12-03-17

Jenny Erpenbeck, Dave Eggers, Jack Kerouac, Naomi Shihab Nye, Carl Hiaasen, Edward Albee, De Schoolmeester, Benedict Wells

 

De Duitse schrijfster en filmregisseur Jenny Erpenbeck werd geboren op 12 maart 1967 in Oost-Berlijn. Zie ook alle tags voor Jenny Erpenbeck op dit blog.

Uit: Aller Tage Abend

“Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen, hatte die Großmutter am Rand der Grube zu ihr gesagt. Aber das stimmte nicht, denn der Herr hatte viel mehr genommen, als da war – auch alles, was aus dem Kind hätte werden können, lag jetzt da unten und sollte unter die Erde. Drei Handvoll Erde, und das kleine Mädchen, das mit dem Schulranzen auf dem Rücken aus dem Haus läuft, lag unter der Erde, der Schulranzen wippt auf und ab, während es sich immer weiter entfernt; drei Handvoll Erde, und die Zehnjährige, die mit blassen Fingern Klavier spielt, lag da; drei Handvoll, und die Halbwüchsige, der die Männer nachschauen, weil ihr Haar so kupferrot leuchtet, wurde verschüttet; dreimal Erde geworfen, und es wurde auch die erwachsene Frau, die ihr, wenn sie selbst begonnenhätte, langsam zu werden, eine Arbeit aus der Hand genommen hätte mit den Worten: ach, Mutter, auch die wurde langsam von Erde, die ihr in den Mund fiel, erstickt. Unter drei Händen voll Erde lag eine alte Frau da im Grab, eine Frau, die selbst schon begonnen hat, langsam zu werden, zu der eine andere junge Frau oder ein Sohn manchmal gesagt hätte: ach, Mutter, auch die wartete nun darauf, dass man Erde auf sie warf, bis die Grube irgendwann wieder ganz voll sein würde, und ein wenig voller als voll, denn den Hügel über der Grube wölbt ja der Körper aus, wenn der auch viel weiter unten liegt, wo man ihn nicht mehr sieht. Über einem Säugling, der plötzlich gestorben ist, wölbt sich der Hügel fast gar nicht. Eigentlich aber müsste der Hügel so riesig sein wie die Alpen. Das denkt sie, und dabei hat sie die Alpen noch niemals mit eigenen Augen gesehen.
Sie sitzt auf derselben Fußbank, auf der sie als Kind immer saß, wenn ihre Großmutter ihr Geschichten erzählte. Diese Fubank war das Einzige, was sie sich von der Großmutter für ihren eigenen Hausstand gewünscht hatte. Sie sitzt im Flur auf dieser Fußbank, lehnt sich an die Wand, hält die Augen geschlossen und rührt das Essen und T rinken, das eine Freundin vor sie hingestellt hat, nicht an. Sieben Tage wird sie jetzt so da sitzen. Ihr Mann hat versucht, sie hochzuziehen, aber gegen ihren Willen hat er es nicht geschafft.“

 
Jenny Erpenbeck (Berlijn, 12 maart 1967)

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12-03-16

Jenny Erpenbeck, Dave Eggers, Jack Kerouac, Naomi Shihab Nye, Carl Hiaasen, Edward Albee, De Schoolmeester, Benedict Wells

 

De Duitse schrijfster en filmregisseur Jenny Erpenbeck werd geboren op 12 maart 1967 in Oost-Berlijn. Zie ook alle tags voor Jenny Erpenbeck op dit blog.

Uit: Gehen, ging, gegangen

“Vielleicht liegen noch viele Jahre vor ihm, vielleicht nur noch ein paar. Es ist jedenfalls so, dass Richard von jetzt an nicht mehr pünktlich aufstehen muss, um morgens im Institut zu erscheinen. Er hat jetzt einfach nur Zeit. Zeit, um zu reisen, sagt man. Zeit, um Bücher zu lesen. Proust. Dostojewski.
Zeit, um Musik zu hören. Er weiß nicht, wie lange es dauern wird, bis er sich daran gewöhnt hat, Zeit zu haben. Sein Kopf jedenfalls arbeitet noch, so wie immer. Was fängt er jetzt mit dem Kopf an? Mit den Gedanken, die immer weiter denken in seinem Kopf? Erfolg hat er gehabt. Und nun? Das, was Erfolg genannt wird. Seine Bücher wurden gedruckt, zu Konferenzen wurde er eingeladen, seine Vorlesungen waren bis zuletzt gut besucht, Studenten haben seine Bücher gelesen, sich Stellen darin angestrichen und zur Prüfung auswendig gewusst. Wo sind die Studenten jetzt? Manche haben Assistenzstellen an Universitäten, zwei oder drei sind inzwischen selbst Professoren. Von anderen hat er lange nichts mehr gehört. Einer hält freundschaftlichen Kontakt zu ihm, ein paar melden sich von Zeit zu Zeit.
So.
Von seinem Schreibtisch aus sieht er den See.
Richard kocht sich einen Kaffee. Er geht mit der Tasse in der Hand in den Garten und sieht nach, ob die Maulwürfe neue Hügel aufgeworfen haben.
Der See liegt still da, wie immer in diesem Sommer.
Richard wartet, aber er weiß nicht, worauf. Die Zeit ist jetzt eine ganz andere Art von Zeit. Auf einmal. Denkt er.
Und dann denkt er, dass er, natürlich, nicht aufhören kann mit dem Denken. Das Denken ist ja er selbst, und ist gleichzeitig die Maschine, der er unterworfen ist. Auch wenn er ganz allein ist mit seinem Kopf, kann er, natürlich, nicht aufhören mit dem Denken. Auch, wenn wirklich kein Hahn danach kräht, denkt er.“

 

 
Jenny Erpenbeck (Berlijn, 12 maart 1967)

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12-03-15

Benedict Wells

 

Onafhankelijk van geboortedata

De Duitse schrijver Benedict Wells werd geboren geboren in München in 1984. Wells volgde de middelbare school n drie Beierse kostscholen en sloot zijn opleiding af met het eindexamen gymnasium. In 2003 verhuisde hij naar Berlijn, waar hij besloot om niet te gaan studeren, om te kunnen schrijven. In zijn levensonderhoud voorzag hij met diverse gelegenheidsbaantjes. Zijn tweede roman, "Becks letzter Sommer ", werd als eerste gepubliceerd (in 2008) en kreeg veel aandacht in de literaire kritiek. Zo noemde hem het weekblad Die Zeit "het meest interessante debuut van het jaar." Het boek vertelt het verhaal van Robert Beck, een leraar en muzikant van eind 30, die terugkijkt op zijn leven en een roadtrip naar Istanbul maakt. Op de leeftijd van 23 was Wells, toen de roman werd gepubliceerd, de jongste auteur onder contract. Voorafgaand aan de publicatie van de roman werkte Wells als redacteur bij de televisie. In 2009 werd hij onderscheiden met de Beierse Kunstprijs. In hetzelfde jaar verscheen zijn oorspronkelijk eerste roman "Spinner", die hij schreef hij toen hij negentien jaar was. De hoofdpersoon is de twintig jaar oude Jesper Lier, die een bewogen week in Berlijn beleeft. Wells 'derde roman " Fast genial " verscheen in 2011 en steeg naar plaats 6 op de bestseller lijst. Het gaat over een jongen uit een arme familie, die op zoek gaat naar zijn onbekende en blijkbaar briljante vader. Zoals pas na het succes van zijn derde roman bekend werd - en zeer tegen zijn wil - is Wells de broer van Ariadne von Schirach, en neef van de schrijver Ferdinand von Schirach. Zijn achternaam is echter geen pseudoniem, hij heet ook in zijn dagelijks leven Wells. Om zich te distantiëren van zijn vroegere achternaam, in welke vorm dan ook, en om onafhankelijk te zijn, liet Wells zijn naam in zijn paspoort officieel veranderen. Het is ook een eerbetoon aan Homer Wells uit de roman "The Cider House Rules" door John Irving. Irving's romans waren ook de reden waarom hij begon te schrijven.

Uit: Fast genial

„Einen Tag nach dem Selbstmordversuch seiner Mutter saß Francis auf einer Bank am Hudson. Er war angespannt, denn er hatte etwas vor, was ihm eigentlich widerstrebte. Er wollte Ryan Wilco in seiner Kanzlei besuchen und sich von ihm Geld leihen. Sein Stiefvater hatte es ihm zwar oft angeboten, aber Francis hatte immer abgelehnt. Und seit Ryan sich an der Börse verspekuliert hatte, war er längst nicht mehr so großzügig. Das Haus in Long Island hatte er zwar behalten können, allerdings hatte er dafür einen Kredit aufnehmen müssen, den er nun monatlich abbezahlte. Doch Francis musste es einfach bei ihm versuchen. Durch den Brief seiner Mut ter wusste er endlich, was er zu tun hatte, und dafür brauchte er so viel Geld wie möglich.
Dampf stieg aus den Straßenschächten, alle paar Minuten ertönten Polizeisirenen, ein Presslufthammer dröhnte. Francis hatte der lärmenden Stadt den Rücken zugedreht und blickte auf den Fluss. Es war ein warmer Nachmittag, die Sonne spiegelte sich auf dem Wasser, neben ihm saß eine Japanerin in einem pinkfarbenen Trainingsanzug und telefonierte.
Als Kind war Francis oft in New York gewesen. Er hatte Ryan in seiner Kanzlei besucht, und auch nach der Scheidung war er ein Mal die Woche mit ihm in Manhattan Mittag essen gegangen. Sein Stiefvater hatte versprochen, ihn immer zu unterstützen, und Francis war sich sicher gewesen, dass sich an ihrem Verhältnis nichts ändern würde.
Aber bald hatten sich die Probleme gehäuft. Er war in die Pubertät gekommen und hatte rebelliert. Und er hatte diesen simplen Gedanken einfach nicht abschütteln können: Wenn Ryan ihn wirklich so gern hatte, wieso lebte er dann lieber allein mit seinem richtigen Sohn in New York?
Dieser Gedanke war in den folgenden Jahren stärker geworden und hatte ihre Beziehung vergiftet. Sie hatten sich nur noch selten zum Mittagessen getroffen. Ryan hatte die unschöne Angewohnheit gehabt, sich als sein Vater aufzuspielen und ihn zu kritisieren, und einmal war es dabei zu einem folgenschweren Streit gekommen. Ryan hatte schlecht über seine Exfrau geredet, Francis hatte seine Mutter verteidigt und entgegengehalten, er sei nicht sein richtiger Vater, und schließlich hatte er Ryan in einem unbeherrschten Moment ein kaltherziges Arschloch genannt.“

 

 
Benedict Wells (München, 1984)

18:20 Gepost door Romenu in Literatuur | Permalink | Commentaren (0) | Tags: benedict wells, romenu |  Facebook |