02-08-16

Dolce far niente, Hugo von Hofmannsthal, Jussi Adler-Olsen, Kristine Bilkau, James Baldwin, Ernest Dowson

 

Dolce far niente

 

 
Na de regen door German Tatarinov, 1991

 

 

Regen in der Dämmerung

Der wandernde Wind auf den Wegen
War angefüllt mit süßem Laut,
Der dämmernde rieselnde Regen
War mit Verlangen feucht betaut.

Das rinnende rauschende Wasser
Berauschte verwirrend die Stimmen
Der Träume, die blasser und blasser
Im schwebenden Nebel verschwimmen.

Der Wind in den wehenden Weiden,
Am Wasser der wandernde Wind,
Berauschte die sehnenden Leiden,
Die in der Dämmerung sind.

Der Weg im dämmernden Wehen,
Er führte zu keinem Ziel,
Doch war er gut zu gehen
Im Regend, der rieselnd fiel.

 

 
Hugo von Hofmannsthal (1 februari 1874 – 15 juli 1929) 
Regen in Wenen, waar Hugo von Hofmannsthal werd geboren.

Lees meer...

01-02-16

Hugo von Hofmannsthal, Stijn Vranken, José Luis Sampredo, F. B. Hotz, Toine Heijmans, Dieter Kühn, Günter Eich

 

De Oostenrijkse dichter en schrijver Hugo von Hofmannsthal werd geboren op 1 februari 1874 in Wenen. Zie ook alle tags voor Hugo von Hofmannsthal op dit blog.

 

Für mich ...
Ghasel

Das längst Gewohnte, das alltäglich Gleiche,
Mein Auge adelt mirs zum Zauberreiche:
Es singt der Sturm sein grollend‘ Lied für mich,
Für mich erglüht die Rose, rauscht die Eiche.
Die Sonne spielt auf goldnem Frauenhaar
Für mich – und Mondlicht auf dem stillen Teiche.
Die Seele les ich aus dem stummen Blick,
Und zu mir spricht die Stirn, die schweigend bleiche.
Zum Traume sag ich: »Bleib bei mir, sei wahr!«
Und zu der Wirklichkeit: »Sei Traum, entweiche!«
Das Wort, das Andern Scheidemünze ist,
Mir ists der Bilderquell, der flimmernd reiche.
Was ich erkenne, ist mein Eigentum,
Und lieblich locket, was ich nicht erreiche.
Der Rausch ist süß, den Geistertrank entflammt,
Und süß ist die Erschlaffung auch, die weiche.
So tiefe Welten tun sich oft mir auf,
Daß ich drein glanzgeblendet, zögernd schleiche,
Und einen goldnen Reigen schlingt um mich
Das längst Gewohnte, das alltäglich Gleiche.

 


Frage

Merkst du denn nicht, wie meine Lippen beben?
Kannst du nicht lesen diese bleichen Züge,
Nicht fühlen, daß mein Lächeln Qual und Lüge,
Wenn meine Blicke forschend dich umschweben?

Sehnst du dich nicht nach einem Hauch von Leben,
Nach einem heißen Arm, dich fortzutragen
Aus diesem Sumpf von öden, leeren Tagen,
Um den die bleichen, irren Lichter weben?

So las ich falsch in deinem Aug, dem tiefen?
Kein heimlich‘ Sehnen sah ich heiß dort funkeln?
Es birgt zu deiner Seele keine Pforte

Dein feuchter Blick? Die Wünsche, die dort schliefen,
Wie stille Rosen in der Flut, der dunkeln,
Sind, wie dein Plaudern: seellos ... Worte, Worte?

 


»Sunt animae rerum«
Thomas von Aquino

Ein gutes Wort mußt du im Herzen tragen,
Und seinen Wert enthüllt dir eine Stunde:
Stets dringt dein Aug nicht nach des Meeres Grunde,
An trüben tiefer als an hellen Tagen.

Zuweilen gibt ein lichter Blick dir Kunde
Von Herzen, die in toten Dingen schlagen,
Und wenn du nur verstehest recht zu fragen,
Erfährst du manches auch aus stummem Munde.

Drum flieh aus deinem Selbst, dem starren, kalten,
Des Weltalls Seele dafür einzutauschen,
Laß dir des Lebens wogende Gewalten,

Genuß und Qualen, durch die Seele rauschen,
Und kannst du eine Melodie erlauschen,
So strebe, ihren Nachhall festzuhalten!

 

 
Hugo von Hofmannsthal (1 februari 1874 – 15 juli 1929) 
In 1906

Lees meer...

04-06-15

Fronleichnam (Hugo von Hofmannsthal)

 

Bij Sacramentsdag

 

 
Fronleichnamsprozession in Hofgastein door Adolph Menzel, 1880

 

 

Fronleichnam

Von Glockenschall, von Weihrauchduft umflossen,
Durchwogt die Straßen festliches Gepränge
Und lockt ringsum ein froh bewegt Gedränge
An alle Fenster, – deines bleibt geschlossen.

So hab auch ich der Träume bunte Menge,
Der Seele Inhalt, vor dir ausgegossen:
Du merktests kaum, da schwieg ich scheu-verdrossen,
Und leis verweht der Wind die leisen Klänge.

Nimm dich in acht: ein Tag ist schnell entschwunden,
Und leer und öde liegt die Straße wieder;
Nimm dich in acht: mir ahnt, es kommen Stunden,

Da du ersehnest die verschmähten Lieder:
Heut tönt dir, unbegehrt, vielstimmiger Reigen,
Wenn einst du sein begehrst, wird er dir schweigen.

 

 

 
Hugo von Hofmannsthal (1 februari 1874 – 15 juli 1929) 
Wenen, Stephansdom vom Stock-im-Eisen-Platz, door Rudolf von Alt, 1832.
Hugo von Hofmannsthal werd geboren in Wenen.

 

 

Zie voor de schrijvers van de 4e juni ook mijn vorige twee blogs van vandaag.

01-02-15

Hugo von Hofmannsthal, José Luis Sampredo, Günter Eich, F. B. Hotz, Toine Heijmans, Dieter Kühn

 

De Oostenrijkse dichter en schrijver Hugo von Hofmannsthal werd geboren op 1 februari 1874 in Wenen. Zie ook alle tags voor Hugo von Hofmannsthal op dit blog.

 

Der Prophet

In einer Halle hat er mich empfangen,
Die rätselhaft mich ängstet mit Gewalt,
Von süßen Düften widerlich durchwallt:
Da hängen fremde Vögel, bunte Schlangen.

Das Tor fällt zu, des Lebens Laut verhallt,
Der Seele Atmen hemmt ein dumpfes Bangen,
Ein Zaubertrunk hält jeden Sinn befangen
Und alles flüchtet hilflos, ohne Halt.

Er aber ist nicht wie er immer war,
Sein Auge bannt und fremd ist Stirn und Haar.
Von seinen Worten, den unscheinbar leisen,
Geht eine Herrschaft aus und ein Verführen,

Er macht die leere Luft beengend kreisen
Und er kann töten, ohne zu berühren.

 


Den Pessimisten
Ghasel

Solang uns Liebe lockt mit Lust und Plagen,
Solang Begeistrung wechselt und Verzagen,
Solange wird auf Erden nicht die Zeit,
Die schreckliche, die dichterlose tagen:
Solang in tausend Formen Schönheit blüht,
Schlägt auch ein Herz, zu singen und zu sagen,
Solang das Leid, das ewge, uns umflicht,
Solange werden wirs in Tönen klagen,
Und es erlischt erst dann der letzte Traum,
Wenn er das letzte Herz zu Gott getragen.

 

 

Sturmnacht

Die Sturmnacht hat uns vermählt
In Brausen und Toben und Bangen:
Was unsre Seelen sich lange verhehlt,
Da ists uns aufgegangen.

Ich las so tief in deinem Blick
Beim Strahl vom Wetterleuchten:
Ich las darin mein flammend‘ Glück,
In seinem Glanz, dem feuchten.

Es warf der Wind dein duftges Haar
Mir spielend um Stirn und Wangen,
Es flüsterte lockend die Wellenschar
Von heißem tiefem Verlangen.

Die Lippen waren sich so nah,
Ich hielt dich fest umschlungen;
Mein Werben und dein stammelnd Ja,
Die hat der Wind verschlungen ...

 

 
Hugo von Hofmannsthal (1 februari 1874 – 15 juli 1929) 

Lees meer...

01-02-14

Hugo von Hofmannsthal, José Luis Sampredo, Günter Eich, F. B. Hotz, Dieter Kühn

 

De Oostenrijkse dichter en schrijver Hugo von Hofmannsthal werd geboren op 1 februari 1874 in Wenen. Zie ook alle tags voor Hugo von Hofmannsthal op dit blog.

 

Aber seltsam!

Ein namenloses Heimweh weinte lautlos
In meiner Seele nach dem Leben, weinte,
Wie einer weint, wenn er auf großem Seeschiff
Mit gelben Riesensegeln gegen Abend
Auf dunkelblauem Wasser an der Stadt,
Der Vaterstadt, vorüberfährt. Da sieht er
Die Gassen, hört die Brunnen rauschen, riecht
Den Duft der Fliederbüsche, sieht sich selber,
Ein Kind, am Ufer stehn, mit Kindesaugen,
Die ängstlich sind und weinen wollen, sieht
Durchs offene Fenster Licht in seinem Zimmer -
Das große Seeschiff aber trägt ihn weiter,
Auf dunkelblauem Wasser lautlos gleitend
Mit gelben, fremdgeformten Riesensegeln.

 

 

Im Grünen zu singen

War der Himmel trüb und schwer,
Waren einsam wir so sehr,
Voneinander abgeschnitten!
Aber das ist nun nicht mehr:
Lüfte fließen hin und her;
Und die ganze Welt inmitten
Glänzt, als ob sie gläsern wär.

Sterne kamen aufgegangen,
Flimmern mein - und deinen Wangen,
Und sie wissens auch:
Stark und stärker wird ihr Prangen;
Und wir atmen mit Verlangen,
Liegen selig wie gefangen,
Spüren eins des andern Hauch.

 

 

Besitz

Großer Garten liegt erschlossen,
Weite schweigende Terrassen:
Müßt mich alle Teile kennen,
Jeden Teil genießen lassen!

Schauen auf vom Blumenboden,
Auf zum Himmel durch Gezweige,
Längs dem Bach ins Fremde schreiten,
Niederwandeln sanfte Neige:

Dann erst komme ich zum Weiher,
Der in stiller Mitte spiegelt,
Mir des Gartens ganze Freude
Träumerisch vereint entriegelt.

Aber solchen Vollbesitzes
Tiefe Blicke sind so selten!
Zwischen Finden und Verlieren
müssen sie als göttlich gelten.

All in einem, Kern und Schale,
Dieses Glück gehört dem Traum
Tief begreifen und besitzen!
Hat dies wo im Leben Raum?

 

 

 
Hugo von Hofmannsthal (1 februari 1874 – 15 juli 1929)
Borstbeeld in het Festspielhaus, Salzburg

Lees meer...

01-02-13

Hugo von Hofmannsthal, Günter Eich, F. B. Hotz, Dieter Kühn

 

De Oostenrijkse dichter en schrijver Hugo von Hofmannsthal werd geboren op 1 februari 1874 in Wenen. Zie ook alle tags voor Hugo von Hofmannsthal op dit blog.

 

 

An einen, der vorübergeht

 

Du hast mich an Dinge gemahnet,

Die heimlich in mir sind,

Du warst für die Saiten der Seele

Der nächtige flüsternde Wind

 

Und wie das rätselhafte

Das Rufen der atmenden Nacht,

Wenn draußen die Wolken gleiten

Und man aus dem Traum erwacht,

 

Zu blauer weicher Weite

Die enge Nähe schwillt,

Durch Zweige vor dem Monde

Ein leises Zittern quillt.

 

 

 

 

Manche freilich müssen drunten sterben...

 

Manche freilich müssen drunten sterben,

Wo die schweren Ruder der Schiffe streifen,

Andre wohnen bei dem Steuer droben,

Kennen Vogelflug und die Länder der Sterne.

 

Manche liegen immer mit schweren Gliedern

Bei den Wurzeln des verworrenen Lebens,

Andern sind die Stühle gerichtet

Bei den Sibyllen, den Königinnen,

Und da sitzen sie wie zu Hause,

Leichten Hauptes und leichter Hände.

 

Doch ein Schatten fällt von jenen Leben

In die anderen Leben hinüber,

Und die leichten sind an die schweren

Wie an Luft und Erde gebunden:

 

Ganz vergessener Völker Müdigkeiten

Kann ich nicht abtun von meinen Lidern,

Noch weghalten von der erschrockenen Seele

Stummes Niederfallen ferner Sterne.

 

Viele Geschicke weben neben dem meinen,

Durcheinander spielt sie alle das Dasein,

Und mein Teil ist mehr als dieses Lebens

Schlanke Flamme oder schmale Leier.

 

 

 

 

Wolken

 

Am nächtigen Himmel
Ein Drängen und Dehnen,
Wolkengewimmel
In hastigem Sehnen,

In lautloser Hast
- Von welchem Zug
Gebietend erfaßt? -
Gleitet ihr Flug,

Es schwangt gigantisch
Im Mondesglanz
Auf meiner Seele
Ihr Schattentanz,

Wogende Bilder,
Kaum noch begonnen,
Wachsen sie wilder,
Sind sie zerrronnen,

Ein loses Schweifen...
Ein Halb-Verstehn...
Ein Flüchtig-Ergreifen...
Ein Weiterwehn...

Ein lautloses Gleiten,
Ledig der Schwere,
Durch aller Weiten
Blauende Leere.

 

 

 


Hugo von Hofmannsthal (1 februari 1874 – 15 juli 1929)

Lees meer...

01-02-12

Hugo von Hofmannsthal, Günter Eich, Dieter Kühn, F. B. Hotz

 

De Oostenrijkse dichter en schrijver Hugo von Hofmannsthal werd geboren op 1 februari 1874 in Wenen. Zie ook alle tags voor Hugo von Hofmannsthal op dit blog.

 

 

Was ist die Welt?

 

Was ist die Welt? Ein ewiges Gedicht,

Daraus der Geist der Gottheit strahlt und glüht,

Daraus der Wein der Weisheit schäumt und sprüht,

Daraus der Laut der Liebe zu uns spricht

 

Und jedes Menschen wechselndes Gemüt,

Ein Strahl ists, der aus dieser Sonne bricht,

Ein Vers, der sich an tausend andre flicht,

Der unbemerkt verhallt, verlischt, verblüht.

 

Und doch auch eine Welt für sich allein,

Voll süß-geheimer, nievernommner Töne,

Begabt mit eigner, unentweihter Schöne,

 

Und keines Andern Nachhall, Widerschein.

Und wenn du gar zu lesen drin verstündest,

Ein Buch, das du im Leben nicht ergründest.

 

 

 

Siehst du die Stadt?

 

Siehst du die Stadt, wie sie da drüben ruht,

Sich flüsternd schmieget in das Kleid der Nacht?

Es gießt der Mond der Silberseide Flut

Auf sie herab in zauberischer Pracht.

 

Der laue Nachtwind weht ihr Atmen her,

So geisterhaft, verlöschend leisen Klang:

Sie weint im Traum, sie atmet tief und schwer,

Sie lispelt, rätselvoll, verlockend bang ...

 

Die dunkle Stadt, sie schläft im Herzen mein

Mit Glanz und Glut, mit qualvoll bunter Pracht:

Doch schmeichelnd schwebt um dich ihr Widerschein,

Gedämpft zum Flüstern, gleitend durch die Nacht.

 

 

 

 

Des alten Mannes Sehnsucht nach dem Sommer

 

Wenn endlich Juli würde anstatt März,

 

Nichts hielte mich, ich nähme einen Rand,

Zu Pferd, zu Wagen oder mit der Bahn

Käm ich hinaus ins schöne Hügelland.

 

Da stünden Gruppen großer Bäume nah,

Platanen, Rüster, Ahorn oder Eiche:

Wie lang ists, daß ich keine solchen sah!

 

Da stiege ich vom Pferde oder riefe

Dem Kutscher: Halt! und ginge ohne Ziel

Nach vorwärts in des Sommerlandes Tiefe.

 

Und unter solchen Bäumen ruht ich aus;

In deren Wipfel wäre Tag und Nacht

Zugleich, und nicht so wie in diesem Haus,

 

Wo Tage manchmal öd sind wie die Nacht

Und Nächte fahl und lauernd wie der Tag.

Dort wäre alles Leben, Glanz und Pracht.

 

Und aus dem Schatten in des Abendlichts

Beglückung tret ich, und ein Hauch weht hin,

Doch nirgend flüsterts: »Alles dies ist nichts.«

 

Das Tal wird dunkel, und wo Häuser sind,

Sind Lichter, und das Dunkel weht mich an,

Doch nicht vom Sterben spricht der nächtige Wind;

 

Ich gehe übern Friedhof hin und sehe

Nur Blumen sich im letzten Scheine wiegen,

Von gar nichts anderm fühl ich eine Nähe.

 

Und zwischen Haselsträuchern, die schon düstern,

Fließt Wasser hin, und wie ein Kind, so lausch ich

Und höre kein »Dies ist vergeblich« flüstern!

 

Da ziehe ich mich hurtig aus und springe

Hinein, und wie ich dann den Kopf erhebe,

Ist Mond, indes ich mit dem Bächlein ringe.

 

Halb heb ich mich aus der eiskalten Welle,

Und einen glatten Kieselstein ins Land

Weit schleudernd, steh ich in der Mondeshelle.

 

Und auf das mondbeglänzte Sommerland Fä

Fällt weit ein Schatten: dieser, der so traurig

Hier nickt, hier hinterm Kissen an der Wand?

 

So trüb und traurig, der halb aufrecht kauert

Vor Tag und böse in das Frühlicht starrt

Und weiß, daß auf uns beide etwas lauert?

 

Er, den der böse Wind in diesem März

So quält, daß er die Nächte nie sich legt,

Gekrampft die schwarzen Hände auf sein Herz?

 

Ach, wo ist Juli und das Sommerland!

 

 

 

Hugo von Hofmannsthal (1 februari 1874 – 15 juli 1929)

Lees meer...

01-02-11

Hugo von Hofmannsthal, Günter Eich, Dieter Kühn, F. B. Hotz, Muriel Spark

 

De Oostenrijkse dichter en schrijver Hugo von Hofmannsthal werd geboren op 1 februari 1874 in Wenen. Zie ook mijn blog van 1 februari 2007 en ook mijn blog van 1 februari 2008 en ook mijn blog van 1 februari 2009 en ook mijn blog van 1 februari 2010.

 

 

»Zukunftsmusik«

 

Heiligen Mitleids rauschende Wellen,

Klingend an jegliches Herze sie schlagen;

Worte sind Formeln, die könnens nicht sagen,

Können nicht fassen die Geister, die hellen.

 

Frei sind die Seelen, zu jubeln, zu klagen,

Ahnungen dämmern und Kräfte erschwellen:

Töne den Tönen sich zaubrisch gesellen:

Gilt es dem Heute, den kommenden Tagen?

 

Wer will es deuten, – ein gärendes Wühlen,

Regellos göttlich, – wer will erlauschen

Heldenhaft höchstes und heißestes Fühlen,

 

Feuerlodern und Stromesrauschen ...?

Doch es beherrscht das Titanengetriebe

Bebende Ahnung erlösender Liebe.

 

 

 

Erfahrung

 

Ich kann so gut verstehen die ungetreuen Frauen,

So gut, mir ist, als könnt ich in ihre Seelen schauen.

Ich seh um ihre Stirnen die stumme Klage schweben,

Die Qual am langen, leeren, am lebenleeren Leben;

 

Ich seh in ihren Augen die Lust, sich aufzugeben,

Im Unergründlichen, Verbotenen zu beben,

Die Lust am Spiel, die Lust, das Letzte einzusetzen,

Die Lust am Sieg und Rausch, am Trügen und Verletzen.

 

Ich seh ihr Lächeln und die heimlichen, die Tränen,

Das rätselhafte Suchen, das ruhelose Sehnen.

Ich fühle, wie sies drängt zu törichten Entschlüssen,

 

Wie sie die Augen schließen, und wie sie quälen müssen;

Wie sie für jedes Morgen ein jedes Heut begraben,

Und wie sie nicht verstehen, wenn sie getötet haben.

 

 

 

Mein Garten

 

Schön ist mein Garten mit den goldnen Bäumen,

Den Blättern, die mit Silbersäuseln zittern,

Dem Diamantentau, den Wappengittern,

Dem Klang des Gong, bei dem die Löwen träumen,

Die ehernen, und den Topasmäandern

Und der Volière, wo die Reiher blinken,

Die niemals aus dem Silberbrunnen trinken ...

So schön, ich sehn mich kaum nach jenem andern,

Dem andern Garten, wo ich früher war.

Ich weiß nicht wo ... Ich rieche nur den Tau,

Den Tau, der früh an meinen Haaren hing,

Den Duft der Erde weiß ich, feucht und lau,

Wenn ich die weichen Beeren suchen ging ...

In jenem Garten, wo ich früher war ...

 

 

 

Hugo von Hofmannsthal (1 februari 1874 – 15 juli 1929)

Hier met componist Richard Strauss (r)

 

 

Lees meer...

01-02-10

Hugo von Hofmannsthal, Günter Eich, Dieter Kühn, F. B. Hotz, Muriel Spark


De Oostenrijkse dichter en schrijver Hugo von Hofmannsthal werd geboren op 1 februari 1874 in Wenen. Zie ook mijn blog van 1 februari 2007 en ook mijn blog van 1 februari 2008 en ook mijn blog van 1 februari 2009.

 

 

Sonett der Welt

 

Unser Leiden, unsre Wonnen

Spiegelt uns die Allnatur,

Ewig gilt es unsrer Spur,

Alles wird zum Gleichnisbronnen:

 

Erstes Grün der frischen Flur,

Mahnst an Neigung, zart begonnen,

Heißes Sengen reifer Sonnen,

Bist der Liebe Abglanz nur!

 

Schlingt sich um den Baum die Winde,

Denken wir an uns aufs neue,

Sehnen uns nach einer Treue,

 

Die uns fest und zärtlich binde ...

Und wir fühlen uns verwandt,

Wie wir unser Bild erkannt.

 

 

 

 

Der Kaiser von China spricht:

 

In der Mitte aller Dinge

Wohne Ich, der Sohn des Himmels.

Meine Frauen, meine Bäume,

Meine Tiere, meine Teiche

Schließt die erste Mauer ein.

Drunten liegen meine Ahnen:

Aufgebahrt mit ihren Waffen,

Ihre Kronen auf den Häuptern,

Wie es einem jeden ziemt,

Wohnen sie in den Gewölben.

Bis ins Herz der Welt hinunter

Dröhnt das Schreiten meiner Hoheit.

Stumm von meinen Rasenbänken,

Grünen Schemeln meiner Füße,

Gehen gleichgeteilte Ströme

Osten-, west- und süd- und nordwärts,

Meinen Garten zu bewässern,

Der die weite Erde ist.

Spiegeln hier die dunkeln Augen,

Bunten Schwingen meiner Tiere,

Spiegeln draußen bunte Städte,

Dunkle Mauern, dichte Wälder

Und Gesichter vieler Völker.

Meine Edlen, wie die Sterne,

Wohnen rings um mich, sie haben

Namen, die ich ihnen gab,

Namen nach der einen Stunde,

Da mir einer näher kam,

Frauen, die ich ihnen schenkte,

Und die Scharen ihrer Kinder;

Allen Edlen dieser Erde

Schuf ich Augen, Wuchs und Lippen,

Wie der Gärtner an den Blumen.

Aber zwischen äußern Mauern

Wohnen Völker, meine Krieger,

Völker, meine Ackerbauer.

Neue Mauern und dann wieder

Jene unterworfnen Völker,

Völker immer dumpfern Blutes,

Bis ans Meer, die letzte Mauer,

Die mein Reich und mich umgibt.

 

 

 

 

Terzinen  III

Wir sind aus solchem Zeug, wie das zu träumen,
Und Träume schlagen so die Augen auf
Wie kleine Kinder unter Kirschenbäumen,

Aus deren Krone den blassgoldnen Lauf
Der Vollmond anhebt durch die große Nacht.
...Nicht anders tauchen unsre Träume auf,

Sind da und leben wie ein Kind, das lacht,
Nicht minder groß im Auf- und Niederschweben
Als Vollmond, aus Baumkronen aufgewacht.

Das Innerste ist offen ihrem Weben;
Wie Geisterhände in versperrtem Raum
Sind sie in uns und haben immer Leben.

Und drei sind eins: ein Mensch, ein Ding, ein Traum.

 

 

 

 

hofmannsthal_hugo_von

Hugo von Hofmannsthal (1 februari 1874 – 15 juli 1929)

 

 

 

 

 

De Duitse dichter en schrijver Günter Eich werd geboren op 1 februari 1907 in Lebus an der Oder. Zie ook mijn blog van 1 februari 2007 en ook mijn blog van 1 februari 2008 en ook mijn blog van 1 februari 2009.

 

 

Wacht auf!

 

Wacht auf, - denn eure Träume sind schlecht!

Bleibt wach, - weil das Entsetzliche näher kommt.

 

Auch zu dir kommt es, der weitentfernt wohnt

von den Stätten, wo Blut vergossen wird,

auch zu dir und deinem Nachmittagsschlaf,

worin du ungern gestört wirst.

Wenn es heute nicht kommt, kommt es morgen,

aber sei gewiß.

 

"Oh, angenehmer Schlaf

auf dem Kissen mit roten Blumen,

einem Weihnachtsgeschenk von Anita, woran sie drei Wochen gestickt hat,

 

oh, angenehmer Schlaf,

wenn der Braten fett war und das Gemüse zart.

Man denkt im Einschlummern an die Wochenschau von gestern abend:

Osterlämmer, erwachende Natur, Eröffnung der Spielbank in Baden-Baden,

Cambridge siegte gegen Oxford mit zweieinhalb Längen, -

das genügt, das Gehirn zu beschäftigen.

 

Oh, diese weichen Kissen, Daunen aus erster Wahl!

Auf ihm vergißt man das Ärgerliche der Welt, jene Nachricht zum Beispiel:

Die wegen Abtreibung Angeklagte sagte zu ihrer Verteidigung:

Die Frau, Mutter von sieben Kindern, kam zu mir mit einem Säugling,

für den sie keine Windeln hatte und der

in Zeitungspapier gewickelt war.

Nun, das sind Angelegenheiten des Gerichtes, nicht unsre.

Man kann dagegen nichts tun, wenn einer etwas härter liegt als der andre.

Und was kommen mag, unsere Enkel mögen es ausfechten."

 

Ach, du schläfst schon? Wache gut auf, mein Freund!

Schon läuft der Strom in den Umzäunungen, und die Posten sind aufgestellt.

 

Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind!

Seid mißtrauisch gegen ihre Macht, die sie vorgeben für

euch erwerben zu müssen.

Wacht darüber, daß eure Herzen nicht leer sind, wenn mit

der Leere eurer Herzen gerechnet wird!

Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet!

Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!

 

 

 

 

 

Eich
Günter Eich (1 februari 1907 - 20 december 1972)

 

 

 

 

 

De Duitse schrijver Dieter Kühn werd geboren op 1 februari 1935 in Keulen. Zie ook mijn blog van 1 februari 2008 en ook mijn blog van 1 februari 2009.

 

Uit: Der König von Grönland

 

Die Blechtür wird mit einem Vierkantschlüssel zugesperrt, die Gondel ruckt an, gleitet hinauf zur ersten Zwischenstütze, rasselt, schaukelt, und schon der Rhein, rechts und links der Zoobrücke, die dem Panoramabild eine breite Mittelachse setzt. Dreibahnig gleitet es heran, westwärts, dreibahnig gleitet es unter der Gondel hervor, ostwärts.

Er läßt den Blick nach links hinausschwingen, zur Mülheimer Hängebrücke, zum Hochhaus der Firma Bayer in Leverkusen, zu den Ausläufern des Bergischen Landes. Die Gondel schwebt über die Zoobrücke hinweg, schon gleißt der Fluß auf.- Flimmerpunkte so dicht beisammen, daß eine schwingende Lichtfläche entsteht, gegliedert von gestaffelten Bugwellen eines Güterschiffs, dessen Konturen abzuschmelzen scheinen. Je näher die Lichtbahn, Flimmerbahn an die Brücke heranreicht, desto stärker die Auflösung; an den Rändern nur noch einzelne Blitz- und Funkelpunkte, in Zufallsverteilung.

Herkenrath löst den Blick von den Lichtpunkten, schaut südwärts auf den Fluß zwischen dem unbefestigten, flachen Ufer des Rheinparks und dem befestigten Ufer rechts. Weiter hinaus der Dom und Groß St. Martin, die beiden Funkhochhäuser am Raderberggürtel, die Südbrücke. Rechts von ihr, im Stadtbild nicht betont, sein künftiger Tatort. Und vor der Südbrücke die Severinsbrücke und die Deutzer Brücke und die Hohenzollernbrücke: der künftige Aktionsraum. Ja, Aktionsraum Rheinschiene, im Streckenabschnitt Südbrücke/ Zoobrücke, eventuell erweitert zur Rodenkirchener Brücke dort im Süden, zur Mülheimer Brücke hier im Norden der Stadt...”

 

 

 

 

Dieter_Kuehn
Dieter Kühn (Keulen,1 februari 1935)

 

 

 

 

De Nederlandse schrijver Frits Bernard Hotz werd geboren op 1 februari 1922 in Leiden. Zie ook mijn blog van 1 februari 2007 en ook mijn blog van 1 februari 2008 en ook mijn blog van 1 februari 2009.

 

Uit: Evolutie

 

Hij boog zich over naar De Bree en fluisterde: “Dat meisje [Marie], ik weet het niet zeker, maar ik dacht even dat ik die kende. Een beetje vervelende geschiedenis, destijds in Noyon of waar was het. Niks onbehoorlijks natuurlijk, alleen maar een kleine vrijage; maar ja ik moest verder met die Wapenstilstandscommissie, je begrijpt…”

“Ik begrijp het,” zei De Bree. Z’n kraaloogjes draaiden. “Maar toch geen echte moeilijkheden?” vroeg hij nog snel, “geen vaderschappen? Nou ja ik nóém maar wat.”

“Ben je gek geworden!” riep Thomas. “Alleen, nou ja, ik zou het vervelend vinden als die oudere vrouw iets wist of alsnog hoorde.”

“Onder de leeftijd toen zeker?” vroeg De Bree nog bij vingergetrommel op de brede leren armleuning.

“Een beetje misschien,” zei Thomas.

(…)

 

Hij herinnerde zich, met een ongeopend boek in z’n armstoel bij de schouw, een verlaten loopgraaf in Noord-Frankrijk, gezien op een werkbezoek met de commissie. Er zat oud bloed aan een onderkomen.

De dood was niet te vermijden. Eens zou z’n eigen bloed, nu nog levend en dun, stollen en verkleuren in dezelfde aderen die hij nu ongewoon dik op z’n handrug zag liggen.”

 

 

 

 

Hotz1988
F. B. Hotz
(1 februari 1922 –  5 december  2000)

Portret door Hennie Dijkstra, 1988

 

 

 

 

De Schotse schrijfster Muriel Spark werd op 1 februari 1918 geboren als Muriel Sarah Camberg in Edinburgh. Zie ook mijn blog van 1 februari 2009.

 

Uit: The Finishing School

 

"You begin," he said, "by setting your scene. You have to see your scene, either in reality or in imagination. For instance, from here you can see across the lake. But on a day like this you can't see across the lake, it's too misty. You can't see the other side." Rowland took off his reading glasses to stare at his creative writing class whose parents' money was being thus spent: two boys and three girls around sixteen to seventeen years of age, some more, some a little less. "So," he said, "you must just write, when you set your scene, 'the other side of the lake was hidden in mist.' Or if you want to exercise imagination, on a day like today, you can write, 'The other side of the lake was just visible.'

But as you are setting the scene, don't make any emphasis as yet. It's too soon, for instance, for you to write, 'The other side of the lake was hidden in the fucking mist.' That will come later. You are setting your scene. You don't want to make a point as yet."
College Sunrise had begun in Brussels, a finishing school for both sexes and mixed nationalities. It was founded by Rowland Mahler, assisted by his wife, Nina Parker.
The school had flourished on ten pupils aged sixteen and upward, but in spite of this flourishing, mainly by reputation, Rowland had barely been able to square the books at the end of the first year. So he moved the school to Vienna, increased the fees, wrote to the parents that he and Nina were making an exciting experiment: College Sunrise was to be a mobile school which would move somewhere new every year.
They had moved, leaving commendably few debts behind, from Vienna to Lausanne the next year. At present they had nine students at College Sunrise at Ouchy on the lake. Rowland had just taken the very popular class, attended by five of the students, on Creative Writing. Rowland was now twenty-nine, Nina twenty-six. Rowland himself hoped to be a published novelist one day. To conserve his literary strength, as he put it, he left nearly all the office work to Nina, who spoke good French and was dealing with the bureaucratic side of the school and with the parents, employing a kind of impressive carelessness.

 

 

 

 

Spark
Muriel Spark (1 februari 1918 – 13 april 2006)

 

Zie voor nog meer schrijvers van de 1e februari ook mijn vorige blog van vandaag.

01-02-09

Hugo von Hofmannsthal, Günter Eich, Dieter Kühn, F. B. Hotz, Muriel Spark, Langston Hughes, Jevgeni Zamjatin, Georg Rendl, Abraham E. Fröhlich, Michel Zevaco


De Oostenrijkse dichter en schrijver Hugo von Hofmannsthal werd geboren op 1 februari 1874 in Wenen. Zie ook mijn blog van 1 februari 2007 en ook mijn blog van 1 februari 2008.

 

 

Dein Antlitz. . .

 

Dein Antlitz war mit Träumen ganz beladen.

Ich schwieg und sah dich an mit stummem Beben.

Wie stieg das auf! Daß ich mich einmal schon

In frühern Nächten völlig hingegeben

 

Dem Mond und dem zuviel geliebten Tal,

Wo auf den leeren Hängen auseinander
Die magern Bäume standen und dazwischen
Die niedern kleinen Nebelwolken gingen

 

Und durch die Stille hin die immer frischen

Und immer fremden silberweißen Wasser

Der Fluß hinrauschen ließ - wie stieg das auf !

 

Wie stieg das auf! Denn allen diesen Dingen

Und ihrer Schönheit - die unfruchtbar war -

Hingab ich mich in großer Sehnsucht ganz,

Wie jetzt für das Anschaun von deinem Haar

Und zwischen deinen Lidern diesen Glanz!

 

 

 

 

 

Der Jüngling in der Landschaft

 

Die Gärtner legten ihre Beete frei,

Und viele Bettler waren überall
Mit schwarzverbundnen Augen und mit Krücken
Doch auch mit Harfen und den neuen Blumen,
Dem starken Duft der schwachen Frühlingsblumen.

 

Die nackten Bäume ließen alles frei:

Man sah den Fluß hinab und sah den Markt,

Und viele Kinder spielen längs den Teichen.

Durch diese Landschaft ging er langsam hin

Und fühlte ihre Macht und wußte - daß

Auf ihn die Weltgeschicke sich bezogen.

 

Auf jene fremden Kinder ging er zu

Und war bereit, an unbekannter Schwelle

Ein neues Leben dienend hinzubringen.

Ihm fiel nicht ein, den Reichtum seiner Seele,

Die frühern Wege und Erinnerung

Verschlungner Finger und getauschter Seelen

Für mehr als nichtigen Besitz zu achten.

 

Der Duft der Blumen redet ihm nur

Von fremder Schönheit - und die neue Luft

Nahm er stillatmend ein, doch ohne Sehnsucht:

Nur daß er dienen durfte, freute ihn.

 

 

 

 

 

Ein Knabe stand ich

 

Ein Knabe stand ich so im Frühlingsglänzen

und meinte aufzuschweben in das All,

unendlich Sehnen über alle Grenzen

durchwehte mich in ahnungsvollem Schwall !

Und Wanderzeiten kamen, rauschumfangen !

Da leuchtete manchmal die ganze Welt,

und Rosen glühten, und die Glocken klangen

von fremdem Lichte jubelnd und erhellt:

Wie waren da lebendig alle Dinge

dem liebenden Erfassen nah gerückt,

wie fühlt' ich mich beseelt und tief entzückt,

ein lebend Glied im großen Lebensringe !

Da ahnte ich, durch mein Herz auch geleitet,

den Liebesstrom, der alle Herzen nährt,

und ein Genügen hielt mein Ich geweitet,

das heute kaum mir noch den Traum verklärt

 

 

 

 

 

Hofmannsthal
Hugo von Hofmannsthal (1 februari 1874 – 15 juli 1929)

 

 

 

 

 

De Duitse dichter en schrijver Günter Eich werd geboren op 1 februari 1907 in Lebus an der Oder. Zie ook mijn blog van 1 februari 2007 en ook mijn blog van 1 februari 2008.

 

 

 

Mein Garten

Schön ist mein Garten mit den goldnen Bäumen,
Den Blättern, die mit Silbersäuseln zittern,
Dem Diamantentau, den Wappengittern,
Dem Klang des Gong, bei dem die Löwen träumen,
Die ehernen, und den Topasmäandern
Und der Volière, wo die Reiher blinken,
Die niemals aus dem Silberbrunnen trinken...
So schön,: ich sehn mich kaum nach jenem andern,
Dem andern Garten, wo ich früher war.
Ich weiß nicht wo... Ich rieche nur den Tau,
Den Tau, der früh an meinen Haaren hing,
Den Duft der Erde weiß und feucht und lau,
Wenn ich die weichen Beeren suchen ging . . .
In jenem Garten, wo ich früher war...

 

 

 

 

Inventur

Dies ist meine Mütze,
dies ist mein Mantel,
hier mein Rasierzeug
im Beutel aus Leinen.

Konservenbüchse:
Mein Teller, mein Becher,
ich hab in das Weißblech
den Namen geritzt.

Geritzt hier mit diesem
kostbaren Nagel,
den vor begehrlichen
Augen ich berge.

Im Brotbeutel sind
ein Paar wollene Socken
und einiges, was ich
niemand verrate,

so dient er als Kissen
nachts meinem Kopf.
Die Pappe hier liegt
zwischen mir und der Erde.

Die Bleistiftmine
lieb ich am meisten:
Tags schreibt sie mir Verse,
die nachts ich erdacht.

Dies ist mein Notizbuch,
dies ist meine Zeltbahn,
dies ist mein Handtuch,
dies ist mein Zwirn.

 

 

 

 

 

guenter_eich
Günter Eich (1 februari 1907 - 20 december 1972)

 

 

 

 

 

De Duitse schrijver Dieter Kühn werd geboren op 1 februari 1935 in Keulen. Zie ook mijn blog van 1 februari 2008.

 

Uit: Frau Merian!

 

“JA, SO WIRD ÜBER MARIA SIBYLLA MERIAN GERN ERZÄHLT: Schon als Kind, als Mädchen von dreizehn, begann sie zu forschen, zuerst bei den Raupen des Seidenspinners, und früh schon, auffallend früh zeigte sich ihre Begabung als Zeichnerin, und sie nutzte einen Aufenthalt in den Niederlanden, beim Stiefvater, um einem Grafen eine (sicherlich geflammte) Tulpe zu stibitzen, sie zeichnete diese rote und weiße Blüte im verborgenen Kämmerlein, wurde dennoch entdeckt, doch zur Empörung kam Staunen: Das ist ja eine kleine Künstlerin ...! So setzte sich das fort, das Zeichnen, das Aquarellieren, das Kupferstechen und: das Forschen; sie wies, offenbar als Erste, die gesamte Entwicklung von Insekten nach, vom Ei über die Raupe oder Larve zur Krabbel- oder Flugform, entdeckte als Erste auch die Symbiose von Raupe und Wirtspflanze, stellte diese Zusammenhänge in Illustrationen dar, entwickelte sich darüber hinaus, zu einer der führenden Malerinnen von Stilleben. Und sie lernte einen Mann kennen. Johann Andreas Graff, einen Schüler ihres Stiefvaters, sie heirateten, es kam das erste Kind auf die Welt, sie zogen nach Nürnberg, arbeiteten gemeinsam weiter, sie an Blumenbildern, er an Stadtbildern, sie publizierte ihr Blumenbuch, und weiterhin sammelte sie Raupen, die anderen eklig waren, nahm sie zu Dutzenden mit nach Hause, fütterte sie, um die Verwandlung , die Metamorphose zu beobachten, da kümmerte sie nicht weiter das Geschwätz in der Stadt, sie riskierte es, womöglich als Hexe vor Gericht gestellt zu werden, andererseits galt ihre Haushaltsführung als vorbildlich, doch schien es Probleme in der Ehe zu geben, erst ein Jahrzehnt nach Johanna Helena wurde Dorothea Maria geboren, zugleich das letzte Kind, Frau Graff setzte sich mit den beiden nach Frankfurt ab, veröffentlichte dort den zweiten Teil ihres Raupenbuchs, zog dann, von Töchtern und Mutter begleitet, ins niederländische Friesland, wurde dort, vermittelt durch ihren Halbbruder Caspar, von einer pietistischen Kommune aufgenommen, erreichte auf diese Weise, was sie vor dem Nürnberger Magistrat nicht hätte durchsetzen können: die Trennung; sie ließ ihren angereisten Mann in eine Falle laufen, entzog sich ihm souverän, wurde dabei von Töchtern und Mutter unterstützt, drei Generationen Merian-Frauen solidarisch, der Mann zog geschlagen ab.

 

 

 

Kuehn
Dieter Kühn (Keulen,1 februari 1935)

 

 

 

 

 

De Nederlandse schrijver Frits Bernard Hotz werd geboren op 1 februari 1922 in Leiden. Zie ook mijn blog van 1 februari 2007 en ook mijn blog van 1 februari 2008.

 

Uit: Zand en grind

 

De begeleidende officier was ditmaal wat gehaast en ongeïnteresseerd en het commissielid eigenlijk ook. Men hield het vrij snel voor gezien. Vooral ook omdat men op zeker ogenblik een hol geluid als van een verre expressetrein door de lucht gehoord had, gevolgd door ratelende donder en een luchtverplaatsing die ook hier bij de oude loopgraven een rukwind met papieren en stuifzand veroorzaakte. […] Dat hem ditmaal een gasmasker was uitgereikt zinde Thomas ook amper. Hij had

het ding moeten opzetten onder z’n bolhoed en een groep Duitse geniesoldaten, zelf zonder masker bezig met het herstellen van ingestorte stellingen, had gegiecheld toen hij langs kwam.

 

 

 

hotz
F. B. Hotz
(1 februari 1922 –  5 december  2000)

 

 

 

 

 

De Schotse schrijfster Muriel Spark werd op 1 februari 1918 geboren als Muriel Sarah Camberg in Edinburgh. Voor WO II vertrok zij naar het toenmalige Rhodesië (nu Zimbabwe), om daar in 1937 in het huwelijk te treden met Sydney Oswald Spark. De verbintenis liep uit op een grote mislukking, maar Muriel bleef de achternaam Spark gebruiken en refereerde in later tijden aan haar ex-echtgenoot als "S.O.S.". In 1944 keerde zij naar Engeland terug. In Londen kwam ze in een milieu van kleine literaire tijdschriften terecht en debuteerde als schrijfster. Eind jaren 1960 verhuisde zij naar Rome, en de laatste decennia van haar leven woonde zij in Toscane. Enkele van haar latere romans spelen spelen zich af in Italië. Muriel Sparks vader was Joods, haar moeder had de anglicaanse religie, maar Muriel kreeg geen religieuze opvoeding. In 1954 bekeerde ze zich tot het katholicisme. Daarom wordt ze vaak in een groep ingedeeld met Evelyn Waugh en Graham Greene. Spark schreef aanvankelijk literaire kritieken, publiceerde een biografie van Mary Shelley en debuteerde met het verhaal "The Seraph and the Zambesi", waarmee zij in 1950 de Observer Short Story Competition won. Muriel Spark werd onder meer bekend met romans als The Comforters (haar romandebuut uit 1957),  Memento Mori, en The Prime of Miss Jean Brodie (1962).

 

Uit: Aiding and Abetting

 

The receptionist looked tinier than ever as she showed the tall, tall, Englishman into the studio of Dr Hildegard Wolf, the psychiatrist who had come from Bavaria, then Prague, Dresden, Avila, Marseilles, then London, and now settled in Paris.
'I have come to consult you,' he said, 'because I have no peace of mind. Twenty-five years ago I sold my soul to the Devil.' The Englishman spoke in a very foreign French.
'Would you feel easier,' she said, 'if we spoke in English? I am an English speaker of a sort since I was a student.'
'Far easier,' he said, 'although, in a sense, it makes the reality more distressing. What I have to tell you is an English story.'
Dr Wolf's therapeutic methods had been perfected by herself. They had made her virtually the most successful psychiatrist in Paris, or at least the most sought-after. At the same time she was copied; those who tried to do so generally failed. The method alone did not suffice. Her personality was needed as well.
What she did for the most part was talk about herself throughout the first three sessions, turning only casually on the problems of her patients; then, gradually, in an offhand way she would induce them to begin to discuss themselves. Some patients, angered, did not return after the first or at least second session, conducted on these lines. Others remonstrated, 'Don't you want to hear about my problem?'

 

 

 

Spark
Muriel Spark (1 februari 1918 – 13 april 2006)

 

 

 

 

 

De Amerikaanse schrijver Langston Hughes werd geboren op 1 februari  1902 in Joplin, Missouri. Zie ook mijn blog van 1 februari 2007.

 

 

Jazzonia

  

Oh, silver tree!
Oh, shining rivers of the soul!


In a Harlem cabaret

Six long-headed jazzers play.

A dancing girl whose eyes are bold

Lifts high a dress of silken gold.

 

Oh, singing tree!

Oh, shining rivers of the soul!

 

Were Eve's eyes

In the first garden

Just a bit too bold?

Was Cleopatra gorgeous

In a gown of gold?

 

Oh, shining tree!

Oh, silver rivers of the soul!

 

In a whirling cabaret

Six long-headed jazzers play.

 

 

 

 

 

Dream Variations

  

To fling my arms wide
In some place of the sun,


To whirl and to dance

Till the white day is done.

Then rest at cool evening

Beneath a tall tree

While night comes on gently,

Dark like me-

That is my dream!

 

To fling my arms wide

In the face of the sun,

Dance! Whirl! Whirl!

Till the quick day is done.

Rest at pale evening...

A tall, slim tree...

Night coming tenderly

Black like me.

 

 

 

 

Hughes_Reiss
Langston Hughes (1 februari 1902 – 22 mei 1967)

Pastel door Winold Reiss

 

 

 

 

De Russische revolutionair en schrijver Jevgeni Zamjatin werd geboren op 1 februari 1884 in Lebedjan. Zie ook mijn blog van 1 februari 2007.

 

 

Uit: We (Vertaald door Mirra Ginsburg)

 

As I write this, I feel something: my cheeks are burning. Integrating the grand equation of the universe: yes. Taming a wild zigzag along a tangent, toward the asymptote, into a straight line: yes. You see,the line of the One State—it is a straight line. A great, divine, precise, wise, straight line—the wisest of lines.
I am D-503. I am the Builder of the Integral. I am only one of the mathematicians of the One State. My pen, more accustomed to mathematical figures, is not up to the task of creating the music of unison and rhyme. But I might as well attempt to record what I see, what I think—or, more exactly, what we think. (Yes, that’s right: we. And let that also be the title of these records: We.) So these records will be manufactured from the stuff of our life, from the mathematically perfect life of the One State, and, as such, might they become, inadvertently, regardless of my intentions, a poem? Yes—I believe so and I know so.
As I write this: I feel my cheeks burn. I suppose this resembles what a woman experiences when she first hears a new pulse within her—the pulse of a tiny, unseeing, mini-being. These records are me; and simultaneously not me. And they will feed for many months on my sap, my blood, and then, in anguish, they will be ripped from my self and placed at the foot of the One State“.

 

 

 

 

Zamjatin
Jevgeni Zamjatin (1 februari 1884 – 10 maart 1937)

 

 

 

 

 

De Oostenrijkse dichter en schrijver Georg Rendl werd geboren op 1 februari 1903 in Zell am See. Bekend werd hij met zijn in 1931 verschenen romantrilogie Die Glasbläser von Bürmoos. Het hoogtepunt van zijn loopbaan lag in de jaren vijftig. Van 1938 tot aan zijn dood woonde hij in het huis met de naam „Haus in Gottes Hand“ St. Georgen bei Salzburg.

 

Telephon

 

Da hocke ich in meiner Stille,
die oft wie Folter ist,
wie Glutfluß schwer.
Der dumpfgetönte Ruf
der Elfuhrlokomotive
von drüben her
weit überm Fluß.

 

Das Telefphon am Tische,
schwarz mit weißen Zahlen
eins bis zehn.
Nur wählen müßte ich,
so könnte ich mit Vielen reden.
Doch wertvoll ist nur ein Gespräch.

 

Ich würde viele Stunden sprechen
bei Tag sehr oft, sehr oft bei Nacht.
Und nicht um meine Worte ginge es,
es wäre um die klare, gute Stimme,
die Gutes sagte,
das dann, wärmend mich
und die Stube,
das ganze Haus durchflösse.

 

Viel öfter würde ich den Hörer heben
und eine Nummer wählen
- nicht aufs Geratewohl -.
So wie das Rauchen würd es eine Leidenschaft.
Ich könnte nicht soviel verdienen,
die Rechnung, die ganz sicher kommt
so wie für jede Freude,
jedes Schöne,
zu bezahlen.

 

 

 

 

rendl-birk
Georg Rendl (1 februari 1903 – 10 januari 1972)

Portret door Albert Birkle

 

 

 

 

De Zwitserse dichter en schrijver Abraham Emanuel Fröhlich werd geboren op 1 februari 1796 in Brugg. Vanaf 1811 bezocht hij het gymnasium in Zürich. In 1817 werd hij benoemd tot evangelisch-gereformeerd predikant in Brugg en begon hij te werken als leraar Latijn. In 1823 werd hij wegens zijn liberale opvattingen niet gekozen tot stadspredikant. Uit kwaadheid daarover begon hij toen satires en fabels te schrijven die hij publiceerde onder het pseudoniem Demokrit Schmerzenreich.

 

Die Nonne

 

Im Garten steht die Nonne

Bei Rosen in der Sonne,

Die ihr ein Kränzlein flechten

Zur Linken und zur Rechten.

 

Herüber aus dem Saale

Erklingt vom Hochzeitsmahle

Das Tanzen und das Singen;

Die Braut möcht jeder schwingen.

 

Sie kühlet hold umfangen

Am Fenster sich die Wangen;

Die Nonne schaut herüber,

Ihr gehn die Augen über:

 

"Wie glüht im Rosenglanze

Sie unterm weißen Kranze,

Und unter roter Rose

Erbleich ich Freudenlose.

 

 

 

 

 

Abraham_Emanuel_Froehlich
Abraham E. Fröhlich (1 februari 1796 – 1 december 1865)

 

 

 

 

 

De Franse schrijver, journalist en anarchistisch activist Michel Zevaco werd geboren op 1 februari 1860 in Ajaccio. In 1892 reichtte hij het anarchistische weekblad Gueux op. In 1900 begon hij in dagbladen met het publiceren van de romanserie Les Pardaillan. Bekend werd hij ook door zijn antiklerikale activiteiten aan het eind van de 19e eeuw.

 

Uit: Les amours du Chico

 

„Nous avons dit que Pardaillan, mettant à profit le temps pendant lequel les conjurés se retiraient, avait eu un entretien assez animé avec le Chico.

Pardaillan avait demandé au petit homme s'il n'existait pas quelque entrée secrète, inconnue des gens qui se trouvaient en ce moment dans la grotte, par où lui, Pardaillan, pourrait entrer et sortir à son gré.

Le nain s'était d'abord fait tirer l'oreille. Pour lui, pénétrer seul et sans autre arme qu'une dague dans cet antre, c'était une manière de suicide. Il ne pouvait pas comprendre que le seigneur français, qui venait d'échapper par miracle à une mort affreuse, s'exposât ainsi, comme à plaisir.

Mais Pardaillan avait insisté, et, comme il avait une manière à lui, tout à fait irrésistible, de demander certaines choses, le nain avait fini par céder et l'avait conduit dans un couloir où se trouvait, affirmait-il, une entrée que nul autre que lui ne connaissait.

On a vu qu'il ne se trompait pas, et qu'en effet la Fausta ni les conjurés ne connaissaient cette entrée.

Pendant que Pardaillan était dans la salle, le nain, horriblement inquiet, se morfondait dans le couloir, la main posée sur le ressort qui actionnait la porte invisible, ne voyant et n'entendant rien de ce qui se passait de l'autre côté de ce mur, contre lequel il s'appuyait, se doutant cependant qu'il y aurait bataille, et attendant, angoissé, le signal convenu pour ouvrir la porte et assurer la retraite de celui qu'il considérait maintenant comme un grand ami.“

 

 

 

 

Zevaco
Michel Zevaco (1 februari 1860 – 8 augustus 1918)

 

 

 

01-02-08

Hugo von Hofmannsthal, Günter Eich, Dieter Kühn, Frits Bernard Hotz, Langston Hughes, Jevgeni Zamjatin


De Oostenrijkse dichter en schrijver Hugo von Hofmannsthal werd geboren op 1 februari 1874 in Wenen. Zie ook mijn blog van 1 februari 2007.

 

Lebenslied

 

Den Erben laß verschwenden
An Adler, Lamm und Pfau
Das Salböl aus den Händen
Der toten alten Frau!
Die Toten, die entgleiten,
Die Wipfel in dem Weiten
Ihm sind sie wie das Schreiten
Der Tänzerinnen wert!

 

Er geht wie den kein Walten
Vom Rücken her bedroht.
Er lächelt, wenn die Falten
Des Lebens flüstern: Tod!
Ihm bietet jede Stelle
Geheimnisvoll die Schwelle;
Es gibt sich jeder Welle
Der Heimatlose hin.

 

Der Schwarm von wilden Bienen
Nimmt seine Seele mit;
Das Singen von Delphinen
Beflügelt seinen Schritt:
Ihn tragen alle Erden
Mit mächtigen Gebärden.
Der Flüsse Dunkelwerden
Begrenzt den Hirtentag!

 

Das Salböl aus den Händen
Der toten alten Frau
Laß lächelnd ihn verschwenden
An Adler, Lamm und Pfau:
Er lächelt der Gefährten. –
Die schwebend unbeschwerten
Abgründe und die Gärten
Des Lebens tragen ihn.

 

 

 

Weltgeheimnis

 

Der tiefe Brunnen weiß es wohl,
Eins waren alle tief und stumm,
Und alle wußten drum.

 

Wie Zauberworte, nachgelallt
Und nicht begriffen in den Grund,
So geht es jetzt von Mund zu Mund.

 

Der tiefe Brunnen weiß es wohl;
In den gebückt, begriffs ein Mann,
Begriff es und verlor es dann.

 

Und redet' irr und sang ein Lied -
Auf dessen dunklen Spiegel bückt
Sich einst ein Kind und wird entrückt.

 

Und wächst und weiß nichts von sich selbst
Und wird ein Weib, das einer liebt
Und - wunderbar wie Liebe gibt!

 

Wie Liebe tiefe Kunde gibt! -
Da wird an Dinge, dumpf geahnt,
In ihren Küssen tief gemahnt...

 

In unsern Worten liegt es drin,
So tritt des Bettlers Fuß den Kies,
Der eines Edelsteins Verlies.

 

Der tiefe Brunnen weiß es wohl,
Einst aber wußten alle drum,
Nun zuckt im Kreis ein Traum herum.

 

 

 

 

Vorfrühling

 

Es läuft der Frühlingswind
durch kahle Alleen,
seltsame Dinge sind

in seinem Wehn.

Er hat sich gewiegt,
wo Weinen war,

und hat sich geschmiegt
in zerrüttetes Haar.

Er schüttelte nieder

Akazienblüten
und kühlte die Glieder,
die atmend glühten.

 

Lippen im Lachen
hat er berührt,
die weichen und wachen

Fluren durchspürt.

Er glitt durch die Flöte
als schluchzender Schrei,

an dämmernder Röte
flog er vorbei.

Er f1og mit Schweigen

durch f1üsternde Zimmer
und löschte im Neigen
der Ampel Schimmer.

 

Es läuft der Frühlingswind
durch kahle Alleen,
seltsame Dinge sind

in seinem Wehn.

Durch die glatten
kahlen Alleen

treibt sein Wehn
blasse Schatten

und den Duft,

den er gebracht,
von wo er gekommen
seit gestern nacht.

 

 

 

 

hofmannsthal1
Hugo von Hofmannsthal (1 februari 1874 – 15 juli 1929)

 

 

 

 

De Duitse dichter en schrijver Günter Eich werd geboren op 1 februari 1907 in Lebus an der Oder. Dat was vorig jaar dus precies 100 jaar geleden. Helaas kwam hij er toen met een enkel gedicht wat bekaaid af. Ik haal het verzuim hier maar in. Tenslotte behoorde Eich tot de belangrijkste dichters van na WO II. Zie ook mijn blog van 1 februari 2007.

 

 

Winterliche Miniatur

Übers Dezembergrün der Hügel
eine Pappel sich streckt wie ein Monument.
Krähen schreiben mit trägem Flügel
eine Schrift in den Himmel, die keiner kennt
In der feuchten Luft gibt es Laute und Zeichen:
Die Hochspannung klirrt wie Grillengezirp,
die Pilze am Waldrand zu Gallert erbleichen,
ein Drosselnest im Strauchwerk verdirbt,
der Acker liegt in geschwungenen Zeilen,
das Eis auf den Pfützen zeigt blitzend den Riß.
Wolken, schwanger von Schnee, verweilen
überm Alphabete der Bitternis.

 

 

 

Timetable

Diese Flugzeuge
Zwischen Boston und Düsseldorf.
Entscheidungen aussprechen
ist Sache der Nilpferde.
Ich ziehe vor, Salatblätter auf ein
Sandwich zu legen und
unrecht zu behalten.

 

 

Wo ich wohne

 

Als ich das Fenster öffnete,
schwammen Fische ins Zimmer,
Heringe. Es schien
eben ein Schwarm vorüberzuziehen.
Auch zwischen den Birnbäumen spielten sie.
Die meisten aber
hielten sich noch im Wald,
über den Schonungen und den Kiesgruben.
 
Sie sind lästig. Lästiger aber sind noch die Matrosen
(auch höhere Ränge, Steuerleute, Kapitäne),
die vielfach ans offene Fenster kommen
und um Feuer bitten für ihren schlechten Tabak.
 
Ich will ausziehen.

 

 

 

 

 

eich1
Günter Eich (1 februari 1907 - 20 december 1972)

 

 

 

De Duitse schrijver Dieter Kühn werd geboren op 1 februari 1935 in Keulen.Na zijn eindexamen gymnasium studeerde hij aan de universiteiten van Freiburg im Breisgau, München en Bonn. Aansluitend bezocht hij de VS en was hij een jaar lang assistent aan het Haverford College. In 1964 promoveerde hij met een werk over Robert Musils roman Der Mann ohne Eigenschaften. Sinds 1965 is Kühn zelfstandig schrijver. In 1993 hield hij aan de Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität de Frankfurter Vorlesungen. Kühns werkt omvat romans, verhalen, essays, kinderboeken, levensbeschrijvingen, theaterstukken en hoorspelen. Ook maakte hij zich verdienstelijk als vertaler uit het Middelhoogduits.

 

Werk o.a: Flaschenpost für Goethe, 1985, Beethoven und der schwarze Geiger, 1990, Es fliegt ein Pferd ins Abendland, 1994, Goethe zieht in den Krieg, 1999, Auf dem Weg zu Annemarie Böll, 2000, Geheimagent Marlowe, 2007.

 

Uit: Schillers Schreibtisch in Buchenwald (2005)

 

„Im Herbst 39 werden über vierhundert Wiener Juden nach Weimar transportiert. Die Baracken des Lagers waren überfüllt, so wurde ein Teil des Appellplatzes mit einem Stachelddrahtzaun umgeben, eine Baracke und vier Mannschafts-Zelte wurden aufgestellt: das "Kleine Lager" ... In diesem Sonderlager innerhalb des Konzentrationslagers brach nach kurzer Zeit eine Ruhrepidemie aus. Medizinische Versorgung fand nicht statt. Schon wenige Tage nach der Einlieferung waren rund zwei Drittel der Sonderhäftlinge gestorben ... Bereits drei Jahre, bevor in diesem Konzentrationslager Schillers Schreibtisch, Sterbebett und Fortepiano deponiert wurden, hatte man es vorsätzlich so weit kommen lassen in der Entwicklung der Lagerrealität! Lassen sich hier noch Stichworte, Formulierungen einbringen aus Schillers Programm der 'ästhetischen Erziehung des Menschen', der 'Veredelung der moralischen Gesinnungen'?"

 

 

 

Kuehn
Dieter Kühn (Keulen,1 februari 1935)

 

 

 

 

De Nederlandse schrijver Frits Bernard Hotz werd geboren op 1 februari 1922 in Leiden.

 

Uit: De opdracht

 

“Ik zag dan altijd wel klasgenoten die, met 'keurig' maar mismakend platgeplakte brillantineschedels, achter de meiden aanliepen die in rijen van drie of vier gearmd en ook op hun mooist, paradeerden met de élégance van de eveneens Leidse veetransporten. De meest scharminkelige meiden van de stad zag men op de Stationsweg: bleek als griesmeel, de ogen glasachtig met kleine stippen en de benen kort en krom. Door onervarenheid met hoge hakken liepen ze met doorgezakte knieën die elkaar bovendien steeds raakten. Die X-gang zag eruit of ze een sterke drang tot wateren hadden te bestrijden. Men wist niet recht of die beklagenswaardige wezens, die zo uit de lakenfabrieken van diep in de negentiende eeuw leken weggestroomd, wel echt leefden.'

 

 

 

Hotz
F. B. Hotz
(1 februari 1922 –  5 december  2000)

 

 

 

 

Zie voor onderstaande schrijvers ook mijn blog van 1 februari 2007.

 

De Amerikaanse schrijver Langston Hughes werd geboren op 1 februari  1902 in Joplin, Missouri.

 
De Russische revolutionair en schrijver Jevgeni Zamjatin werd geboren op 1 februari 1884 in Lebedjan.

 

 

01-02-07

Hugo von Hofmannsthal, Günter Eich, F. B. Hotz, Langston Hughes, Jevgeni Zamjatin

 

De Oostenrijkse dichter en schrijver Hugo von Hofmannsthal werd geboren op 1 februari 1874 in Wenen. Von Hofmannsthal was de zoon van een bankdirecteur in Wenen. Tijdens zijn jeugd kreeg hij privéles als voorbereiding op het Akademisches Gymnasium van Wenen, dat hij tussen 1884 en 1892 bezocht. Hij leerde er onder andere Frans, Engels en Italiaans. Hij ontmoette Arthur Schnitzler in 1890, en in 1891 Stefan George en Henrik Ibsen. Reeds als scholier publiceerde hij gedichten, wat toentertijd verboden was; deswege gebruikte hij het pseudoniem Loris. Hij oogstte zeer snel succes en werd op zijn zeventiende in de schrijverskring van Griensteidl opgenomen; daarmee werd hij een van de vertegenwoordigers van het zogenaamde Jonge Wenen. hij publiceerde tevens in Georges Blätter für die Kunst. Met George had hij een ambigue relatie — in feite heeft hij George afgewezen —, en hij werd door hem tot een duel uitgedaagd, dat evenwel nooit plaatsgreep. In zijn vroege periode was Hofmannsthal nog, zoals George, een estheticist, die niets dan de schoonheid en de harmonie wenste te cultiveren, zonder zich om de maatschappij te bekommeren. Von Hofmannsthal was sterk aangedaan door het verval van de Habsburgse monarchie. Tijdens WO Ikreeg hij van het Ministerie van Cultuur de opdracht voor cultuur te zorgen: het resultaat was de oprichting van de Salzburger Festspiele, samen met Max Reinhardt en Richard Strauss. Met Strauss werkte hij in de daaropvolgende jaren nog vaker samen: hij leverde libretti voor onder andere Der Rosenkavalier en Ariadne auf Naxos. Hofmannsthal begon ook komedies te schrijven en oefende geleidelijk aan een steeds sterkere invloed uit op het Oostenrijkse culturele leven. Hij bewerkte, zoals Grillparzer, La vida es sueño van Calderón de la Barca: dit werd bij hem Das Salzburger Große Welttheater. Op deze manier speelde hij in op de gevestigde traditie van het Baroktheater, dat in Oostenrijk nog levendig was. Ook zijn bewerking van het middeleeuwse Jedermann is een klassieker geworden.

 

Die beiden

Sie trug den Becher in der Hand
- Ihr Kinn und Mund glich seinem Rand -,
So leicht und sicher war ihr Gang,
Kein Tropfen aus dem Becher sprang.
So leicht und fest war seine Hand:
Er ritt auf einem jungen Pferde,
Und mit nachlässiger Gebärde
Erzwang er, daß es zitternd stand.
Jedoch, wenn er aus ihrer Hand
Den leichten Becher nehmen sollte,
So war es beiden allzu schwer:
Denn beide bebten sie so sehr,
Daß keine Hand die andre fand
Und dunkler Wein am Boden rollte.

 

 

Ballade des äußeren Lebens

Und Kinder wachsen auf mit tiefen Augen,
die von nichts wissen, wachsen auf und sterben,
und alle Menschen gehen ihre Wege.

Und süße Früchte werden aus den herben
und fallen nachts wie tote Vögel nieder
und liegen wenig Tage und verderben.

Und immer weht der Wind, und immer wieder
vernehmen wir und reden viele Worte
und spüren Lust und Müdigkeit der Glieder.

Und Straßen laufen durch das Gras, und Orte
sind da und dort, voll Fackeln, Bäumen, Teichen,
und drohende, und totenhaft verdorrte...

Wozu sind diese aufgebaut? Und gleichen
einander nie ? Und sind unzählig viele ?
Was wechselt Lachen, Weinen und Erbleichen?

Was frommt das alles uns und diese Spiele,
die wir doch groß und ewig einsam sind
und wandernd nimmer suchen irgend Ziele ?

Was frommt's, dergleichen viel gesehen haben?
Und dennoch sagt der viel, der "Abend sagt,
ein Wort, daraus Tiefsinn und Trauer rinnt

wie schwerer Honig aus den hohlen Waben.

 

 

Über Vergänglichkeit I

Noch spür ich ihren Atem auf den Wangen:
Wie kann das sein, dass diese nahen Tage
Fort sind, für immer fort, und ganz vergangen?

Dies ist ein Ding, das keiner voll aussinnt,
Und viel zu grauenvoll, als dass man klage:
Dass alles gleitet und vorüberrinnt.

Und dass mein eignes Ich, durch nichts gehemmt,
Herüberglitt aus einem kleinen Kind
Mir wie ein Hund unheimlich stumm und fremd.

Dann: dass ich auch vor hundert Jahren war
Und meine Ahnen, die im Totenhemd,
Mit mir verwandt sind wie mein eignes Haar,

So eins mit mir als wie mein eignes Haar.

 

 
Hugo von Hofmannsthal (1 februari 1874 – 15 juli 1929)

 

 

De Duitse dichter en schrijver Günter Eich werd geboren op 1 februari 1907 in Lebus an der Oder. Eich studeerde na zijn Brandenburgse schoolperiode rechten en Oosterse talen in Parijs, Berlijn en Leipzig. Al vroeg begon hij als zelfstandig auteur. In de oorlog werd hij als soldaat ingezet in de Duitse troepenmacht, en kwam zo als Krijgsgevangene in Engelse handen. In 47 richtte hij met enkele andere auteurs (o.a.Wolfdietrich Schnurre, und Ilse Aichinger, waarmee hij later zou trouwen) een literaire club; 'Gruppe 47' op.

 

Erster Januar

Nur ein Kalender spricht morgens vom neuen Jahre,
die Wände wissen, daß nichts Neues beginnt.
Draussen die Wolken flattern wie immer so leicht wie Haare,
und an die Fenster greift mit denselben Händen der Wind.

März und April wird kommen, und später
füllt dich ein Tag mit ewigen Stunden aus,
fällt mit Himmel und mit geblähter
Wolke in deine Hände und in dein Haus.

Manchmal erblickst du dich nachts in einem Spiegel,
das Gesicht undeutlich von Altern erfüllt,
wie ein verblichener Brief mit nie geöffnetem Siegel,
der immer die gleiche Schrift verhüllt.

Alle Tage sind neu und sind Jubiläen,
aber der Schmerz ist fern,
und du hast von den ewigen Trophäen
nur noch den Abendstern.

 

 
Günter Eich (1 februari 1907 - 20 december 1972)

 

 

De Nederlandse schrijver Frits Bernard Hotz werd geboren op 1 februari 1922 in Leiden. Hotz wilde als jongen al schrijver worden en schreef vanaf de jaren vijftig verhalen, geïnspireerd door Van Oudshoorn, maar hij stuurde die pas in 1974 naar een uitgever. Nog datzelfde jaar debuteerde hij in Maatstaf met het verhaal 'De tramrace'. Zijn debuutbundel Dood weermiddel werd enthousiast ontvangen, en voor de tweede bundel - Ernstvuurwerk - kreeg hij in 1978 de Ferdinand Bordewijkprijs. In 1998 werd hem de P.C. Hooftprijs toegekend voor zijn totale oeuvre.

Uit: De vertegenwoordigers (Verhalen en beschouwingen)

'Theodicee'
``We hebben Gods best mogelijke van alle werelden teruggehaald, riep men. En het was feest. (. . .) De stad kreeg zijn vereiste aantal invaliden (. . .). In een park werd de eerste exhibitionist gesignaleerd en opgepakt. Een vrouw adverteerde met haar lijf in een regionaal dagblad. Kunst, zo lang voor overbodig gehouden, ontstond in een schuur, in het geniep, waar een man een pijpje houtskool vond en een vergeeld maar nog bijna leeg schetsboek. God glimlachte en zag dat het goed was.''

 

 
F. B. Hotz (1 februari 1922 – 5 december 2000)

 

 

De Amerikaanse schrijver van romans, korte verhalen, gedichten en toneelstukken (James Mercer) Langston Hughes werd geboren op 1 februari 1902 in Joplin, Missouri. Zijn moeder was lerares en zijn vader verdiende de kost als magazijnbediende. Na zijn eindexamen van de middelbare school maakte Langston Hughes een reis naar Mexico. Na terugkomst studeerde hij een jaar aan de Columbia Universiteit. Na zijn studietijd had Langston Hughes allerlei baantjes. Zo was hij matroos op de vaart naar Europa, werkte hij in een nachtclub in Parijs en een hotel in Washington. Hij was een belangrijk figuur in de beweging, die men de "Harlem Renaissance" is gaan noemen. Vanaf de jaren dertig gebruikte hij zijn dichtkunst om sociale misstanden aan de kaak te stellen.

 

Cross

My old man's a white old man
And my old mother's black.
If ever I cursed my white old man
I take my curses back.
If ever I cursed my black old mother
And wished she were in hell,

I'm sorry for that evil wish
And now I wish her well
My old man died in a fine big house.
My ma died in a shack.
I wonder were I'm going to die,
Being neither white nor black?

 

 

Harlem

What happens to a dream deferred?

Does it dry up
like a raisin in the sun?
Or fester like a sore—
And then run?
Does it stink like rotten meat?
Or crust and sugar over—
like a syrupy sweet?

Maybe it just sags
like a heavy load.

Or does it explode?

 

 
Langston Hughes (1 februari 1902 – 22 mei 1967)

 

 

De Russische revolutionair en schrijver Jevgeni Zamjatin werd geboren op 1 februari 1884 in Lebedjan. Hij schreef vele boeken met novellen en korte verhalen (deze laatste vaak in sprookjesvorm), waaronder Wij. 'Wij' heeft bekendheid gekregen, met name door de invloed die dit boek heeft gehad op Orwell's Nineteen Eighty-Four (dat bijna 25 jaar later werd geschreven) en Huxley's Brave New World. Terugkerend thema in Zamjatins werk is de ontsnapping van over-ontwikkelde steden naar de vrijheid van de niet-stedelijke gebieden en de natuur. Zamjatin werd gearresteerd tijdens de revolutie van 1905 en kreeg in 1931, omdat hij verdacht werd van betrokkenheid bij de revolutie in 1917 (o.a. door zijn politieke schrijfwerk), toestemming om Rusland te verlaten. Van 1931 tot 1937 leefde hij in Parijs, waar hij stierf.

Uit: Wir

EINTRAGUNG NR. 1
Übersicht: Eine Zeitungsnotiz. Die weiseste aller Linien. Ein Poem.
„Ich schreibe hier genau ab, was ich in der heutigen Staats­zeitung lese:
»In hundertzwanzig Tagen ist unser erstes Raketenflug­zeug Integral vollendet. Es naht die große historische Stunde, da sich der Integral in den Weltraum aufschwin­gen wird. Vor einem Jahrtausend haben eure heroischen Vorfahren diesen Planeten dem Einzigen Staat Untertan gemacht. Ihr seid es, deren gläserner, elektrischer, Feuer speiender Integral die unendliche Gleichung des Alls inte­grieren wird. Eure Aufgabe ist es, jene unbekannten Wesen, die auf anderen Planeten — vielleicht noch in dem unzivilisierten Zustand der Freiheit — leben, unter das segensreiche Joch der Vernunft zu beugen. Sollten sie nicht begreifen, dass wir ihnen ein mathematisch-fehler­freies Glück bringen, haben wir die Pflicht, sie zu einem glücklichen Leben zu zwingen. Doch bevor wir zu den Waffen greifen, wollen wir es mit dem Wort versuchen. Im Namen des Wohltäters wird sämtlichen Nummern des Einzigen Staates bekannt gegeben: jeder, der sich dazu befähigt glaubt, ist verpflichtet, Trak­tate, Poeme, Manifeste, Oden und andere die Schönheit und erhabene Größe des Einzigen Staates preisende Werke zu verfassen.
Diese Werke werden die erste Botschaft sein, die der Integral in den Weltraum trägt. Heil dem Einzigen Staat! Heil dem Wohltäter! Heil den Nummern!« Mit glühenden Wangen schreibe ich diese Worte nieder. Ja, wir werden diese herrliche, das ganze Weltall um-
fassende Gleichung integrieren! Wir werden die wilde, krumme Linie geradebiegen, sie zur Tangente, zur Asymptote machen. Denn die Linie des Einzigen Staates ist die Gerade. Die große, göttliche, weise Gerade, die weiseste aller Linien.“

 

 
Jevgeni Zamjatin (1 februari 1884 – 10 maart 1937)