29-11-15

Ludwig Anzengruber, Maurice Genevoix, Antanas ¦kėma, Madeleine L’Engle, Silvio Rodríguez, Andrés Bello

 

De Oostenrijkse schrijver Ludwig Anzengruber werd geboren op 29 november 1839 in Wenen. Zie ook alle tags voor Ludwig Anzengruber op dit blog.

Uit: Wie mit dem Herrgott umgegangen wird. Eine Geschichte mit einigen »Merks«

„Es ist eine arge Welt, einer macht's dem andern und der liebe Gott allen zusammen nie recht. Es ist eine hübsche Sache um die Frömmigkeit, aber wenn einer um Sonnenschein und der andere auf dem nämlichen Fleck um Regen betet, da möcht' ich wohl einen dritten zum Herrgott machen und zusehen, was der bei all seiner Allmacht anfinge, um es mit keinem von den beiden zu verderben.
Im Norden sind die Menschen etwas kühler und nehmen's nicht gleich übel, wenn er sich etwas schwerhörig stellt, aber im Süden da sind sie heißblütig und werden sehr ungehalten: da ist es denn für dort eine ganz gute Einrichtung, daß man zwischen Gott und die aufdringlichen Beter die lieben Heiligen eingeschoben hat, die nun freilich für jede unerfüllte Bitte aufkommen müssen.
Wahrhaftig, so ein Heiliger ist nicht zu beneiden und ich möcht' keiner werden; denn abgesehen davon, daß die Erreichung einer solchen hohen Stelle auf der Erde mit manchen Unannehmlichkeiten und Umständlichkeiten verknüpft ist, so muß ja einer im Himmel ganz höllisch aufpassen, daß er tagüber keine Anrufung vergißt, so daß ihm fast keine Zeit bleibt, sich der ewigen Seligkeit zu erfreuen, höchstens zur Nachtzeit, aber solche übernächtige Seligkeit verträgt sich wieder tags darauf spottschlecht mit den Berufsgeschäften, wie manche gar wohl wissen, die gerade keine Heiligen sind.
Ja, es ist eine hübsche Sache um die Frömmigkeit, wenn es nur nicht manche so weit versehen möchten, daß ihr Gebet einer Lästerung auf ein Haar gleicht. Da war einmal eine öffentliche Dirne, die hat einen jungen Menschen zu berücken gewußt, daß er eine Zeitlang zu ihr gehalten hat; nun sind ihm denn doch endlich die Augen aufgegangen und das war ein Glück für ihn, sonst wäre er ja ein verlorener Mensch gewesen, und er hat das Weibsbild verlassen. Aber die Allerweltsliebste war darüber gar sehr betrübt und was thut sie? In die Kirche geht sie und betet zur »allerreinsten Jungfrau Maria«, dieselbe möge ihr das Herz ihres Buhlen wieder zuwenden, damit die unsaubere Liebschaft ihren Fortgang haben könne. Wenn das nicht gelästert ist, dann weiß ich überhaupt nicht, was Beten heißt und sein soll.
Ueber das Stück lacht wohl keiner, dazu ist's nicht angethan und steht nur da, damit man sieht, was manche für Anliegen vor die Heiligen bringen, denn es ist eine wahrhaftige Thatsache und nicht erfunden. Was aber den Heiligen in Welschland begegnen kann, das will auch erzählt werden und darüber könnten sie selber lachen, falls sie es im Himmel nicht verlernt haben.“

 

 
Ludwig Anzengruber (29 november 1839 – 10 december 1889)
Gedenksteen in Wenen (detail)

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