sohn, Vater, Mann, Liebhaber, Freund, Romanschreiber, Berichterstatter, Orientalist, die Nummer zehn oder Navid Kermani zunächst Hölderlin liest und erst sehr viel später Jean Paul. Indes habe ich in meinem Brief an die Universität Frankfurt, ohne es zu bedenken, im Untertitel der Vorlesung zuerst Jean Paul genannt, weil sich dadurch im Satz klanglich ein Ausströmen von den beiden einsilbigen Namen Jean und Paul über das dreisilbige Hölderlin zur längsten Einheit ergab, der Roman, den ich schreibe. Niemand würde mich hindern, wenigen es auch nur auffallen, wenn ich trotz der Reihenfolge im Untertitel dennoch mit Hölderlin begänne. Was mich daran hindert, die Reihenfolge umzukehren, ist eben die Poetik von der ich in der nächsten Stunde und an den vier kommenden Dienstag, so Gott will, zu Ihnen sprechen werde.
Wenn Sie den Roman kennten, den ich schreibe, würden Sie sehen, daß ich darin stets bemüht bin, dem zu folgen, was sich von selbst ergibt, »schlafen, wenn man müde ist, essen, wenn man hungert«, wie der Meister Baso Matsu im achten Jahrhundert die Lehre des Zen-Buddhismus zusammenfaßte.“ 

 

Navid Kermani (Siegen, 27 november 1967)

Lees meer...

27-11-12

Navid Kermani, James Agee, Nicole Brossard, Philippe Delerm

 

De Duits-Iraanse schrijver en islamist Navid Kermani werd geboren op 27 november 1967 in Siegen. Zie ook alle tags voor Navid Kermani op dit blog.

 

Uit: Vierzig Leben

 

Wenn unser arabischer Nachbar die Kinder zu Bett gebracht, die liegengebliebene Arbeit getan, die E-Mails beantwortet und einige warme Worte mit der Frau über die Segnungen und Kümmernisse ihres Tages, die nächste Reise, die letzte Nacht gewechselt hat, wird er ihr in aller Liebe vom Durst sprechen dürfen, den es im Leben täglich zu löschen gilt, sagt Johannes und meint den Durst im emphatischen Sinne, den Durst nach der Freiheit des Lustlosen, nach Gleichheit unter Verschiedenen und ihrer unverbrüchlich vergänglichen Brüderlichkeit, den Kinder nicht, noch Liebe oder Werke löschen können, sind diese doch mit dem Brot zu vergleichen, das in der Bildersprache der Religionen viel eher als das Wasser für das materiell Notwendige steht, obwohl man – und das ist so merkwürdig, daß niemand es bemerkt zu haben scheint – viel schneller verdursten als verhungern kann, zumal dort, wo unsere Monotheismen ihre Heimat haben, Landschaften, in denen man sich vor Wassernot das Paradies gar nicht anders vorstellen konnte als in der Terminologie des Fließens, das im Durst seine Diesseitigkeit finndet. Ich könnte jetzt Aufheben darum machen, daß jedenfalls unter den abrahamitischen Konfessionen einzig die Schiiten – und das ausgerechnet auf dem Boden Zarathustras, der das Feuer anbetet – eine Mythologie des Wassers entwickelt haben, doch würde ich als Apologet mißverstanden, brächte ich den Durst von Kerbela mit den genannten Idealen der Französischen Revolution in Verbindung, wie ich es tun müßte, um dem ermordeten Imam Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, und so will ich mich darauf beschränken, von jenem Durst zu sprechen, der meinen Nachbarn vollends übermächtigt, sobald seine deutsche Frau es sich gegen halb elf vor den Tagesthemen oder höchstens eine Stunde später im Bett eingerichtet oder, wie sie sagen wird, gemütlich gemacht hat.”

 

 

Navid Kermani (Siegen, 27 november 1967)

Lees meer...

27-11-11

Navid Kermani, James Agee, Nicole Brossard, Annette von Droste-Hülshoff

 

De Duits-Iraanse schrijver en islamist Navid Kermani werd geboren op 27 november 1967 in Siegen. Zie ook mijn blog van 27 november 2008 en ook mijn blog van 27 november 2009.en ook mijn blog van 27 november 2010.

 

Uit: Dein Name

 

„Nach dem Frühstück fing er an, das Ritualgebet zu erlernen, die salât oder persisch das namâz. Die wesentlichen Texte und Abläufe sind ihm bekannt, hinter oder neben anderen hat er schon häufig gebetet. Aber allein zu beten, so daß man die Texte und Abläufe ohne nachzudenken selbst abspulen muß, ist anders. Man kommt schnell durcheinander. Er ist daher, als er einsah, beten zu müssen, weil er weder schreiben noch lesen konnte, zu den Vermietern der Scheune gegangen, um aus dem Internet eine Gebetsanleitung auf den Laptop zu laden. Man wird selbst mit der Analogleitung rasch fündig, tippt »Islamisches Gebet« in die Suchmaschine und kann schon den ersten Link gebrauchen. Da er den Laptop schlecht mit ans Waschbecken nehmen konnte, notierte er sich die neun Abschnitte der rituellen Waschung, des wozuh, am Rande des Feuilletons, das er unter der Ablage aus einer Kiste mit Altpapier nahm. Claus Peymann inszeniert Peter Handkes Spuren der Verirrten am Berliner Ensemble, was man auch nicht gesehen haben muß. Die Waschung hatte er schon oft vollzogen, mußte nur die Reihenfolge der Körperteile sich merken, was keine Viertelstunde dauerte.

Anschließend breitete er die gelbe Vliesdecke, auf der die Frau morgens Gymnastik treibt, neben dem Schreibtisch aus, richtete den Bildschirm so ein, daß er die Gebetsanleitung aus einem Meter Entfernung lesen konnte, stellte sich in Richtung Mekka auf das sozusagen goldene Vlies und betete. Dem Sohn, der immer wieder neben sich auf den Laptop blickte, sich auch mal verhaspelte und deshalb ein Gebet neu aufsagen oder die Verbeugung wiederholen mußte, gelang es nur sehr eingeschränkt, »seine Verbindung zur Außenwelt« abzubrechen und »sich nun in Gedanken vor Allah (t)« zu befinden, wie es die Gebetsanleitung vom Gläubigen verlangt. Im Sinne der Rechtsschulen war sein Gebet sicher nicht gültig, obwohl auch sie, andererseits, die gute Absicht honorieren und sein Bemühen daher kaum tadeln würden. Ihm half es am Morgen, er will nicht sagen: es befriedete, aber,

nein, abgelenkt kann er es auch nicht nennen, das wäre zu schwach, ihm hat das Gebet ermöglicht, diesen Absatz zu beginnen, statt weiter die Scheune wie eine Tier im Käfig auf und ab zu gehen.“

 

 

Navid Kermani (Siegen, 27 november 1967)

Lees meer...

27-11-10

Navid Kermani, James Agee, Philippe Delerm, Nicole Brossard

 

De Duits-Iraanse schrijver en islamist Navid Kermani werd geboren op 27 november 1967 in Siegen. Zie ook mijn blog van 27 november 2008 en ook mijn blog van 27 november 2009.

 

Uit: Du sollst

 

– Sag nicht, daß du mich liebst.
Er sah, daß sie sah, daß er den Atem anhielt. Eine Sekunde, ihre fragenden braunen Augen, zwei Sekunden, die Kontraktion ihrer Scheide, drei, ihr offener Mund. Als er ausatmete, hatte sie es nicht gesagt.
Nie sagten sie sich, daß sie sich liebten. Er wollte das nicht, er hatte es ihr verboten. Seine Liebe hatte er erklärt, indem er erklärte, niemals von Liebe zu sprechen.
– Ich werde niemals sagen, daß ich dich liebe, und versprich mir, daß du es auch nie sagst, noch mich danach fragst.
– Wie bitte?
– Ich werde niemals sagen, daß ich dich liebe, und versprich mir, daß du es auch nie sagst, noch mich danach fragst.
– Was soll das? Was meinst du?
– Versprich es mir einfach.
Weil sie nichts sagte, legte er seine rechte Hand um ihren Hals und küßte sie zum ersten Mal. Er küßte sie auf den Mund. Das war gefährlich, denn sie hatte noch nicht versprochen, von Liebe nicht zu sprechen. Ihm fiel auf, daß ihre Lippen trocken waren. Seine waren es nicht. Ihm fiel auf, wie seine Lippen die ihren benetzten. Er öffnete die Augen, die Lippen noch immer auf ihrem Mund, die Zunge darinnen, und blickte auf ihre gesenkten Lider, in denen sich Äderchen wie gehaucht verästelten. Sein Blick spazierte auf der oberen Hälfte ihres Gesichts umher. Wie schön sie war, dachte er, das Gesicht so schmal, daß er es mit beiden Augen umarmte. Er spürte ihre Wangenknochen, die sich sanft erhoben. Eine braune Linie entdeckte er in der Narbe, die sie auf der Stirn trug, fingerkuppenlang. Es war keine spontane Entscheidung gewesen, sie zu küssen. Er hatte es sich für den Fall ihres Zögerns überlegt. Wenn er sie küßte, so hatte er gedacht, würde sie ihm seine Liebe glauben, ohne daß er sie aussprach, und er brächte sie vielleicht dazu, das Versprechen abzugeben, ohne es zu verstehen. Erklären konnte er es nicht. Sie mußte es unbesehen versprechen: nicht zu reden, über alles zu reden, aber nicht darüber. Unscharf wegen der Nähe, beobachtete er, wie sich im Winkel ihres rechten Auges eine Träne bildete.”
 

 

 

 


Navid Kermani (Siegen, 27 november 1967)

 

Lees meer...

27-11-09

Navid Kermani, Philippe Delerm, Nicole Brossard, Jacques Godbout, James Agee, Klara Blum


De Duits-Iraanse schrijver islamist Navid Kermani werd geboren op 27 november 1967 in Siegen. Zie ook mijn blog van 27 november 2008.

 

Uit: Der Schrecken Gottes

 

Wahrscheinlich sollte ich erklären, warum ich ein Buch über eine mystische Dichtung des 12. oder 13. Jahrhunderts mit der Erinnerung an meine Tante beginne. Das Leben hat mir persönlich noch kein Leid bereitet, das es erlauben würde, der Schöpfung zu zürnen. Die Gründe dafür, daß ich nach der Pubertät nicht aufgehört habe, am Leben zu verzweifeln, sind nicht der Rede wert. Ich bin für mein Alter viel gereist und habe einiges gelesen. Was sich mir bot, genügte, um die Annahme zu verwerfen, das Leben könne einen vertretbaren Sinn bergen.

Doch ist mein Verhältnis zu Gott nicht eng genug, Ihm sein Werk vorzuhalten, gerechterweise vorhalten zu dürfen. Die Religiosität meiner Kindheit habe ich mir bewahrt, nur ist sie von eher praktischer Bedeutung;

ich ziehe aus ihr keinen intellektuellen Schluß. Sie besteht nicht gegen das Leid der anderen, das sich auftut, wohin ich sehe, sie versucht es gar nicht erst und hilft mir dennoch durch den Alltag, indem sie mir wie eine Fee zuflüstert, mein Weg folge einer Spur. Ich bin bereit, der Stimme aus dem einfachen Grund zu glauben, daß sie mich davon abhält, stehenzubleiben. Der Glaube meiner Tante und der anderen Menschen, von denen ich sprechen werde, von denen der Dichter Faridoddin Attar spricht, ist von anderer Konsistenz. Ihr Glaube durchdringt sie. Darüber mag man sich philosophisch erheben, man mag es belächeln oder für sich verwerfen, aber wenn ich mir die schlichte, wesentliche Frage stelle, was am Ende den einen vor den anderen Menschen auszeichnet, dann stehen sie für mich im Glanze, denn am Ende, dem letzten der Tage, oder vor dem Jüngsten Gericht zählt die Güte, nichts anderes. Ich sehe, daß die Frommen unter meinen Mitmenschen – und damit meine ich zuallererst die Verwandten aus der Generation meiner Eltern und Großeltern – gute Menschen sind, gut im emphatischen Sinne: Sie sind so liebevoll wie wohltätig, weder lügen sie, noch betrügen sie, man kann vielleicht nicht alles mit ihnen besprechen, aber sich in allem auf ihre Zuneigung verlassen, sie sehen einem noch die großen Kränkungen nach und verzeihen immer zuerst. Sie sind tolerant im eigentlichen Sinne, insofern sie das Fremde mit distanzierter Freundlichkeit behandeln, ohne es verstehen, geschweige denn mögen zu müssen.

Selbstverständlich können andere Menschen auch gut sein. Aber die Menschen des religiösen Typus, den ich meine, den Attar meint, sind es auf jeden Fall. Ihnen ist die Güte wesenseigen. Vor allem auf Reisen schärft sich das Gespür für Sicherheit, und mir ist aufgefallen, daß ich jemandem instinktiv und ohne weitere Bedenken vertraue, wenn ich die edelste Form der Frömmigkeit an ihm bemerke. Daß ich von den Bigotten oder Buchstabenfrommen nicht spreche, versteht sich, den Erbsenzählern oder Kopfarbeitern, sondern von denen, «die da glauben und Gutes tun», wie es der Koran in der stets wiederkehrenden Formulierung präzise faßt – glauben und Gutes tun. Es müssen keine schlichten Menschen sein, die ich meine, aber ihr Glaube ist schlicht. Die Rituale, die ihnen aufgegeben worden sind, befolgen sie strikt, ohne nach der Begründung zu fragen, die Werte, die ihnen die Offenbarung an die Hand gibt, achten sie so still wie konsequent, und Gott preisen sie selbst dann für das Sein, wenn es sie quält. Durch Worte und nachdrücklicher durch ihr Vorbild mahnen sie ihre Umgebung beständig zum wohltätigen Glauben (welcher Glaube, das ist ihnen weniger wichtig, nicht ruhen läßt sie vielmehr der Unglauben).“

 

 

 

 

Kermani
Navid Kermani (Siegen, 27 november 1967)

 

 

 

 

De Franse schrijver Philippe Delerm werd geboren op 27 november 1950 in Auvers-sur-Oise. Zie ook mijn blog van 27 november 2008.

 

Uit: La bicyclette et le vélo

 

C’est le contraire du vélo, la bicyclette. Une silhouette profilée mauve fluo dévale à soixante-dix à l’heure : c’est du vélo. Deux lycéennes côte à côte traversent un pont à Bruges : c’est de la bicyclette. L’écart peut se réduire. Michel Audiard en knickers et chaussettes hautes au comptoir d’un bistro : c’est du vélo. Un adolescent en jeans descend de sa monture, un bouquin à la main, et prend une menthe à l’eau à la terrasse : c’est de la bicyclette. On est d’un camp ou bien de l’autre. Il y a une frontière. Les lourds routiers ont beau jouer du guidon recourbé : c’est de la bicyclette. Les demi-course ont beau fourbir leurs garde-boue : c’est du vélo. Il vaut mieux ne pas feindre, et assumer sa race. On porte au fond de soi la perfection noire d’une bicyclette hollandaise, une écharpe flottant sur l’épaule. Ou bien on rêve d’un vélo de course si léger : le bruissement de la chaîne glisserait comme un vol d’abeille. A bicyclette, on est un piéton en puissance, flâneur de venelles, dégustateur du journal sur un banc. A vélo, on ne s’arrête pas : moulé jusqu’aux genoux dans une combinaison néospatiale, on ne pourrait marcher qu’en canard, et on ne marche pas.

C’est la lenteur et la vitesse ? Peut-être. Il y a pourtant des moulineurs à bicyclette très efficaces, et des petits pépés à vélo bien tranquilles. Alors, lourdeur contre légèreté ? Davantage. Rêve d’envol d’un côté, de l’autre familiarité appuyée avec le sol. Et puis… Opposition de tout. Les couleurs. Au vélo l’orange métallisé, le vert pomme granny, et pour la bicyclette, le marron terne, le blanc cassé, le rouge mat. Matières et formes aussi. A qui l’ampleur, la laine, le velours, les jupes écossaises ? A l’autre l’ajusté dans tous les synthétiques. »

On naît à bicyclette ou à vélo, c’est presque politique. Mais les vélos doivent renoncer à cette part d’eux-mêmes pour aimer – car on n’est amoureux qu’à bicyclette.

 

 

 

 

Delerm
Philippe Delerm (Auvers-sur-Oise, 27 november 1950)

 

 

 

 

 

De Canadese dichteres en schrijfster Nicole Brossard werd geboren op 27 november 1943 in Montreal (Quebec). Zie ook mijn blog van 27 november 2006 en ook mijn blog van 27 november 2007 en ook mijn blog van 27 november 2008.

 

Uit: Prose Poem

 

Cambridge 1995:
Nous marchons en nous dirigeant vers un café, The Kettle, au centre de la ville. Nous traversons un grand espace qui a un air champêtre. De chaque côté de la route, il y a une histoire, des événements, l’Angleterre. Je ne sais plus si nous parlons anglais ou français. Plus tard, je lis Catacoustics et Lèvre de Poche.
Le lendemain de ce bref arrêt à Cambridge, Tom me donne un de ses collages en noir et blanc.
Le collage s’intitule Faces in the mirror, Feb. 92. Il s’agit d’un montage de quatre blocs par six d’un pouce carré chacun. Il faut regarder attentivement. J’arrive à distinguer des visages, un lit, un matelas, des tiroirs, le coin d’une table sur laquelle il y a des assiettes et des ustensiles. Il y a là du quotidien fragmenté, déchiré, de la matière au jour le jour.  

I am now reading for the second time Le Filon, a french translation by Catherine Weinzaeplflen published by ‘Spectres familiers’. C’est un texte qui oscille entre la prose et un commentaire d’allure poétique qui parle d’
‘une écriture remixée
Pour détruire toute narration
D’un monde intérieur’
J’ai l’impression qu’il y a de la patience et de l’amitié dans ce texte. On peut le lire et avoir l’air d’un détective. On peut aussi respirer fort et s’inquiéter tout en suivant sa trame. Il y a aussi une lenteur apaisante mais je n’arrive pas à décider si cette lenteur tient à la langue française ou s’il s’agit d’un temps d’écriture particulier chez Tom.    

New York, March 2001
      I am in New York for six months. Tom is here for a reading at Double Happiness.       He reads a short text. Again he reads as fast as the first time I heard him in Coïmbra. But this time the voice moves with a slight intonation. The voice is grave, charged with an absolute grounded fervor. The last piece he reads ends with a music which he produces by turning the ........ of a mini Orgue de Barbarie (barrel-organ). After the reading we speak briefly. This time I remember, in French. Poems are meant to be read with the eyes but because they can also be breathed as air, they have to be shared. This is probably why I often think of them as energy traveling its way through language until its reach us, the best in us.

 

 

 

 

Nicole_Brossard
Nicole Brossard (Montreal, 27 november 1943)

 

 

 

 

 

De Canadese dichter, schrijver, essayist en filmmaker  Jacques Godbout werd geboren op 27 november 1933 in Montreal, Quebec. Zie ook mijn blog van 27 november 2008.

 

Uit: Operation Rimbaud  (Vertaald door Patricia Claxton)

 

“Officially, I work for the Company of Jesus, which iswhy at times some people call me “Father Larochelle,” despitemy mere thirty-five years and my professional celibacy. ButI have a feeling this is not going to last. I’ve pushed thedoor of the fourth dimension rather hard. The Companyis a convenient cover for a certain number of clandestineactivities, the most important of which is, and has long been,exchange-rate speculation: the network is flawless. Also inour ranks we have conscientious missionaries preoccupiedwith heaven and hell. These have heard the call of the truevocation and do not sleep curled up, ears cocked, in big softbeds that once belonged to the Empress Eugénie, whoseinitials adorn the garden and the salmon pink wallpaper.Papa would have loved this place. He had only one bigregret when he died — not to have joined a religious orderin time to take off to Mexico with the coffers. “Just think,Michel,” he often said, tossing back a swig of beer, “of all theland the Sulpicians own, plumb in the middle of Montreal!”He had observed that these Gentlemen of Saint Sulpice werefewer and fewer in number, and more and more senile. Child’s play, a few accounting entries and light would have shoneupon our lives. My father was not a loser, but he never hadany luck. His prostate did him in.Georges Larochelle had three passions — the encyclopediashe sold door-to-door, women, and my future. His first passionfed the second, which justified the third. The encyclopedias werethe reason he found himself without my mother. He offered afree after-sale service that ruined his marriage.“Larochelle,” my mother said to him while scrambling themorning eggs, “I don’t know why you feel obliged to explainthe anatomy plates to all your lady customers.”She was exaggerating. My father did not offer the sameservice to all his customers, but if one of them bought allfourteen volumes of the Larousse Encyclopedia, he did feelan intellectual responsibility, as it were. Maman left. Papa,stuck in the house at night, read me pages out of his bigbooks, and even gave me a magnifying glass so I could get abetter look at the pictures. He worried about my education,signed me up with the good fathers, then found me broodingabout what I was going to be: an engineer, lawyer, doctor,sociologist, dentist, pharmacist, notary ... I was eighteen.“Join the Jesuits, Michel,” he said, “You’ll always get yourbed and board, and if you jump the fence, the Virgin Marywon’t ask for a divorce.”Maman went the distance. Legal proceedings, confronta-tions, witnesses, declaratory judgment, alimony collected byher lawyer, which bled our travelling salesman dry. Papa was finished. He didn’t survive long enough to see me completemy novitiate. In accordance with his last wishes, I scatteredhis ashes in a field of thistles, “Beautiful flowers that canprotect themselves.” I’ve painted them on my coat of arms.”

 

 

 

godbout
Jacques Godbout (Montreal, 27 november 1933)

 

 

 

 

 

De Amerikaanse dichter en prozaïst James Agee werd geboren in Knoxville, Tennessee.op 27 november 1909. Zie ook mijn blog van 27 november 2006 en ook mijn blog van 27 november 2008.

 

 

 

Lyrics for Lillian Hellman’s Candide

 

Reason, Magic, Skill and Love,

Frankly, I think poorly of.

Flesh and Figment, Brain and Breath.

All are parodies of Death.

 

Death alone cant paint it true;

Only Death can say for sure;

Who but Death can sing to you?

Death my dearest, sparse and pure.

 

Life is but a sorrowing haze

Through which we grope; and our five senses,

Trammeling snares. In all our way

Artists put their subtle fences:

 

Telling us that Life is All;

Cheating us with hints of glory;

Charming us. We fail, we fall

Stupefied, and buy their story.

 

 

 

 

 

Permit Me Voyage, Sonnet XXV

 

My sovereign souls, God grant my sometime brothers,

I must desert your ways now if I can.

I followed hard but now forsake all others,

And stand in hope to make myself a man.

This mouth that blabbed so loud with foreign song

I’ll shut awhile, or gargle if I sing.

Have patience, let me too, though it be long

Or never, till my throat shall truly ring.

 

These are confusing times and dazed with fate:

Fear, easy faith, or wrath’s on every voice:

Those toward the truth with brain are blind or hate:

The heart is cloven on a hidden choice:

In which respect I shall follow you.

And, when I fail, know where the fault is due.

 

 

 

 

James_Agee
James Agee (27 november 1909 - 16 mei 1955)

 

 

 

 

 

De Duitstalige, joodse, Oostenrijkse, Russische en Chinese schrijfster Klara Blum werd geboren op 27 november 1904 in Czernowitz in de Bukowina. Zie ook mijn blog van 27 november 2006 en ook mijn blog van 27 november 2008.

 

 

Uit: Wie aus Klara Blum Dhsu Bai-Lan wurde

 

Dshu Bai-lan

Dshu Bai-lan

Dshu Bai-lan

Ich bin stolz, Chinesin zu sein

ich

Klara

Klara Blum

Geboren auf Europas Hintertreppen,

Geneigt zu Pathos und Verstiegenheit,

Bereit, des Denkens schwerste Last zu schleppen,

Und unter dieser Last noch sprungbereit,

Wuchs ich heran als Kind des Pulverfasses,

Vom Zündstoff voll der Liebe und des Hasses.

Die Judengasse ist mein Ahnenschloss,

mein Vaterland ein bunter Völkertroß,

der rastlos wilde Eigensinn mein Erbe.

 

Die Mutter war ein unscheinbares Wesen,

Umglänzt von jähem Zauber, wenn sie sprach.

Der Vater sann: Profit ! und ächzte: Spesen!

Und rechnete im Traum den Zinsfuß nach.

Nach allseits üblichem Geschäftsgebahren

Beschloss man, Nachtigall und Fuchs zu paaren.

So hat in einer freudelosen Nacht

Die Ehepflicht zustande mich gebracht

Als durchaus legitim gezeugten Bastard.

 

 

 

 

blumklara
Klara Blum (27 november 1904 - 4 mei 1971)

 

27-11-08

Jacques Godbout, Philippe Delerm, Nicole Brossard, Navid Kermani, James Agee, Klara Blum


De Canadese dichter, schrijver, essayist en filmmaker  Jacques Godbout werd geboren op 27 november 1933 in Montreal, Quebec. Hij volgde opleidingen aan het Collège Jean-de-Brébeuf en aan de Université de Montréal en doceerde daarna een tijdje Frans in Ethiopië. In 1958 begon hij te werken voor de National Film Board of Canada (NFB) als producer en scriptwriter. Hij was actief tijdens „Quebec's Quiet Revolution“ en schreef in die tijd een aantal essays, later gebundeld in Le Murmure marchand (1984). Godbout schreef negen romans en twee kinderboeken.

 

Uit: Operation Rimbaud  (Vertaald door Patricia Claxton)

 

Before we begin, let’s say this is a sulphurous story, it smells of the devil, stale volcanoes, wooden matches, those lemon yellow pyramids beside factories, sulphuric acid baths.

You say most people can’t tell the difference between the smell of sulphur and the smell of rotten eggs? All right, so this story smells of rotten eggs.You’ll have to hold your nose if you want to hear it. Anyway, here I am this morning, writing something sacrilegious, satanic, scandalous. I’ve put away my incense burner, I’ve had it with ceremonials.

Through the window of my room overlooking the ocean, all the way to the far side of the bay, there are valiant souls pushing their surfboards out to sea. The picture comforts me, tells me I’m not the only token Sisyphus on earth. If it takes my last breath, I’m going to tell all with what I’m writing. Adieu, do-gooders!

I had to withdraw from the world in order to write and protect my backside. Having no particular liking for mountain retreats, miraculous grottoes, or Dominican monasteries, I chose this hotel, where I’m as anonymous as I choose and don’t risk running into stooges. It’s a luxury I can treat myself to before perhaps ending up in the morgue. I arrived here with my backpack, a long beard, and a credit card. From the minute you enter, the Hôtel du Palais in Biarritz offers you an atmosphere of calm in a spacious lobby that’s scented with jasmine and softly hued. The tiny receptionist behind her walnut counter is particularly comely, her face magnificently made up. The porter, to the left near the elevators and grand staircase, is reliably as deferent as a Swiss banker. Modern comfort in a nineteenth-century setting is found here. Indeed, this once was the palace of Napoléon iii and the Empress Eugénie. It was turned into a casino, then into a luxury hotel for crowned heads, was

burned down, rebuilt, then occupied during the war by the Germans, who assuredly had less fun than the movie stars after the Führer’s defeat. This is a huge building of painted brick in the purest “English castle” style. They say that the Duke of Windsor and his duchess felt at home in this hotel.

As for me, I feel at home anywhere. Content in some tiny cell, comfortable in high society. I’m a barely domesticated animal, an alley cat that knows how to behave.

The idea of taking up quarters in Biarritz came to me when I learned from Paris Match that the Emperor Hailé Selassie, the Lion of Juda, had spent several weeks here after I had met him in Montreal in March. We have since become bosom buddies, if I may say so. His Majesty had left Canada for Europe, and I thought he was back in the capital of Ethiopia as agreed, whereas he was really bathing with his court and drowning his fleas in the hotel’s huge open-air pool.You can’t trust anyone anymore.“

 

 

 

Godboud
Jacques Godbout (Montreal,
27 november 1933 )

 

 

 

 

De Franse schrijver Philippe Delerm werd geboren op 27 november 1950 in Auvers-sur-Oise. Hij studeerde literatuur in Nanterre en doceert aan het Collège Marie Curie in Bernay. In 1983 trok hij al de aandacht met 'La Cinquième saison', maar zijn doorbraak kwam met La Première gorgée de bière et autres plaisirs minuscules, een verzameling korte verhalen uit 1997.

 

Uit: Le Buveur de Temps

 

„Oui, c’est moi dans la bulle, à la surface du papier glacé. Votre main passe sur le livre, caresse le mirage, et ne dérange rien. Je suis dans la couleur du jour ; une aube imperceptible, ou bien peut-être un soir ; dans cette nuance idéale des premières pages : le rose informulé, tremblant, de tout ce qui commence, et d’avance le bleu voilé d’une mélancolie légère –il est toujours très tard dans le premier matin du monde. Mais vous avez tourné la page, écarté doucement le rideau froid de l’apparence, et je vais naître au monde ; il suffit d’un regard.

 

Je suis bien dans ma bulle. Bien ? Le mot résonne étrangement sur les parois de ma planète ; il est monté de votre terre en ondes chaudes, c’est vous qui l’avez suggéré. Enfin vous êtes au bord de me parler. Moi depuis si longtemps je vous regarde, à travers le grand voile. J’attendais. Je préparais en moi la douceur infinie de votre geste. Vous écartez le voile, et je suis presque là. Je vous connais. Vos rêves en mouvement, vos peurs, vos espérances, à l’ombre effrayante et magique de cet élan qui vous possède, et que vous appelez le temps. Je devine un peu son pouvoir, mais je ne recevrai jamais de lui la vie, la mort, le fil inexorable d’un destin. Effleurer seulement son bonheur, sa blessure ; voilà sans doute mon désir secret.

 

La bulle flotte dans l’espace et grandit lentement vers vous. Lenteur, silence, transparence : le monde d’où je viens vous fait envie, je crois. Je lis dans vos regards ce rêve d’un sommeil flottant dans la lumière. Mais vous le gardez pour plus tard, et passant devant le tableau vous dites simplement « c’est beau », en prolongeant ces mots pour plonger dans mon ciel une seconde. « C’est beau, très beau », et puis vous allez repartir. La beauté ne vous suffit pas. Vous avez tellement mieux qu’elle. Ce vent qui vous possède et que je comprends mal, ce besoin de bouger, d’aller vers autre chose. Pourtant, vous êtes entré dans le musée pour arrêter le temps. Tous les tableaux, comme le mien, dans cette pièce fraîche à l’ombre de l’été vous réclamaient l’oubli. Vous vous êtes arrêté. Vous avez pressenti l’éloignement de mon appel, au-delà du désert de sable.“

 

 

 

 

Delerm
Philippe Delerm (Auvers-sur-Oise, 27 november 1950)

 

 

 

 

 

De Canadese dichteres en schrijfster Nicole Brossard werd geboren op 27 november 1943 in Montreal (Quebec). Zie ook mijn blog van 27 november 2006 en ook mijn blog van 27 november 2007.

 

 

Uit: Notebook of Roses and Civilization

 

Closure;Nothing au bout
...

the c of cerise that is not yet a comma
between you and me and this foretaste of translation
traced like an arc in the mouth
an obsessive curve that could look like
your belly,or those typos found
in books
noise of goodbye or movement of the lips
ardour

the poem can’t lose its momentum
make you suddenly turn around
as if the sea
were about to surge up at your back
in pages of foam and foment

as if the sea
with its syllables of water could
transpose death help you
to make slow curves in time

when we’re struggling to hang on to solutions
why must we suddenly
stretch a part of our being toward fiction
step back from words just as we emerge from
the time of scars

don’t forget to turn the page
with a light hand each time
so that the shadow doesn’t touch
the front of solitude

...

arrive at this page burning.
others use the word light
to shake up reality. Let’s see
if standing up you grab tomorrow naked
out of order

 

 

 

Vertaald door Robert Majzels and Erin Mouré

 

 

 

 

 

Nicole_Brossard
Nicole Brossard (Montreal, 27 november 1943)

 

 

 

 

 

De Duits-Iraanse schrijver islamist Navid Kermani werd geboren op 27 november 1967 in Siegen. Hij studeerde oriëntalistiek, filosofie en theaterwetenschappen in Keulen, Cairo en Bonn. Hij woont en werkt als zelfstandig schrijver en regisseur in Keulen. In 2007 verscheen zijn roman Kurzmitteilung.

 

Uit: Kurzmitteilung

 

“Von Maike Anfangs Tod erfuhr ich durch eine SMS: Tut mir leid, es dir so zu sagen, kann jetzt aber nicht anders. Meine kollegin maike anfang ist gestorben, die mit uns noch whisky trinken war. Einfach so. Ich weiß gar nichts mehr. Liebe grüße, korinna. Als mich die Nachricht erreichte, saß ich in einem Restaurant am Kieselstrand von Cadaqués, einem Ort im Norden der spanischen Costa Brava, kurz vor der Grenze zu Frankreich. Picasso hatte hier einmal ein Haus, in der Nähe auch Dalí, und etwas von ihrer Aura durchflutet noch immer die steinbepflasterten Gassen, die sich schmal und schmäler, kreuz und quer die zwei gegenüberliegenden Hügel hochziehen. Sorgsam konservieren die Einwohner, die meisten zugezogen, das Bild eines Künstlerdorfes am Mittelmeer: mit weißgetünchten, aber geziemend abgeblätterten Mauern und grünen oder blauen Fensterläden, mit prall bestückten Blumenkästen und malerischen Läden für Kunsthandwerk, Delikatessen und Wein, mit Restaurants, die ihre Küche täglich neu auf Kreidetafeln erfinden, und Ateliers, in denen barhäuptige Maler bei weit geöffneten Fenstern ebenso weit geschwungene Striche auf der Leinwand ziehen. Ich selbst bin der Aura erlegen, daß es mich immer wieder nach Cadaqués zurückzieht, mag es auch kaum mehr sein als ein Disneyland für Individualisten. Dem Display zufolge war es der 10. Juli 2005, 18:32 Uhr. Ein blonder Junge von drei, vier Jahren radelte mit Stützrädern an meinem Tisch vorbei, Hemd, Hose und Schuhe aus naturbelassenem Leinen. Die blonden, welligen Haare fielen ihm bis auf die Schultern. Ein bunt geflochtenes Haarband hielt sie an der Stirn zusammen. Die Eltern müssen Künstler sein, Künstler oder jedenfalls Kreative, dachte ich und stellte mir die Frage, ob mein Kind auch so extravagant durch Cadaqués radeln würde. Während ich mich nach den Eltern umschaute, drückte ich mit dem linken Daumen auf den grünen Knopf des Telefons, so daß sich Korinnas Nummer von selbst wählte.”

 

 

 

 

kermani
Navid Kermani (Siegen, 27 november 1967)

 

 

 

De Amerikaanse dichter en prozaïst James Agee werd geboren in Knoxville, Tennessee.op 27 november 1909. Zie ook mijn blog van 27 november 2006.

 

 

PERMIT ME VOYAGE

 

Take these who will as may be: I
Am careless now of what they fail:
My heart and mind discharted lie
And surely as the nerved nail

Appoints all quarters on the north
So now it designates him forth
My sovereign God my princely soul
Whereon my flesh is priestly stole:

Whence forth shall my heart and mind
To God through soul entirely bow,
Therein such strong increase to find
In truth as is my fate to know:

Small though that be great God I know
I know in this gigantic day
What God is ruined and I know
How labors with Godhead this day:

How from the porches of our sky
The crested glory is declined:
And hear with what translated cry
The stridden soul is overshined:

And how this world of wildness through
True poets shall walk who herald you:
Of whom God grant me of your grace
To be, that shall preserve this race.

Permit me voyage, Love, into your hands.

 

 

 

 

 

 

Sure on this shining night

Sure on this shining night
Of star made shadows round,
Kindness must watch for me
This side the ground.
The late year lies down the north.
All is healed, all is health.
High summer holds the earth.
Hearts all whole.
Sure on this shining night I weep

for wonder wand'ring far
alone
Of shadows on the stars.

 

 

 

 

 

Agee

James Agee (27 november 1909 - 16 mei 1955)

 

 

 

 

 

De Duitstalige, joodse, Oostenrijkse, Russische en Chinese schrijfster Klara Blum werd geboren op 27 november 1904 in Czernowitz in de Bukowina. Zie ook mijn blog van 27 november 2006.

 

 

27-11-07

Nicole Brossard, James Agee, Klara Blum


De Canadese dichteres en schrijfster Nicole Brossard werd geboren op 27 november 1943 in Montreal (Quebec). Zie ook mijn blog van 27 november 2006.

 

Uit: Soft Links

 

Des matins clairs, une pluie fine qui tombe depuis vingt-quatre heures, des images rares en provenance d'ailleurs et d'Amérique, deux désastres naturels qui obligent à se serrer les coudes au milieu des cadavres, ce sont des gestes tranquilles ou violets, des obus, des glaçons dans les verres à l'heure de l'apéro, bruits de vaisselles ou un léger bégaiement qui tourmente un instant, une gifle, un baiser ce sont des noms de villes comme Venise ou Reading, Tongue et Pueblo, des noms de personnages Fabrice, Laure ou Emma. Des mots aiguisés au fil des ans et des romans, mots que l'on a prononcés en respirant mal, en riant, en crachant, en suçant une olive, des verbes qu'on ajoute au plaisir des lèvres, au succès, à la mort certaine. Ce sont des mots comme genou ou joue et encore d'autres à perte de vue qui nous obligent à nous pencher au-dessus du vide, à nous étirer comme des chats le matin ce sont des mots qui font veiller jusqu'à l'aube ou prendre un taxi les soirs de semaine quand la ville s'endort avant minuit et que la solitude reste coincée entre les mâchoires comme un abcès. Ce sont des mots dits de mémoire, par envie ou par orgueil, très souvent mots prononcés avec amour en plaçant les mains derrière la nuque ou en remplissant un verre de porto. Ce sont des mots dont il faut chercher l'étymologie, qu'il faut ensuite placarder sur un mur dit de son de manière à ce que cris de douleur et soupirs de plaisir qui errent dans les rêves et les documents prennent d'assaut la mystérieuse obscurité du cœur. Ce sont des mots comme baie, colline, oued, via, street, strasse dispersés dans le dictionnaire entre flamboyants et néons, cimetières, mornes et forêts. Ce sont des mots bras de mer, des ensembles de sens qui font griffes ou soft sur nos poitrines, froid, frissons, rigoles et peur dans le dos sans attendre pendant que nous cherchons à fissurer le temps lisse du futur avec des citations tranchantes. Ce sont des mots avaleurs de feu et de vie, on ne sait plus s'ils sont latins, français, italiens, sanskrits, mandarins, andalous, arabes ou anglais, s'ils cachent un chiffre, un animal ou de vieilles angoisses pressées de jaillir sous nos yeux comme des ombres clones remplies de lumière et de grands mythes.”

 

 

 

 

Brossard
Nicole Brossard (Montreal, 27 november 1943)

 

 

 

 

Zie voor onderstaande schrijvers ook mijn blog van 27 november 2006.

 

De Amerikaanse dichter en prozaïst James Agee werd geboren in Knoxville, Tennessee.op 27 november 1909.

 

De Duitstalige, joodse, Oostenrijkse, Russische en Chinese schrijfster Klara Blum werd geboren op 27 november 1904 in Czernowitz in de Bukowina.

 

 

20:16 Gepost door Romenu | Permalink | Commentaren (0) | Tags: nicole brossard, james agee, klara blum, romenu |  Facebook |

27-11-06

Nicole Brossard, James Agee, Klara Blum


De Canadese dichteres en schrijfster Nicole Brossard werd geboren op 27 november 1943 in Montreal (Quebec). Zij publiceerde haar eerste boek in 1965. Ook was zij in dat jaar medeoprichter van het literaire tijdschrift La Barre du Jour en in 1976 was zij mederegisseur van de film Some American Femnists. Zij heeft acht romans op haar naam staan, waaronder Daydream Mechanics, Lovhers, Typhon dru, Installations, en Musee de l'os et de l'eau. Voor haar poëzie ontving zij tweemaal (in 1974 en 1984) de Governor General award en Le Grand Prix de Poesie de la Foundation les Forges in 1989 en 1999. Zij is lid van de L'Academie des Lettres du Quebec. Haar werk is veel vertaald en opgenomen in talloze bloemlezingen. In 1998 publiceerde zij de tweetalige editie van een “autofiction” essay onder de titel She would be the first sentence of my new novel/Elle serait la premiere phrase de mon prochain roman.

Uit:  Shadow : soft et soif

je n’ai pas encore parlé
de disparition ni de vocabulaire c’est trop vaste
et la solitude tu t’en souviens
elle gratte le fond de la mer et de l’alphabet
afin que la nuit traverse l’invisible
arrive jusqu’à nos cahiers d’indocilité

I haven’t yet said a word
about disappearance or vocabulary it’s too vast
and you remember solitude
it scrapes the bottom of the sea and the alphabet
that night may span the invisible
right up to the notebooks of our indocility

 *

à propos : les étoiles nous en avions l’habitude
nous les regardions avec détresse
et précision
car l’univers pouvait soudain
se transformer en avalanches
bris de verre et de voix. Musique
ou adieu de perfectionnement

by the way : we were used to stars
would observe them with distress
and precision
for the universe might suddenly
spill down in avalanches
shattered glass and voices. Music
or farewell of perfecting

*

être là toute une vie dans l’espèce flexible
avec ce réflexe qui persiste à vouloir
tout représenter de l’ivresse et des gestes
les morsures, les chambres avec leur creux
d’ombre et de souplesse, les fronts soucieux
notre fragilité
bien sûr que nous sommes sans réponse
à chaque baiser

to be there a lifetime in the flexible species
with this reflex that keeps wanting
to depict everything about pleasure and gestures
bites, bedrooms with their shadowy, supple,
hollow spaces, knotted brows
our fragility
of course we go unanswered
with each kiss

Vertaald door Guy Bennett

 

Brossard
Nicole Brossard (Montreal, 27 november 1943)

 

De Amerikaanse dichter en prozaïst James Agee werd geboren in Knoxville, Tennessee.op 27 november 1909.Hij was werkzaam als filmcriticus (achtereenvolgens bij Time en bij The Nation) en scenarioschrijver. Als feature-schrijver van Fortune maakte hij met fotograaf Walker Evans een beroemd geworden verslag over het leven van een typische familie van keuterboertjes in de staat Alabama, in boekvorm verschenen onder de titel Let us now praise famous men (1941). Hij schreef twee uitstekende romans: The morning watch (1951) en A death in the family (1957); laatstgenoemd boek had ook veel succes in de toneelbewerking, onder de titel All the way home. Een groot aantal van zijn artikelen werd postuum gepubliceerd in Agee on film (1958), in 1960 gevolgd door een tweede deel met vijf van zijn scenario's, o.a. voor The African queen (1952) en The night of the hunter (1955). Een inzicht in Agees tragisch verscheurde persoonlijkheid geven de Letters of James Agee to Father Flye (1962; m. biogr. d. R. Phelps).

 

Uit: A Mother's Tale

‘The calf ran up the hill as fast as he could and stopped sharp. “Mama!” he cried, all out of breath. “What is it! What are they doing! Where are they going!”

Other spring calves came galloping too.

They all were looking up at her and awaiting her explanation, but she looked out over their excited eyes. As she watched the mysterious and majestic thing they had never seen before, her own eyes became even more than ordinarily still, and during the considerable moment before she answered, she scarcely heard their urgent questioning.

Far out along the autumn plain, beneath the sloping light, an immense drove of cattle moved eastward. They went at a walk, not very fast, but faster than they could imaginably enjoy. Those in front were compelled by those behind; those at the rear, with few exceptions, did their best to keep up; those who were locked within the herd could no more help moving than the particles inside a falling rock. Men on horses rode ahead, and alongside, and behind, or spurred their horses intensely back and forth, keeping the pace steady, and the herd in shape; and from man to man a dog sped back and forth incessantly as a shuttle, barking, incessantly, in a hysterical voice. Now and then one of the men shouted fiercely, and this like the shrieking of the dog was tinily audible above a low and awesome sound which seemed to come not from the multitude of hooves but from the center of the world, and above the sporadic bawlings and bellowings of the herd.’

 

AGEE_JAMES
James Agee (27 november 1909 - 16 mei 1955)

 

Klara Blum was een Duitstalige, joodse, Oostenrijkse, Russische en Chinese schrijfster. Zij werd geboren op 27 november 1904 in Czernowitz/Bukowina. In 1913 kwam zij met haar moeder in Wenen terecht. In 1923 begon zij daar aan een studie psychologie, maar die moest zij afbreken wegens geldgebrek. Zij werkte daarna als journaliste. Als overtuigde zioniste ging zij in 1929 naar Palestina, maar zij keerde al snel teleurgesteld naar Oostenrijk terug. Zij werd lid van de SPÖ en zette zich al snel in voor de vrouwenemancipatie. Ze kreeg contact met de "Internationale Vereinigung Revolutionärer Schriftsteller" waarvan zij in 1934 een prijs ontving die bestond uit een reis naar de Sovjet Unie. Die reis resulteerde in een permanent verblijf en zij kreeg in 1935 het Russische staatsburgerschap. In de Sovjet Unie publiceerde zij meerdere Duitstalige dichtbundels en ze kreeg er een verhouding met de chinese journalist en filmregisseur Zhu Xiangcheng die bepalend voor haar leven zou worden. Toen Zhu Xiangcheng na vier maanden verdween wilde Blum niets weten van een samenhang met de golf van stalinistische arrestaties, maar meende zij dat hij op een geheime missie was naar China. (In werkelijkheid stierf hij in 1943 in gevangenschap in Siberië. Tot 1945 mocht Blum de Sovjet Unie niet verlaten. Pas in 1947 lukte het haar via omwegen in China terecht te komen. Ze bleef geloven dat Zhu nog leefde. In 1952 werd zij professor voor Duitse Taal –en Literatuur aan de universiteit van Nanking. In 1954 verwierf Blum die tot aan haar dood overtuigd communiste bleef, het Chinese staatsburgerschap en heette voortaan Zhu Bailan. Er verschene nog enkele Duitstalige werken van haar in de DDR, waaronder de roman "Der Hirte und die Weberin", waarin ze haar relatie met Zhu Xiangcheng beschreef.

 

Stummer Abschied

 

Sinnend im Abendschimmer
Leuchtet dein Bernsteingesicht,
Überflutet von Licht
Lächelt dein ernstes Zimmer.

Leise steigt schon die Nacht
Aus der smaragdenen Tiefe,
Noch eine Hieroglyphe,
Dann ist die Arbeit vollbracht.

Winzige Bildzeichen weben
Aufruf und Kampf ins Papier.
Nun willst du endlich zu mir,
Ruhn und erzählen und leben.

Klopft es. Tjän-tschung steht vor dir,
Unerwartet und leise:
„Mach dich bereit für die Reise:
Komm, mein Bruder, mit mir.

Schweigend müssen wir fahren,
Heimlich ward ich gesandt.
Komm. Es ruft dich dein Land.
Hilf ihm die Freiheit bewahren.“

Wie vom betäubenden Mohn
Sind deine Sinne erschlagen,
Ohne ein Wort zu sagen,
Greifst du ans Telefon.

Dunkle klagende Flammen
Zucken dir schräge im Blick.
Sinkt deine Hand zurück,
Presst die Lippen zusammen.

Vor deinem Fenster versinkt
Farbig der Abend, der zarte,
Denkst, wie ich warte und warte –
Der Telefonhörer blinkt.

Reglos starr wie im Tode
Wird dein Bernsteingesicht,
Im verdämmernden Licht
Gleichst du einer Pagode.

Kommst durch die Nacht auf mich zu
Großes, mannhaftes Schweigen ...
Fahr nur ! – So will ich dir zeigen,
Dass ich stark bin – wie du !

 

 

 

blum
Klara Blum (27 november 1904 - 4 mei 1971)

 

18:39 Gepost door Romenu | Permalink | Commentaren (0) | Tags: nicole brossard, james agee, klara blum |  Facebook |