02-04-17

Thomas Glavinic, Jay Parini, Ed Dorn, Émile Zola, György Konrád, Anneke Claus, Anne Waldman

 

De Oostenrijkse schrijver Thomas Glavinic werd geboren op 2 april 1972 in Graz. Zie ook alle tags voor Thomas Glavinic op dit blog.

Uit:Unterwegs im Namen des Herrn

“In Leibnitz, etwa zwanzig Kilometer vor der slowenischen Grenze, steigen weitere Pilger zu, und damit sind wir vollständig. Der Reiseleiter nimmt sich wieder das Mikrophon.
»Ich werde jetzt die Pilgerpässe und eine Botschaft der Gospa verteilen. Ich sag die Namen, der Besitzer meldet sich, dann bring ich ihm die Sachen. Die Pilgerpässe hängts euch bitte um, damit man den Namen sieht. Vorher noch eine Kleinigkeit: Während der Pilgerreise wollen wir uns als Brüder und Schwestern im Glauben begegnen und uns duzen. Und dann muss in Slowenien Rosenkranz gebetet werden, da brauchen wir einen Vorbeter oder eine Vorbeterin. Könnts euch schon überlegen, wer von euch will.«
Wir wollen was? Rosenkranz? Vorbeter? Botschaft von wem? Ich schaue zu Ingo zurück, der nickt nur, und unter seinem Auge zuckt es.
Ich denke darüber nach, dass der Reiseleiter nie von be ten spricht, er sagt immer »betten«. »Vorbetten«. »Vorbetter«. »Es muss Rosenkranz gebettet werden.« Das gefällt mir sehr.
Lange dauert es nicht, da höre ich meinen Namen. Der Reiseleiter schaut über mich hinweg, als er mir den Pilgerpass und einen losen Zettel reicht.
Der Pilgerpass ist eine Art Visitenkarte, an die eine Schnur befestigt ist. Neben einem Bild der Jungfrau Maria steht mein Name. Auf dem Zettel ist links das Logo des Reisebüros, rechts ebenfalls das Bild der Jungfrau zu sehen, und über dem Bild der Muttergottes findet man kleingedruckt die genaue Anschrift des Reisebüros. Unter der Überschrift »Botschaft der Königin des Friedens in Medjugorje« steht:
Lieber Thomas,
Von neuem rufe ich dich auf, mir mit Freude zu folgen. Ich möchte euch alle zu meinem Sohn und eurem Erlöser führen. Bist du dir nicht bewusst, dass du ohne Ihn weder Freude noch Frieden und keine Zukunft, sowie kein ewiges Leben hast. Deshalb, mein lieber Thomas, nutze diese Zeit des frohen Gebetes und der Hingabe.“

 

 
Thomas Glavinic (Graz, 2 april 1972)

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02-04-16

Thomas Glavinic, Ed Dorn, Émile Zola, György Konrád, Anneke Claus, Anne Waldman, Casanova, Hans Christian Andersen, Roberto Arlt

 

De Oostenrijkse schrijver Thomas Glavinic werd geboren op 2 april 1972 in Graz. Zie ook alle tags voor Thomas Glavinic op dit blog.

Uit: Der Jonas-Komplex

„Wer wir sind, wissen wir nicht. Beim letzten Durchzählen kam ich  auf mindestens drei Personen, die jeder von uns ist. Erstens die, die  er ist, zweitens die, die er zu sein glaubt, und drittens die, für die ihn die anderen halten sollen.
Als ich aufwache, geht es mir so elend, dass ich mit keinem der drei etwas zu tun haben will.
Ich bin zu Hause. Im Fernseher läuft das Neujahrskonzert. Ohne Ton. An der Wand hat sich jemand Notizen gemacht. Überall im Zimmer liegt Geschenkpapier. Neben mir liegt eine Frau. Ich kenne sie. Sie heißt Ina. Ich frage mich bloß, was sie da macht. Immerhin hebt und senkt sich ihr Brustkorb.
Ich versuche mich an den Sex zu erinnern. In meinem Gehirn, oder was ich dafür halte, finde ich keine Bilder davon. Vielleicht besser so.
Ich erlaube mir eine kurze Zimmerinspektion. Dem Zustand meiner Kleidung nach hatte ich eine verlustreiche Auseinandersetzung mit einem Autobus. Die Konföderiertenflagge in der Vase mit der undefinierbaren Flüssigkeit verbreitet eine gewisse Revolutionsstimmung, die mir unlieb ist. Aus den Notizen an der Wand werde ich erst recht nicht schlau, es geht um irgendeinen Bären und einen Peter. Die Schrift erinnert mich an meine.
Mir ist dieses Jahr schon jetzt nicht ganz geheuer.
Als ich meinen Körper nach Anzeichen von Gewalt absuchen will, läutet es an der Tür. Eine Sekunde Pause, dann wird wieder geläutet. Und das dritte Läuten hört gar nicht mehr auf. Es hört einfach nicht mehr auf. Es läutet. Es läutet. Es läutet. Es läutet. Es läutet. Es läutet.“

 

 
Thomas Glavinic (Graz, 2 april 1972)

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02-04-15

Thomas Glavinic, Émile Zola, György Konrád, Anneke Claus, Anne Waldman, Casanova, Hans Christian Andersen, Roberto Arlt

 

De Oostenrijkse schrijver Thomas Glavinic werd geboren op 2 april 1972 in Graz. Zie ook alle tags voor Thomas Glavinic op dit blog.

Uit: Das größere Wunder

“Für Jonas hatte jede Zeit ihren eigenen Geruch, so wie sie auch eine eigene Stimmung und einige charakteristische Bilder hatte. Die Zeit, als er sieben oder acht war und lernte, dass das Leben nicht einfach sein würde, roch nach dem starken Filterkaffee seiner Mutter.
Es war jene Zeit, in der er unglücklich war, wenn er in der Schule sitzen musste, weil er dann nicht auf seinen Bruder aufpassen konnte. Mike besuchte den Kindergarten, obwohl er gleich alt war wie Jonas, auf den Tag genau. Bei seiner Geburt war etwas schiefgegangen, die Nabelschnur hatte sich um seinen Hals gewickelt und ihm zu lange die Luft abgesperrt, und nun konnte er weder bis drei zählen noch einen Hund von einer Katze unterscheiden.
Es gab niemanden auf der Welt, den Jonas so sehr liebte, nicht einmal Werner. Er dachte Tag und Nacht daran, wie er Mike beistehen konnte, wie er ihn vor den Hänseleien anderer Kinder und vor der Wut seiner Mutter schützen konnte, der Wut seiner Mutter und der ihrer Freunde, die nichts übrig hatten für ein Kind, das dauernd in die Hose machte, mit dem Essen herumwarf und Haushaltsgeräte kaputtschlug. Und so kam Jonas jeden Morgen zu seiner Mutter in die Küche, wo es nach Kaffee roch, im Radio Volksmusik gespielt wurde und überall leere und halbleere Rotweinflaschen herumstanden.
»Mutti, ich habe gestern ein Glas aus dem Schrank genommen.«
»Na und? Stell’s wieder zurück.«
»Das kann ich nicht.«
»Wieso nicht? Hast du es zerbrochen?«
»Es ist mir runtergefallen. Tut mir leid.«
»Du bist ein Idiot, weißt du das? Das wirst du von deinem Taschengeld bezahlen.«

 

 
Thomas Glavinic (Graz, 2 april 1972)

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02-04-14

Thomas Glavinic, Émile Zola, György Konrád, Anneke Claus, Anne Waldman, Casanova, Hans Christian Andersen, Roberto Arlt

 

De Oostenrijkse schrijver Thomas Glavinic werd geboren op 2 april 1972 in Graz. Zie ook alle tags voor Thomas Glavinic op dit blog.

Uit: Das Leben der Wünsche

„Jonas spiegelte sich in seiner Sonnenbrille.
Geld? fragte Jonas.
Der Mann nahm die Brille ab, begann an einem Bügel zu nagen und sah Jonas dabei unverwandt an. Seine Augen waren wasserblau, seine Miene war ausdruckslos. Er schien zu überlegen, wie er das Gespräch eröffnen sollte. Nach einer Minute, in der er Jonas betrachtet hatte, setzte er sich mit einem Ruck zurecht und schob sich die Brille wieder auf die Nase.
Jonas, ich erfülle Ihnen drei Wünsche.
Wie wäre es damit: Sie vergessen, was Sie wissen, lassen mich gehen und erschrecken mich nie wieder?
Ich meine es ernst. Drei Wünsche.
Hören Sie auf. Was wollen Sie?
Ich will Ihnen drei Wünsche erfüllen.
Ich kann mich täuschen, aber ich glaube, im Märchen verströmt die Fee nie so einen Biergeruch.
Ich bin keine Fee, und das hier ist kein Märchen. Ich erfülle Ihnen drei Wünsche. Nennen Sie sie!
Sie meinen das wirklich ernst?
Vollkommen.
Ach du je. Lassen Sie mich mal überlegen.
Nur zu.
Der Mann sah mit ausladender Geste auf die Uhr und verschränkte die Hände im Nacken. Er wirkte teilnahmslos. Die Kinder, die auf der Wiese Frisbee spielten, schienen ihn ebenso wenig zu interessieren wie der ungeschickte Jongleur gegenüber oder die grölenden Betrunkenen an der Wurstbude am Ende des Parks. Jonas wartete, aber der Mann sagte nichts.
Im Brunnen hinter ihnen plätscherte Wasser. Die Sonne brannte Jonas auf den Rücken, sein Hemd hatte er längst durchgeschwitzt. Sollte er einfach weggehen? Was der Mann da erzählte, war verrückt. Er sah allerdings nicht wie ein Verrückter aus. Und er wusste von Marie.“

 

 
Thomas Glavinic (Graz, 2 april 1972)

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02-04-13

Thomas Glavinic, Émile Zola, György Konrád, Anneke Claus, Anne Waldman, Casanova

 

De Oostenrijkse schrijver Thomas Glavinic werd geboren op 2 april 1972 in Graz. Zie ook alle tags voor Thomas Glavinic op dit blog.

 

Uit: Wie man leben soll

 

“Man liegt unbequem da. Wagt nicht, den steifgewordenen Arm unter dem Körper wegzuziehen. Man befürchtet, diese Bewegung könnte Claudia so verschrecken, daß sie sich die Sache noch einmal überlegt und Hals über Kopf zur Tür hinausstürzt. Doch das Risiko ist es wert. So bewegt man die Lippen auf jene des Mädchens zu. Dabei achtet man darauf, nicht zu hastig vorzugehen. Wenn endlich Mund auf Mund trifft, staunt man über den Eindruck, den diese Intimität erzeugt.

Vorsichtig schiebt man die Zunge in Claudias Mund, ohne sich vom Klopfen seines Herzens irritieren zu lassen. Man bemüht sich, daß es zu keiner Kollision der Gebisse kommt. In ›Das erste Mal‹ hat man gelesen, solches sei der Romantik des Moments abträglich und nur durch Lachen zu kompensieren. Das aber setzt ein gewisses Maß an bereits vorhandener Harmonie voraus. Und so lange ist man ja nicht zusammen. Drei Wochen, was ist das schon.

Beflissen vermeidet man ferner, der Geliebten in den Mund zu speicheln. Jedenfalls in übertriebenem Ausmaß. Ein wenig Speichel bringt Vertrautheit, doch dosis venenum facit.

Die Küsse sind lang und innig.

In regelmäßigen Abständen donnert Mutter mit ihrem Gipsarm, den sie einem Alkoholexzeß verdankt, gegen die versperrte Tür, um den Kindern keine Zeit für eine Schwängerung zu lassen. Vor Claudias Ankunft hat sie allen Ernstes behauptet, sie selbst müsse in diesem Fall für die Alimente aufkommen, da man noch unmündig sei, und daher solle man, wie sie sich ausdrückte, den Hengst im Stall lassen.

Man reagiert nicht. In Claudias Beisein will man der eigenen Mutter unterkühlt-lässig begegnen. Dies wird der Freundin das Gefühl vermitteln, einen reifen Partner gewählt zu haben, der sich wohltuend von den kreidewerfenden, kraftmeiernden und Allotria treibenden Kindsköpfen in ihrer Klasse unterscheidet.”

 

 

Thomas Glavinic (Graz, 2 april 1972)

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02-04-12

Anneke Claus

 

De Nederlandse dichteres en schrijfster Anneke Claus werd geboren op 2 april 1979 in Doetinchem. Zie ook mijn blog van 19 juni 2011.

 

 

Vooraf & Daarna

 

de eerste kus

met liefde weinig
tot niets van doen

kreeg ik van 'la fleur'
frans voor 'de bloem'

die zulks genoemd
om zijn geloken oogopslag

maar vooral ook

omdat hij nauwelijks
tot niet sprak

en bij de minste aanraking
zijn kelk geschrokken sloot.

de eerste keer

ging ik voortvarender te werk
het was de dag voor ik volwassen werd

de hoogste tijd, vond ik
om één en ander te verliezen

ik klopte dus bij iemand aan
en miste, 'oeps', de late bus

hij was vereerd en riep: wat romantisch
dan laat ik straks de lakens aan de buren zien.

de eerste keer niet
zal met jou zijn

we zijn moe

om niet te zeggen uitgeput

ik schik me in je greep
en ben vertrokken.

 

 

 

Anneke Claus (Doetinchem, 2 april 1979)

18:34 Gepost door Romenu in Literatuur | Permalink | Commentaren (0) | Tags: anneke claus, romenu |  Facebook |

19-06-11

Friedrich Huch, Gustav Schwab, Claudia Gabler, Anneke Claus, Christian Teissl

 

De Duitse dichter en schrijver Friedrich Huch werd geboren op 19 juni 1873 in Braunschweig. Zie ook mijn blog van 19 juni 2007 en ook mijn blog van 19 juni 2009.

 

Uit: Enzio

 

„Es war ein weites, bequem eingerichtetes Gemach, das noch soeben von zwei Stimmen erfüllt gewesen war, die lebhaft, hoffnungsvoll und heiter redeten, befreit von einem schweren Druck. Eine verstaubte Flasche alten Weines stand auf dem Flügel, der schräg die Mitte des Zimmers beherrschte, neben ihr zwei halbgeleerte Gläser, undeutlich beleuchtet von einer elektrischen Stehlampe mit grünem Seidenschirm. Ihr Schein fiel voll auf eine Partitur, deren Zeichen vielfach durchstrichen, verbessert und noch nicht vollendet waren. An den Wänden hingen sehr große Lorbeerkränze mit goldbedruckten roten Bändern.

Jetzt öffnete sich die Tür wieder, und der Kapellmeister trat herein. Er stieß einen langen Seufzer der Erleichterung aus und ließ sich in einen Sessel fallen, wie jemand, der nach langem Kranksein, nach schließlicher Operation endlich aus dem Hospital entlassen, sich auf diesen Augenblick mit einem abschließenden: Gott sei Dank schon tagelang gefreut hat.

Alles glücklich überstanden! murmelte er für sich, alles am Ende noch gut abgelaufen, aber es hat meine Nerven doch sehr heruntergebracht. – Er starrte in einen Winkel, fühlte eine leise Übelkeit, der sich sogleich der Wunsch anreihte, sich zu stärken, und sah verlangend nach der Weinflasche. Aber sollte er schon wieder aufstehen von seinem schönen weichen Sitze? Nach kurzem Schwanken erhob er sich, trat langsam zum Flügel, sah die beiden Gläser an und wußte nun nicht mehr, welches sein eigenes und welches das Glas des Arztes gewesen sei. Mit leidendem Gesicht füllte er sie beide, trank das eine aus und stellte das andere vor sich auf die Flügelplatte, auf der er dann selber mit beiden Ellenbogen für seinen Kopf einen Stützpunkt fand.“

 

 


Friedrich Huch (19 juni 1873 – 12 mei 1913)

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