05-04-08

Hugo Claus, Algernon Swinburne, Bora Ćosić, Werner J. Egli, Michael Conrad


De Vlaamse schrijver Hugo Claus werd in Brugge geboren op 5 april 1929. Zie ook mijn blog van 5 april 2007 en mijn blog van 19 maart 2008. Van zijn Het Verdriet van België verscheen recent een nieuwe Duitse vertaling.

 

Uit: Der Kummer von Belgien (Vertaald door Waltraut Hüsmert)

 

“Dondeyne hatte eines der sieben Verbotenen Bücher unter seinem Kittelhemd versteckt und Louis mit sich gelockt. Die beiden Jungen hockten unter den Schlingpfl anzen in der Grotte der Bernadette Soubirous .

Dondeynes Verbotenes Buch war eine Ausgabe des illustrierten Wochenblatts ABC , einer Zeitschrift der Sozialisten, die zweifellos auf dem Index des Vatikans stand. Sein Bruder hatte sie ihm mitgebracht, als er im Krankenhaus lag. Von dort war er mit einem scharlachroten Ohr zurückgekommen, an dem er oft herumzupfte . Tagsüber lag die Zeitschrift unter seinem Spind, hinter den Schnürstiefeln.

Die vier Seiten, die nun darin fehlten, lagen glänzend und glatt, nur an den Rändern etwas eingerissen, unter dem blauen Packpapier, mit dem die Schublade von Dondeynes Schulbank ausgelegt war. Zur Sicherheit hatte Dondeyne das Papier mit punaises , Reißzwecken, festgeheftet . (»Sag nicht immer punaises , wir haben doch ein fl ämisches Wort dafür«, pfl egte Louis' Pate zu sagen, doch das fl ämische Wort benutzte Louis nie, er wurde schon wegen seiner Aussprache oft genug ausgelacht.)

Die aufgeschlagenen Seiten schimmerten in der Sonne; in der Mitte war wegen der ausgezackten Rißkante und des Schattens ein häßlicher Spalt. Louis hätte seine Verbotenen Bücher niemals auseinandergerissen, mochte die Gefahr, entdeckt zu werden, noch so groß sein. Aber Dondeyne war ja auch ein Hottentotte .

Die vier Apostel besaßen zusammen sieben Verbotene Bücher. Vlieghe gehörten drei davon, Liebe im Nebel , ein Programm der Operette Rose Marie und, das riskanteste, eine Biographie des Ketzers und Freimaurers G. B. Shaw . Byttebier besaß Erzählungen aus der Südsee und ein Foto von Deanna Durbin im Unterrock, unan ständig genug, um als Buch durchzugehen. Louis hätte mit seinem Buch wahrscheinlich keinen Ärger bekommen, wenn die Nonnen es gefunden hätten, er hätte es auch offen zwischen die abgegriffenen, angenehm duftenden Davidsfonds -Bücher stellen können, die er sich nach den Osterferien mitgebracht hatte, aber reichte es nicht schon aus, ein Buch heimlich, ins Nachthemd gewickelt, hinter die hohen Mauern der Klosterschule zu schmuggeln ? Der Titel lautete: Die Flämische Flagge. Papa hatte es selbst in den rotbraunen Pappumschlag eingebunden, das war sofort zu erkennen, denn wenn er Bücher band, hackte er die Ränder unter der Schneidemaschine wie unter einer Guillotine schonungslos dicht beim Text ab. In Die Flämische Flagge ging es um rebellische Seminaristen gegen Ende des letzten Jahrhunderts, die, aufgestachelt von langhaarigen Priestern mit Pincenez, einen Geheimbund namens Der stille Schwur gegründet und bei Nacht und Nebel ein Komplott gegen die belgischen, also antifl ämischen Minister und Bischöfe geschmiedet hatten. Louis hatte das Werk zu Hause aus dem Bücherschrank gestohlen, weil Papa einmal behauptet hatte, Pfarrer, die solche Bücher bei ihren Gemeindemitgliedern fänden, würden sogleich mit Exkommunikation drohen. Der Anblick des schäbigen Buchs mit den dünnen, grau gedruckten Buchstaben, das keine einzige Illustration enthielt, hatte die anderen drei Apostel nicht gerade beeindruckt. Nur weil Louis mit übertriebenem Eifer Ursprung und Inhalt geschildert und die Gefahr ausgemalt hatte, hatten sie das mißgestaltete Ding an jenem Abend als Verbotenes Buch akzeptiert und es auf Byttebiers Kopfkissen zu den anderen gelegt, sich dreimal bekreuzigt und gefl üstert : »Im schwarzen Buche – gehn wir auf die Suche – geheim und im stillen – Maria zu Willen.« Keiner von ihnen durfte die Verbotenen Bücher lesen, wenn nicht mindestens einer der anderen Apostel mitlas .”

 

 

 

 

hugo_cllaus
Hugo Claus (5 april 1929 – 19 maart 2008)

 

 

 

 

De Engelse schrijver en dichter Algernon Charles Swinburne werd geboren op 5 april 1837 in Londen. Zie ook mijn blog van 5 april 2007.

 

The Year of Love

THERE were four loves that one by one,
Following the seasons and the sun,
Passed over without tears, and fell
Away without farewell.


The first was made of gold and tears,
The next of aspen-leaves and fears,
The third of rose-boughs and rose-roots,
The last love of strange fruits.


These were the four loves faded. Hold
Some minutes fast the time of gold
When our lips each way clung and clove
To a face full of love.


The tears inside our eyelids met,
Wrung forth with kissing, and wept wet
The faces cleaving each to each
Where the blood served for speech.


The second, with low patient brows
Bound under aspen-coloured boughs
And eyes made strong and grave with sleep
And yet too weak to weep--


The third, with eager mouth at ease
Fed from late autumn honey, lees
Of scarce gold left in latter cells
With scattered flower-smells--


Hair sprinkled over with spoilt sweet
Of ruined roses, wrists and feet
Slight-swathed, as grassy-girdled sheaves
Hold in stray poppy-leaves--


The fourth, with lips whereon has bled
Some great pale fruit's slow colour, shed
From the rank bitten husk whence drips
Faint blood between her lips--


Made of the heat of whole great Junes
Burning the blue dark round their moons
(Each like a mown red marigold)
So hard the flame keeps hold--


These are burnt thoroughly away.
Only the first holds out a day
Beyond these latter loves that were
Made of mere heat and air.


And now the time is winterly
The first love fades too: none will see,
When April warms the world anew,
The place wherein love grew.

 

 

 

 

 

swinburne
Algernon Swinburne (5 april 1837 – 10 april 1909)

 

 

 

De Servische dichter en schrijver Bora Ćosić werd geboren op 5 april 1932 in Zagreb. Zie ook mijn blog van 5 april 2007.

 

Die Geschichte Europas

Junge Menschen in Belgrad
gehen auf der Straße stoßen einander an
sprechen in die Kamera
verkleidet als meine Freunde
von vor fünfzig Jahren
ich weiß nicht warum ich sie nicht erkenne

 

vielleicht eine allzu frühe Übersetzung
einer früheren Generation
verlorene Reime der nackte Sinn
deshalb sieht es ähnlich aus
ist es aber nicht

 

die ganzen Völker in der gleichen Geschichte
Litauer Tschechen Kroaten
verstreut in verschiedenen Städten
haben die Straßen aus dem Gedächtnis gebaut
dann die Plätze wie eine Gewohnheit
dort wo es zu einer Verbreiterung kommt

 

alle Dichter des zwanzigsten Jahrhunderts
schreiben dasselbe Gedicht
nur lang
dann schneiden sie es in viele Teile
verteilen es auf mehrere Namen

 

 

 

 

 

Cosic
Bora Ćosić (Zagreb, 5 april 1932)

 

 

 

 

De Zwitserse schrijver Werner J. Egli werd geboren in Luzern op 5 april 1943. Hij studeerde kunstgeschiedenis en maakte daarna uitgebreide reizen door Amerika en Europa. Behalve reisverslagen schreef hij eerst avonturenromans. Tegenwoordig schrijft hij voornamelijk romans voor jongeren en historische romans voor volwassenen. Egli woont afwisselend in verschillende Amerikaanse en Europese plaatsen.

 

Uit: Aus den Augen, voll im Sinn

 

„Ich war fast sechzehn, als alles anders wurde

Mit allen möglichen Tricks hatten sie schon versucht, Philipp und mich auseinander zu bringen. Lange hatte das nicht geklappt, obwohl sie es wirklich mit allen Mitteln versuchten. Zum Beispiel im letzten Urlaub, in Rimini. Da hatte der Trick einen Namen. Nando. Heute weiß ich gar nicht mehr, wer den entdeckt hatte. Wahrscheinlich meine Mutter. Die hat ein Auge für exotische Typen. Glutaugen und Schlabberlippen. Dunkle Haut und Härchen auf der Brust. Und mein Vater hatte natürlich mitgemacht. Keine Ahnung, was sie sich dabei dachten, als sie ihn für mich aufgabelten. Dass ich weich werden würde.

Und dann? Mit geschmolzenem Herz aus dem Urlaub zurückkehren und womöglich nicht mehr als Jungfrau? Dass sie das in Kauf nahmen, will ich ihnen nicht nachsagen. Aber es hätte leicht ins Auge gehen können, weil Nando natürlich vom ersten Moment an nichts anderes mehr in seiner Birne hatte, als mit mir zu schlafen. Amore machen. So ein Schmachtfetzen.

Wenn ich mal Amore machen würde – das stand für mich seit langem fest –, dann mit Philipp, und zwar in der Hochzeitsnacht. Der wichtigste Tag meines Lebens, so dachte ich damals, wird der Tag meiner Hochzeit sein. Dann sollte für mich das Leben erst anfangen. Was vorher war, betrachtete ich nur als

eine Art Vorspiel. Mir war egal, ob das als altmodisch galt oder sogar als lächerlich, ich glaubte, eine Hochzeit ohne echte Hochzeitsnacht sei nur eine halbe Sache. Und ich war nie für halbe Sachen. Entweder alles, und zwar richtig, oder eben gar nichts.

Das sagte ich auch Nando, als er mich mit seinen Schlabber- lippen hingebungsvoll küsste und anschließend von mir ver- langte, ich solle ihm mein Herz schenken. Was er wollte, war natürlich was ganz anderes, sonst hätte er mit seiner linken Hand nicht versucht, von unten her an mein Herz heranzukommen, während er mir mit der rechten am Verschluss meines BHs herumfummelte.“

 

 

 

 

Egli
Werner J. Egli (Luzern, 5 april 1943)

 

 

 

 

 

 

Zie voor onderstaande schrijver ook mijn blog van 5 april 2007.

 

De Duitse schrijver Michael Georg Conrad werd geboren op 5 april 1846 in Gnodstadt.