31-01-12

Stefan Beuse, Marie Luise Kaschnitz, Kenzaburo Oe, Kurt Marti, John 'O Hara

 

De Duitse schrijver Stefan Beuse werd geboren op 31 januari 1967 in Münster. Zie ook alle tags voor Stefan Beuse op dit blog.

 

Uit: Verschlußzeit

 

„Gerade fokussiert er Sophies Mund, der sich um die Schokoladenkugel schließt und kurz zuckt. Er sieht das Zucken, während Sophie spürt, wie ihre Zunge die Waffelhülle durchdringt und in die weiche Schokolade taucht, die den eigentlichen Kern umhüllt. Dann wieder Auslöser.

Sophies Großvater war Ingenieur. Mit Sechzig bekam er eine Krankheit, die ihm seine Erinnerung nahm, und in den letzten Jahren seines Lebens schrieb er dicke Notizbücher voll, die ihm seine Sprache retten sollten.

Am Anfang kannte ihr Großvater noch die meisten Worte. Er hatte keine Probleme, in ein Geschäft zu gehen und die Dinge zu benennen, die er brauchte. Doch mit den Jahren fiel es ihm immer schwerer, sich an bestimmte Begriffe zu erinnern. Wenn er zum Beispiel Batterien für sein Radio brauchte, ging er in ein Elektrogeschäft und sagte, ich brauche das, was man haben muß, um sich beim Baden gut zu behandeln, denn er hörte gern Musik, während er in der Badewanne saß. Natürlich konnten die Verkäufer im Elektrogeschäft nichts damit anfangen. Sie verstanden ihn nicht und schickten ihn in einen Sanitärladen, wo man ihm derart aufdringlich einen neuen Duschkopf verkaufen wollte, daß ihr Großvater traurig wurde und nach Hause ging.

Als er dann eines Tages im Supermarkt zufällig Batterien sah, nahm er die Verpackung und schrieb sie ab. Er schrieb den gesamten Text der Batterieverpackung in sein Notizbuch, weil er nicht wußte, welches der vielen Wörter die richtige Bezeichnung für das war, was er haben wollte. Über den Packungstext schrieb er in allerbester Ingenieursstandarddruckschrift: Das muß ich sagen, wenn ich das Gerät brauche, das mich beim Baden gut behandelt. Diesen Satz unterstrich er mit Hilfe eines Lineals in zwei Farben, und darunter schrieb er: Daimon Sparpack 4 x 1,5 V Mignonzellen.“

 

 

Stefan Beuse (Münster, 31 januari 1967)

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31-01-11

Stefan Beuse, Marie Luise Kaschnitz, Kenzaburo Oe, Kurt Marti, John 'O Hara

 

De Duitse schrijver Stefan Beuse werd geboren op 31 januari 1967 in Münster. Zie ook mijn blog van 31 januari 2007 en ook mijn blog van 31 januari 2008 en ook mijn blog van 31 januari 2009 en ook mijn blog van 31 januari 2010. 

 

Uit: Alles was du siehst

 

Seit drei Monaten kannte ich nur seine Stimme, und obwohl ich ihn mir nie vorgestellt hatte, war ich überrascht von dem Mann, der am Flughafen auf mich wartete. Nicht, weil er dem Bild eines Professors widersprochen hätte, sondern weil er im Gegenteil genau so aussah, wie man sich einen Gelehrten vorstellt: Leicht nach vorn gebeugt und etwas windschief, die Arme verschränkt, als müsste er sich selbst festhalten; eine große, knochige Gestalt, die mitten in der winzigen Halle von Ithaca Airport stand und von der ich nie gedacht hätte, dass es sich um denselben Mann handeln könnte, der mich hierher bestellt hatte. Doch abgesehen von einer schattenhaften Frau, die den Bistrotisch eines verwaisten Stehimbisses abwischte, war niemand mehr da; meine De Havilland Dash-8 Turboprop aus Philadelphia war die letzte Maschine gewesen und der Rest der Passagiere längst im wirbelnden Schnee verschwunden. »Blizzard«, hatte die Frau von der Gepäckermittlung gesagt und dazu mit den Schultern gezuckt. »Passiert in dieser Zeit öfter. Manchmal landet hier drei, vier Tage lang gar nichts; seien Sie froh, dass nur Ihr Gepäck den Anschluss nicht geschafft hat, sonst säßen Sie jetzt in Philadelphia fest ...« Schon nach dem ersten Anruf des Professors hatte ich meine Wohnung gekündigt. Seine Einladung war wie die Erlaubnis gewesen, endlich nach Hause kommen zu dürfen, obwohl ich in ein Land flog, in dem ich noch nie gewesen war. Alles Wichtige hatte ich in meinen Rucksack gepackt und den Rest abholen lassen, von einem Händler, dessen erstes Angebot ich akzeptiert hatte; auch die Möbel. Ich besaß gerade soviel, wie ich in fünf Minuten zusammenraffen und forttragen konnte, das war immer so ein Grundsatz gewesen, ich wollte die Dinge nicht unnötig kompliziert machen. Doch jetzt hatte ich nur noch die Bücher in meinem Handgepäck, und mit denen konnte ich mich weder waschen, noch konnte ich sie anziehen.“

 

 

 

Stefan Beuse (Münster,  31 januari 1967)

 

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