10-10-17

Deutscher Buchpreis 2017 voor Robert Menasse

 

Deutscher Buchpreis 2017 voor Robert Menasse

De Oostenrijkse schrijver Robert Menasse ontvangt de Duitse Boekprijs 2017 voor de roman "Die Hauptstadt". Dit werd op maandagavond in Frankfurt door de Börsenverein der Deutschen Buchhandels bij de opening van de Frankfurter Buchmesse bekendgemaakt. In de roman staat een hoge EU-ambtenaar voor de taak om het imago van de Commissie te verbeteren. Het feit dat dit uitstekend in Auschwitz moet gebeuren, is een van de vele curieuze wendingen in deze roman, waarin de Brusselse bureaucratie op de korrel wordt genomen. Robert Menasse werd geboren op 21 juni 1954 in Wenen. Zie ook alle tags voor Robert Menasse op dit blog.

Uit: Die Hauptstadt

„Da läuft ein Schwein! David de Vriend sah es, als er ein Fenster des Wohnzimmers öffnete, um noch ein letztes Mal den Blick über den Platz schweifen zu lassen, bevor er dieseWohnung für immer verließ. Er war kein sentimentaler Mensch. Er hatte sechzig Jahre hier gewohnt, sechzig Jahre lang auf diesen Platz geschaut, und jetzt schloss er damit ab. Das war alles. Das war sein Lieblingssatz – wann immer er etwas erzählen, berichten, bezeugen sollte, sagte er zwei oder drei Sätze und dann: »Das war alles.« Dieser Satz war für ihn die einzig legitime Zusammenfassung von jedem Moment oder Abschnitt seines Lebens. Die Umzugsfirma hatte die paar Habseligkeiten abgeholt, die er an die neue Adresse mitnahm.
Habseligkeiten – ein merkwürdiges Wort, das aber keine Wirkung auf ihn hatte. Dann sind die Männer von der Entrümpelungsfirma gekommen, um alles Übrige wegzuschaffen, nicht nur was nicht niet- und nagelfest war, sondern auch die Nieten und Nägel, sie rissen heraus, zerlegten, transportierten ab, bis die Wohnung »besenrein« war, wie man das nannte. De Vriend hatte sich einen Kaffee gemacht, solange der Herd noch da war und seine Espressomaschine da stand, den Männern zugeschaut, darauf achtend, ihnen nicht imWeg zu stehen, noch lange hatte er die leere Kaffeetasse in der Hand gehalten, sie schließlich in einen Müllsack fallen lassen. Dann waren die Männer fort, die Wohnung leer. Besenrein. Das war alles. Noch ein letzter Blick aus dem Fenster. Es gab da unten nichts, was er nicht kannte, und nun musste er ausziehen, weil eine andere Zeit gekommen war – und jetzt sah er … tatsächlich: Da unten war ein Schwein! Mitten in Brüssel, in Sainte-Catherine. Es musste von der Rue de la Braie gekommen sein, lief den Bauzaun vor dem Haus entlang, de Vriend beugte sich aus dem Fenster und sah, wie das Schwein nun rechts an der Ecke zur Rue du VieuxMarché aux Grains, einigen Passanten ausweichend, beinahe vor ein Taxi lief.
Kai-Uwe Frigge, von der Notbremsung nach vorn geworfen, fiel in den Sitz zurück. Er verzog das Gesicht. Er kamzu spät. Er war genervt.Was war jetzt wieder los? Er war nicht wirklich zu spät, es war nur so, dass er bei einem Treffen immer Wert darauf legte, zehn Minuten vor der vereinbarten Zeit da zu sein, vor allem an Regentagen, um sich auf der Toilette noch schnell wieder in Ordnung zu bringen, das regennasse Haar, die beschlagene Brille, bevor die Person kam, mit der er verabredet war –„

 

 
Robert Menasse (Wenen, 21 juni 1954)

18-10-16

Deutscher Buchpreis 2016 voor Bodo Kirchhoff

 

De Duitse schrijver Bodo Kirchhoff heeft de Deutscher Buchppreis 2016 gewonnen voor zijn novelle “Widerfahrnis”. Kirchhoff beschrijft de gemeenschappelijke spontane autorit naar Sicilië van een gepensioneerde boekhandelaar en een ook al wat oudere schrijfster, die hij toevallig ontmoet. Tijdens de reis leren zij niet alleen leren elkaar beter kennen, maar worden zij ook geconfronteerd met de Europese vluchtelingencrisis, Bodo Kirchhoff werd geboren op 6 juli 1948 in Hamburg. Zie ook alle tags voor Bodo Kirchhoff op dit blog.

Uit:Widerfahrnis

“Diese Geschichte, die ihm noch immer das Herz zerreißt, wie man sagt, auch wenn er es nicht sagen würde, nur hier ausnahmsweise, womit hätte er sie begonnen? Vielleicht mit den Schritten vor seiner Tür und den Zweifeln, ob das überhaupt Schritte waren oder nur wieder etwas aus einer Unruhe in ihm, seit er nicht mehr das Chaos von anderen verbesserte, bis daraus ein Buch wurde. Also: Waren das Schritte, abends nach neun, wenn hier im Tal schon die Lichter ausgingen, oder war da etwas mit ihm? Und dann käme die Zigarette, die er sich angesteckt hatte; wenn nämlich sein ewiges Metallfeuerzeug aufschnappte, beendete das Geräusch jeden Spuk, auch den von innen. Und mit der Zigarette im Mund holte Reither – genau an der Stelle hätte er den Namen eingeführt – eine Flasche von dem apulischen Roten aus einem Karton im Flur, die vorletzte. Der Wein um diese Stunde, das friedliche Laster, das einen entfernt von der Welt, all ihrem Elend, selbst was vor der eigenen Tür geschieht, muss man nicht wissen.
Ja, das waren Schritte. Als würde dort wer, nachdenklich, auf und ab gehen. Reither holte noch seinen Korkenzieher und kniete sich damit im Wohnzimmer auf den Boden, weil dort erstens der Aschenbecher war und zweitens ein Buch lag, das er am frühen Abend entdeckt hatte.
Aber eigentlich folgte er nur der Gewohnheit, Dinge, in die man sich hineinknien sollte, auch im Knien zu tun, wie noch im letzten Jahr in seinem Kleinstverlag, wenn er Entwürfe für neue Umschläge auf dem Parkett ausgebreitet hatte – auf einem Tisch bekam man keinen Blick für
das Ganze, vom Bildschirm gar nicht zu reden. Und auch eins der wenigen Fotos von sich, die er gelten ließ, zeigt ihn kniend und mit Zigarette im Mund, beobachtet von einer Frau, wobei nur ihre Beine zu sehen sind. Alles an ihm ist zielgerichtet, der zu Boden gestreckte Arm, die
im selben Winkel abwärtszeigende Zigarette, das von der Nase diktierte Profil unter noch dichtem Haar, der Blick auf das eigene Tun, mit dem Daumen etwas anzubringen an einem verrotteten Schild, das er als Umschlagmotiv gewählt hat und an das er noch letzte Hand anlegt, wie an jedes seiner Bücher in über dreißig Jahren, bis damit Schluss war.“

 

 
Bodo Kirchhoff (Hamburg, 6 juli 1948)

13-10-15

Deutscher Buchpreis voor Frank Witzel

 

Deutscher Buchppreis voor Frank Witzel

De Duitse schrijver Frank Witzel heeft verrassend de Deutscher Buchppreis gewonnen voor zijn roman „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch depressiven Teenager im Sommer 1969“ Dat meldt de organisatie. Het verhaal speelt zich af in de oude Bondsrepubliek in de periode na de Tweede Wereldoorlog. De auteur beschrijft een reeks episoden vanuit de ogen van een 13-jarig kind in Wiesbaden.Zie ook alle tags voor Frank Witzel op dit blog.

Uit: Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969

“Es ist ein verschneiter Tag im Januar. Ich stehe auf einem schmalen und verschneiten Hügel, schaue in ein verschlafenes und ebenfalls verschneites Dorf, das unterhalb des Hügels liegt und versuche, mich zu erinnern wie es war, dort unten in einer kaum möblierten und ungeheizten Wohnung zweieinhalb Monate zuzubringen, in einem Haus, das eher einem Schuppen ähnelte, dicht neben einem Bach, der halb zufror in diesem Winter vor so vielen Jahren. Ich stehe auf dem Hügel und schaue meinem gefrorenen Atem hinterher und dem Eichelhäher, der kurz auf einem der verschneiten Äste aufsetzt und dann in den grauen Himmel fliegt und hinter der nächsten Kuppe verschwindet.
Die Landstraße schlängelt sich wie auf einer Kinderzeichnung vom grauweißen Horizont zu dem Feld vor meinen Füßen. Und da kommt auch schon ein Auto angefahren. Es ist kein Ferrari 250 GT 12 Zylinder 4 Takt Hubraum 2953 cm³ mit 240 PS und 230 Stundenkilometern, noch nicht mal ein Porsche 501 6 Zylinder 4 Takt Hubraum 1995 cm³ mit 120 PS und 200 Kilometern, son-dern nur ein NSU Prinz 2 Zylinder 4 Takt 578 cm³ mit 30 PS, der gerade mal 120 macht, mit Rückenwind, und hier geht es bergauf, raus aus dem verschneiten Dorf, und ich habe noch nicht mal den Mopedführerschein, und Claudia brüllt und Bernd schreit, ich soll mich weiter rechts halten, damit uns die Bullen in den Kurven aus den Augen verlieren, aber das ist gar nicht so leicht, denn unser NSU Prinz hat hinten schlecht aufgepumpte Reifen, sodass ich kaum die Balance halten kann. Trotzdem liegen wir ein ganzes Stück vorn. Hinter uns die Bullen mit ihrem vollbesetzten Mannschaftswagen VW T2 fangen an zu ballern. Die Kugeln schlagen in die Schneewehen und springen vom Straßenasphalt gegen den zitronengelben Lack der Kotflügel. Claudia kramt im Handschuhfach nach einer Waffe. Die ist nicht geladen, sage ich. Wie, nicht geladen? Kein Wasser drin. Wasser? Das ist meine Wasserpistole. Sag mal, spinnst du? schreit Bernd. Wo ist denn die Erbsenpistole? Vergessen, aber die Wasserpistole ist echt gut, die hat vorne einen Ring, da kannst du um die Ecke schießen. Ihr seid Spinner, vollkommene Spinner, ich denk, ihr habt euch das Luftgewehr von Achim geliehen. Der war nicht da, nur seine Oma, und die wollte es nicht rausrücken. Pass auf! Ich schlingere nach links, und fast wären wir umgekippt, aber Claudia und Bernd werfen sich geistesgegenwärtig auf die andere Seite, und ich komme nur für einen Moment von der Fahrbahn ab. Der Schnee spritzt an den Scheiben hoch. Die Scheibenwischer arbeiten wie wild. Vielleicht sollten wir einfach drehen, ruft Claudia, damit rechnen die nie im Leben.”

 

 
Frank Witzel (Wiesbaden, 1955)

05-10-10

Deutscher Buchpreis 2010 voor Melinda Nadj Abonji

 

Deutscher Buchpreis voor Melinda Nadj Abonji

 

 

De Zwitserse schrijfster en muzikante  Melinda Nadj Abonji krijgt dit jaar de Deutsche Buchpreis voor haar boek Tauben fliegen auf, zo werd op 4 oktober 2010  traditioneel bij de opening van de Frankfurter Buchmesse bekendgemaakt.

 

Melinda Nadj Abonji werd geboren op 22 juni 1968 in Bečej (nu in Servië). Zij verhuisde met haar ouders in 1973 uit het voormalige Joegoslavië van Tito naar Zwitserland en is sindsdien genaturaliseerd. Ze beëindigde haar studie aan de universiteit van Zürich in 1997 met de Lizenziatsgrad. In 2004 deed zij mee aan het Ingeborg Bachmann Concours in Klagenfurt. Ze treedt op als solo artieste en samen met rapper Jurczok 1001 als muzikante (zang en viool). Ook schreef zij tal van artikelen voor literaire tijdschriften (o.a. drehpunkt, Lenos, Basel / manuskripte, Graz / entwürfe, Zürich) en bloemlezingen. Haar roman Tauben fliegen auf werd gepubliceerd in 2010. Zij vertelt erin over de familie Kocsis, die deel uitmaakt van de Hongaarse minderheid in het noorden van Servië en die verhuisde naar Zürich. De voormalige immigrante werd de allereerste Zwitserse schrijver/schrijfster die ooit de Deutsche Buchpreis heeft gewonnen. Abonji woont al vele jaren in Zürich.

 

Uit: Tauben fliegen auf

 

“Titos Sommer

Als wir nun endlich mit unserem amerikanischen Wagen einfahren, einem tief braunen Chevrolet, schokoladefarben, könnte man sagen, brennt die Sonne unbarmherzig auf die Kleinstadt, hat die Sonne die Schatten der Häuser und Bäume beinahe restlos aufgefressen, zur Mittagszeit also fahren wir ein, recken unsere Hälse, um zu sehen, ob alles noch da ist, ob alles noch so ist wie im letzten Sommer und all die Jahre zuvor.

Wir fahren ein, gleiten durch die mit majestätischen Pappeln gesäumte Strasse, die Allee, welche die Kleinstadt vorankündigt, und ich habe es nie jemandem gesagt, dass mich diese zum Himmel strebenden Bäume in einen schwindelerregenden Zustand versetzen, einen Zustand, der mich mit Matteo kurzschliesst (der Taumel, dem ich verfalle, als Matteo und ich uns endlos im Kreis drehen, auf der schönsten Lichtung des Dorfwaldes, innig, seine Stirn auf meiner, später dann Matteos Zunge, die eigenartig kühl ist, seine schwarzen Körperhaare, die sich so an seine Haut schmiegen, als wären sie ihrer hellen Schönheit völlig ergeben).

Als wir an den Pappeln vorbeifahren, mir dieses Flirren den Verstand raubt, unser schokoladefarbenes Schiff geräuschlos von einem Baum zum nächsten gleitet, dazwischen die Luft der Ebene, die sichtbar wird, ich kann sie sehen, die Luft, die jetzt stillsteht, weil die Sonne so erbarmungslos ist, da sagt mein Vater zur Klimaanlage hin, immer noch alles genau gleich, mit kleiner Stimme sagt er, hat sich nichts verändert, gar nichts.

Niemand weiss, was mir diese Bäume bedeuten, die Luft zwischen den Bäumen, die man genau sehen kann, und nirgends sind die Bäume so verheissungsvoll wie hier, wo die Ebene ihnen Platz lässt, und ich wünsche mir auch diesmal stehenzubleiben, mich an einen dieser Stämme zu lehnen,

meinen Blick zu heben, mich von den raschen, kleinen Bewegungen der Blätter verführen zu lassen, und ich bitte meinen Vater auch diesmal nicht anzuhalten, weil ich auf die Frage »warum« keine Antwort wüsste, weil ich vieles erzählen müsste, ganz bestimmt aber von Matteo, um zu erklären,

warum ich ausgerechnet hier anhalten will, so kurz vor dem Ziel.”

 

 

 


Melinda Nadj Abonji (Bečej, 22 juni 1968)

 

13-10-09

Deutscher Buchpreis voor Kathrin Schmidt, Herman Franke, Colin Channer, Migjeni, Arna Wendell Bontemps, Conrad Richter

 

In het kader van de Frankfurter Buchmesse is aan de  Duitse schrijfster Kathrin Schmidt de Deutsche Buchpreis 2009 toegekend voor haar roman Du stirbst nicht. Zie ook mijn blog van 12 maart 2009.

 

Uit:Du stirbst nicht

 

„Es klappert um sie herum._ Als ihre Schwester heiratete, hatte die Mutter das Silberbesteck in eine Blechschüssel gelegt, auf eine Alufolie. Heißes Salzwasser darüber. Das saubere Besteck wurde nach einiger Zeit aus der Schüssel genommen und abgetrocknet: Es hatte genauso geklappert.

Wer heiratet denn? Sie versucht die Augen zu öffnen. Fehlanzeige. Mehr als Augenöffnen versucht sie nicht. Ist genügsam. Sie kann aber sehr deutlich die Stimme ihrer Mutter hören. Ah, also doch das Besteck! Was sagt ihre Mutter?

Die rechte Hand ist aber viel kälter als die linke, sagt sie, und der rechte Fuß genauso.

Warum hat die Mutter eine kalte rechte Hand?, fragt sie sich. Muss lächeln, als sie sich vorstellt, sie überprüfe die Temperatur ihrer Füße.

Sie lacht!, sagt ihre Mutter.

Sie verzieht nur das Gesicht.

Hat das ihr Vater gesagt? Aber ja, das war unzweifelhaft die Stimme ihres Vaters! Jetzt möchte sie doch die Augen öffnen. Was hat sie in der Küche ihrer Eltern zu suchen, wo mit Besteck geklappert und die Hand- und Fußtemperatur untersucht wird und sie ihre Augen nicht öffnen kann?

O, where do you come from? From London?

Das hat sie zu ihrer Tochter gesagt. Hat sie? Ein Auge kann sie öffnen. Sie tut es. Vierzehn ist das Mädchen und heute auf eine Sprachreise nach England gefahren. Warum ist sie schon wieder da? Sie heult. Aus irgendeinem Grund heult sie. Deshalb hat sie ja auch englisch sprechen wollen, um sie aufzumuntern. Es scheint nichts zu nützen, dass sie fröhlich ist. Das Mädchen hat Kummer. Aber welchen?

Wen könnte sie fragen? Der Blick wandert. Da! Neben der Tochter steht ihr Mann. My husband, sagt sie. Darüber wird aber doch hoffentlich gelacht werden …

Nichts.

Wenigstens lächelt der Mann. Je länger sie ihn anschaut, umso seltsamer findet sie sein Lächeln. Angepflockt hängt es zwischen den Wangenknochen wie eine Salzgurke.

Salt cucumber, sagt sie. Gibt es das überhaupt auf Englisch?

… geboren am 3. 12. 1972, wohnt in Hückelhoven …

Halt! Das ist sie aber nicht! Warum kann sie das nicht so laut ausrufen, wie sie möchte? Verdammt, das muss doch gehen!

Nun regen Sie sich aber mal schön ab, wir kommen ja gleich zu Ihnen!

Wer hat das gesagt? Der junge Mann da? Sie kann, glaubt sie, beide Augen gleichzeitig öffnen. Es geht ein bisschen schwer, irgendetwas scheint auf den Lidern zu liegen. Der junge Mann lächelt, aber das beruhigt sie kaum.

Das ist sie doch nicht! Sie ist vierzehn Jahre älter und wohnt doch nicht in Hückelhoven!

I don’t … I don’t …

Warum kommt sie nicht weiter mit dem Satz? Jetzt sagt der junge Mann den anderen Männern in blauen Kitteln, dass es beinahe so klinge, als ob sie englisch zu sprechen versuche, seit sie hin und wieder wach werde. Die Männer lachen. Sie sucht nach einer Frau. Hinter den Männern steht eine, aber die scheint mit irgendetwas beschäftigt zu sein.

Einer der Männer beugt sich über sie.

Können Sie mich hören?

Sie wird dem doch nicht sagen, ob sie ihn hören kann. Soll er ruhig weiter so brüllen.

Augen zu.

 

 

kathrin_schmidt
Kathrin Schmidt (Gotha, 12 maart 1958)

 

 

 

 

De Nederlandse schrijver Herman Franke werd geboren op 13 oktober 1948 in Groningen. Zie ook mijn blog van 13 oktober 2006 en ook mijn blog van 13 oktober 2007 en ook mijn blog van 13 oktober 2008.

 

Uit: Weg van loze dromen 

 

„Een dodelijk sombere proloog

Het was in de herfst van een buitengewoon zomers jaar dat Lucien een Amsterdams allemanscafé binnen stapte en een dodelijk sombere monoloog afstak, eerst tegen een mooi meisje dat niet wilde luisteren, toen tegen een jongen met krullend haar en droevige ogen die alleen in ruil voor veel drank bereid bleek hem tot het uitzichtloze einde aan te horen. Het was de herfst die volgde op de herfst waarin de Berlijnse muur viel. De tussenliggende zomer was zo heet geweest dat de damp nog van de daken sloeg, alsof Nederland zojuist uit de oven was gehaald. Het was een monoloog die eerder Luciens beste vriend Jos Oldemonnikhof fataal was geworden en die nog veel en veel eerder romantische jongelingen uit Weltschmerz tot zelfmoord bracht. De monoloog had ook het leven van Sanne ingrijpend beïnvloed. Op een krakende stoel aan een tafeltje met een truttig rood-wit geblokt kleedje bracht Lucien plompverloren de beste van alle mogelijke werelden van de grote Duitse filosoof Leibniz ter sprake. Om het moeilijke gespreksonderwerp toch nog een beetje in overeenstemming te brengen met de volkse entourage, sprak hij de beroemde naam Amsterdams uit. Lààpnis. Dat was een voorbarige tegemoetkoming aan het vermeende intellectuele peil van zijn gesprekspartner want voor een werkende jongere bleek deze redelijk ontwikkeld te zijn. Hij had uit vrije wil boeken gelezen, wat lang niet alle studenten van zichzelf konden zeggen. Lucien putte er moed uit. `Als het alwetende onbewuste, God voor mijn part, zich een betere wereld had kunnen voorstellen, dan was die wereld er wel geweest,' zei hij tegen de argeloze krullekop. Daar viel geen speld tussen te krijgen. Het probleem was dat de best mogelijke wereld heel goed een puinhoop kon zijn vol verdriet en ellende. En als de best mogelijke wereld meer ongeluk dan geluk voortbracht, kon zij beter niet bestaan.“

 

 

Franke
Herman Franke (Groningen, 13 oktober 1946)

 

 

 

 

De Jamaicaanse schrijver Colin Channer werd geboren op 13 oktober 1963 in Kingston. Zie ook mijn blog van 13 oktober 2008.

 

Uit: Satisfy My Soul

 

„Up ahead a herd of cattle toddle down a path. They moo and jostle as they splash into the ocher river, triggering the flowers on a tree festooned with Spanish moss to burst into a spray of screeching birds.

In theory this is stunning. But in Jamaica, an island that produces elemental drama daily, no one stops to look. Not the women spreading clothes on white boulders. Not the naked children swinging out on leafy vines. Not the men in trunks and soccer shorts who wade upstream, waist deep, empty bamboo rafts in tow, hunched against the current, delivering the vessels to the starting point for tips.

Fifteen feet away from us the captain of our raft is punting with a slender pole. The braided muscles in his back are coiling. His navy polo shirt is snug. Water tongues the grooves between the knuckled stems that form the hull. In essence we are sailing on a fence.

People are watching me. Waiting. A bead of perspiration stretches from my beard and bursts against my shirt.

Then as the captain steers around a bar of silt I find a question.

“Okay, Chadwick, on the night before you’re set to go to the gallows you get a set of choices. A last book. A last song. A last meal with any writer living or dead. And the chance to sleep with anyone in the whole wide world—a living anyone, of course.”

The producer on the raft beside us smiles and makes a fist. This is how she told me that she wants the show to be—arch and energetic.

I am a guest on Trapped in Transit, a travel show on A&E.

Each week on TIT, as all the members of the crew appear to call it, an odd couple chosen from the worlds of politics and entertainment take a journey: Howard Stern and Yasir Arafat canoeing in Mongolia. Martha Stewart and Biz Markie on a llama in Peru.

Chadwick is a congressman. If his reparations bill is passed, every black American will receive a million dollars in exchange for relocation to Liberia.

I’m a playwright and director whose grandfather moved to Harlem from West Africa in the twenties. Chadwick is fifty. I am thirty-eight. Chadwick is married. I will never be. He is a Republican. I like to call myself a negro. He is bald. My locks are wrapped around my head to form a turban.

His freckled cheeks are settling into jowls. His nose is sharp and owlish. He does not have an upper lip. His forehead lasts forever.

“I think I’d have a rack of lamb,” he answers. “And it is always hard for me to sleep without my wife. My favorite book has always been Heart of Darkness. Conrad is amazing. You should read him. I would dine with Rudy Kipling. As a boy in Oklahoma I felt connected to his stories . . . all the Indians. I know that our natives aren’t the same as Kipling’s Hindus, but I could still relate. As far as music is concerned I think I’d listen to Aretha Franklin. And you—you asked the question. What would you do?”

 

 

colinchanner
Colin Channer (Kingston, 13 oktober 1963)

 

 

 

 

De Albanese dichter Migjeni (eigen. Millosh Gjergj Nikolla) werd geboren op 13 oktober 1911 in Shkodra. Zie ook mijn blog van 13 oktober 2008.

 

 

Autumn on parade

 

Autumn in nature and autumn in our faces.

The sultry breeze enfeebles, the glowering sun

Oppresses the ailing spirit in our breasts,

Shrivels the life trembling among the twigs of a poplar.

The yellow colours twirl in the final dance,

(A frantic desire of leaves dying one by one).

Our joys, passions, our ultimate desires

Fall and are trampled in the autumn mud.

 

An oak tree, reflected in the tears of heaven,

Tosses and bleeds in gigantic passion.

"To live! I want to live!" - it fights for breath,

Piercing the storm with cries of grief.

 

The horizon, drowned in fog, joins in

The lamentation. In prayer dejected fruit trees

Fold imploring branches - but in vain, they know.

Tomorrow they will die... Is there nowhere hope?

 

The eye is saddened. Saddened, too, the heart

At the hour of death, when silent fall the veins

And from the grave to the highest heavens soar

Despairing cries of long-unheeded pain.

 

Autumn in nature and autumn in our faces.

Moan, desires, offspring of poverty,

Groan in lamentation, bewail the corpses,

That adorn this autumn among the withered branches.

 

 

 

Vertaald door Robert Elsie

 

 

 

Migjeni
Migjeni
(13 oktober 1911 – 26 augustus 1938)

 

 

 

 

 

De Amerikaanse dichter en schrijver Arna Wendell Bontemps werd geboren op 13 oktober 1902 in Alexandria in Louisiana. Zie ook mijn blog van 13 oktober 2008.

 

 

Reconnaissance

 

After the cloud embankments,

the lamentation of wind

and the starry descent into time,

we came to the flashing waters and shaded our eyes

from the glare.

 

Alone with the shore and the harbor,

the stems of the cocoanut trees,

the fronds of silence and hushed music,

we cried for the new revelation

and waited for miracles to rise.

 

Where elements touch and merge,

where shadows swoon like outcasts on the sand

and the tried moment waits, its courage gone--

there were we

 

in latitudes where storms are born.

 

 

 

 

Length of Moon

 

Then the golden hour

Will tick its last

And the flame will go down in the flower.

A briefer length of moon

Will mark the sea-line and the yellow dune.

Then we may think of this, yet

There will be something forgotten

And something we should forget.

It will be like all things we know: .

A stone will fail; a rose is sure to go.

It will be quiet then and we may stay Long at the picket gate

But there will be less to say.

 

 

 

bontemps
Arna Wendell Bontemps (13 oktober 1902 – 4 juni 1973)

 

 

 

 

De Amerikaanse schrijver Conrad Richter werd geboren op 13 oktober 1890 in Pine Grove, Pennsylvania. Zie ook mijn blog van 13 oktober 2008.

 

Uit: The Trees

 

And still Worth wouldn't stop. Not till he had worked out his mind. He had to make a last splurge. This would be a mortal handy thing for a house, something you had to pay tax on if you had one down in Pennsylvania. He steadied the logs with wedges, marked them with a straight edge and chopped out a hole, dressing it smooth with axe and knife. Over the hole he plastered a few cross sticks and fast to the sticks the marriage paper the Conestoga dominie had given them. Worth had always plagued Jary for lugging such a useless thing around with her. But now that he greased it with bear's oil, he reckoned it might be of some account. It let the sun through like glass. Oh, then it was a sight to see in that dark cabin, a window light blazing up like it was a fire and making all the cubbyholes and corners plain as outside till you could see the marks the barkworms left on the logs.”

 

 

richter
Conrad Richter (13 oktober 1890 – 30 oktober 1968)

 

14-10-08

Deutscher Buchpreis voor Uwe Tellkamp


De Duitse schrijver Uwe Tellkamp heeft voor zijn dit jaar verschenen roman Der Turm de Deutsche Buchpreis 2008 gewonnen voor de beste roman in de Duitse taal, een prijs die te vergelijken is met de Prix Goncourt of de Man Booker Prize. Uwe Tellkamp werd geboren op 28 oktober 1968 in Dresden. Zijn eerste satirische tekst verscheen al in in 1987 in het blad Eulenspiegel, dus nog in de tijd van de DDR. Na zijn gymnasiumopleiding diende Tellkamp in het leger van de DDR. Daarin bleef hij tot 1989 ook als onderofficier werkzaam tot hij het bevel kreeg uit te rukken tegen „de oppositie“, waaronder ook een broer van de schrijver. Dat weigerde hij. Hij verloor zijn studieplaats medicijnen en moest twee weken de gevangenis in. Zijn studie medicijnen voltooide hij later in Dresden, Leipzig en New York. Na zijn afstuderen werkte hij een tijd in een kliniek München, maar in 2004 gaf hij dit beroep op ten gunste van zijn schrijverschap. Bij een breder publiek bekend werd Tellkamp door een lezing uit zijn roman Der Schlaf in den Uhren in 2004 in Klagenfurt, waarvoor hij de  Ingeborg-Bachmann-Preis won. Ook opzien baarde zijn roman Der Eisvogel uit 2005.

 

Uit: Der Turm

“1. Auffahrt

Die elektrischen Zitronen aus dem VEB »Narva«, mit denen der Baum dekoriert war, hatten einen Defekt, flackerten ackerten hin und wieder auf und löschten die elbabwärts liegende Silhouette Dres­dens. Christian zog die feucht gewordenen, an den wollenen In­nenseiten mit Eiskügelchen bedeckten Fäustlinge aus und rieb die vor Kälte fast taub gewordenen Finger rasch gegeneinander, hauchte sie an – der Atem verging als Nebelstreif vor dem finster liegenden, in den Fels gehauenen Eingang des Buchensteigs, der hinauf zu Arbogasts Instituten führte. Die Häuser der Schiller­straße verloren sich im Dunkel; vom nächstgelegenen, einem Fachwerkhaus mit verriegelten Fensterläden, lief eine Stromlei­tung ins Geäst einer der Buchen über dem Felsdurchgang, ein Ad­ventsstern brannte dort, hell und reglos. Christian, der über das Blaue Wunder und den Körnerplatz gekommen war, ging weiter stadtauswärts, in Richtung Grundstraße, und erreichte bald die Standseilbahn. Vor den Schaufenstern der Geschäfte, an denen er vorüberging – ein Bäcker, Molkereiwaren, ein Fischladen –, waren die Rolläden herabgelassen; düster und mit aschigen Kon­turen, halb schon in Schatten, lagen die Häuser. Es schien ihm, als ob sie sich aneinanderdrängten, Schutz beieinander suchten vor etwas Unbestimmtem, noch nicht Ergründbarem, das vielleicht aufgleiten würde aus der Dunkelheit – wie der Eismond aufge­glitten war über der Elbe vorhin, als Christian auf der menschen­leeren Brücke stehengeblieben war und auf den Fluß geblickt hatte, den dicken, von seiner Mutter gestrickten Wollschal über Ohren und Wangen gezogen gegen den frostscharfen Wind. Der Mond war langsam gestiegen und hatte sich von der kaltträgen, wie flüssige Erde wirkenden Masse des Stroms gelöst, um allein über den Wiesen mit ihren in Nebelgespinste gehüllten Weiden, dem Bootshaus auf der Altstädter Elbseite zu stehen, den gegen Pillnitz zu sich verlierenden Höhenzügen. Von einem Kirchturm in der Ferne schlug es vier, was Christian wunderte.

Er ging den Weg zur Standseilbahn hinauf, stellte seine Reise­tasche auf die verwitterte Bank vor dem Gatter, das den Bahn­steig abschloß, und wartete, die Hände samt Handschuhen in die Taschen seiner militärgrünen Parka gesteckt. Die Zeiger der Bahnhofsuhr über dem Schaffnerhäuschen schienen sehr lang­sam vorzurücken. Außer ihm wartete niemand auf die Stand­seilbahn, und um sich die Zeit zu vertreiben, musterte er die Anzeigentafeln. Lange waren sie nicht mehr gesäubert worden. Eine warb für das Café Toscana auf der Altstädter Elbseite, eine für das weiter in Richtung Schillerplatz liegende Geschäft Näh­ter, eine andere für das Restaurant Sibyllenhof an der Bergstati­on. In Gedanken begann Christian Fingersatz und Melodiefolge des italienischen Stücks zu wiederholen, das auf der Geburts­tagsfeier für den Vater gespielt werden sollte. Dann sah er in die Dunkelheit des Tunnels. Ein schwacher Schein wuchs, füllte all­mählich die Tunnelhöhlung wie steigendes Wasser einen Brun­nen; zugleich wuchs das Geräusch: ein schieferiges Knarren und Ächzen, das Führungsseil aus Stahldrähten knackte unter der Last, ruckend näherte sich die Bahn, eine mit Meereslicht gefüll­te Kapsel; zwei Scheinwerferaugen beleuchteten die Strecke. Im Wagenquader waren die unscharf umrissenen Körper einzelner Fahrgäste zu sehen; in der Mitte der verfließende Schatten des graubärtigen Schaffners, der seit Jahren auf dieser Strecke fuhr: hinauf und hinab, hinab und hinauf immer im Wechsel, viel­leicht schloß er die Augen dabei, um dem Anblick des allzu Ver­trauten zu entgehen oder um es innerlich zu sehen und es dann zu verdrängen, um Geister zu bannen. Wahrscheinlich aber sah er schon mit dem Gehör, jeder Ruck während der Fahrt mußte ihm bekannt sein.

 

 

 

Tellkamp
Uwe Tellkamp (Dresden, 28 oktober 1968)