21-05-17

Gabriele Wohmann, Amy Waldman, Maria Semple, Urs Widmer, Emile Verhaeren, Robert Creeley, Alexander Pope, Tudor Arghezi, Suzanne Lilar

 

De Duitse schrijfster Gabriele Wohmann werd op 21 mei 1932 in Darmstadt geboren als Gabriele Guyot. Zie ook alle tags voor Gabriele Wohmann op dit blog.

Uit: Wachsfiguren

„- Ach so, Hase geht auch mit, sagte Lilia mit fallendem Ton.
- Natürlich geht das Häschen mit, rief Tante Else.
Hase stand in seiner gewohnten Abwehrhaltung mit so weit wie möglich weggedrehtem Gesicht. Er spürte Wärme, plötzlich dicht: Tante Else hatte sich neben ihn gekauert, ihre Arme waren zu eifrig.
- Heute geht es mit, nicht wahr, das Häschen, sagte Tante Else.
Es tat Hase leid um Lilia: sie hatte das neue Kleid an mit den roten und schwarzen Sprit­zern und sah so erwachsen aus. Sie konnte ihn nicht gebrauchen. Er sagte nichts, die Lippen ließen sich nicht bewegen, aber es tat ihm leid. Das wäre nicht der Sonntag, den sie mit diesem Kleid haben könnte.
Onkel Willi kam aus der Küche ins Vorzimmer und ließ die Tür offen, und der heiße Waschgeruch strömte herein. Onkel Willi roch festlich nach den Blumen und Kräutern seiner Rasierpaste. Sein speckiges Gesicht war nicht hart wie an Werktagen, sondern vom heißen Wasser aufgequollen und rot.
- Was macht der Hase für ein böses Gesicht, sagte er mit seiner Sonntagsstimme. Was macht er fürn böses Gesicht, wenn er mitgehn darf, he?
Hase gab sich Mühe, zu lächeln, aber das tat immer noch ein bißchen weh, fast zwei Jahre nach der Operation, die Oberlippe hatte nicht genug Platz, oder was war es sonst, auf jeden Fall fühlte er sich nicht wohl, wenn er lächeln mußte.
- Macht er ein böses Gesicht? rief Tante Else. Macht er denn eins?
- Na klar, sagte Onkel Willi, ich kann's nicht verstehn an so einem Tag, wo wir ihn mit­nehmen.
Hase spürte, daß er jetzt etwas unternehmen mußte - nie war ein Frieden stabil genug. Er stieß eine Folge bettelnder Laute aus, hob die Hände, zwang sich, den Kopf ganz ihnen allen zuzukehren, das Gesicht zu heben, zu zeigen. Böses Gesicht. Lächeln, schlimmer als Schmerz, Unbehagen wie Krankheit. Kleines schreckliches Gesicht, schartig verzerrt und riesig rot geflügelt von den Ohrschalen. Es tat ihm leid für Lilia, auch ein bißchen für Tante Else, und sogar für Onkel Willi, weil er so weich und sonn­täglich gestimmt war.
- Na laßt uns doch gehn, sagte Tante Else. Undankbare Kinder verdienen ja gar nicht, daß man sich so mit ihnen anstellt.
Es tat ihm leid um Lilias Kleid, weil alle Aufmerksamkeit unterwegs, im Omnibus und in der Vorhalle an der Kasse, wie immer auf ihn gezogen war. Häschen mit der Häschen­scharte, Mäuschen mit den Fledermäuschenohren. Es tat ihm so leid für Lilia. Wie hieß er eigentlich wirklich? Hatte er einen Namen? Wie die andern: Willi, Else, Lilia. Kein Gesicht, keinen Namen. Er lief hinter den ändern her mit gesenktem Kopf, fühlte sich schläfrig vor Kummer“.

 

 
Gabriele Wohmann (21 mei 1932 – 22 juni 2015)
In 1969

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21-05-16

Amy Waldman

 

De Amerikaanse schrijfster en journaliste Amy Waldman werd geboren op 21 mei 1969 in Los Angeles. Waldman studeerde aan de Yale University en werkte daarna acht jaar voor de New York Times. Aanvankelijk werkte ze als verslaggever voor de New York stadsdelen Brooklyn en Bronx en de wijk Harlem. Verder schreef zij over de impact van de terreur aanslagen van 11 september 2001. Daarna bracht ze drie jaar door op de kantoren van de krant in New Delhi in India. Na haar terugkeer naar de VS was Waldman onder meer correspondent van het tijdschrift The Atlantic. Ze was een Fellow van het Radcliffe Institute of Advanced Study aan de Harvard University in Cambridge (Massachusetts) en in 2010 Fellow van de American Academy in Berlijn. Waldmans eerste roman “The Submission” gaat over de nasleep van 11 september 2001 en beschrijft de reacties nadat een moslim architect via een anonieme inschrijving een competitie voor een monument op Ground Zero won . Het boek verscheen in 2011 in het Engels en werd in hetzelfde jaar meerdere malen bekroond.

Uit: The Submission

"The names," Claire said. "What about the names?"
"They're a record, not a gesture," the sculptor replied. Ariana's words brought nods from the other artists, the critic, and the two purveyors of public art arrayed along the dining table, united beneath her sway. She was the jury's most famous figure, its dominant personality, Claire's biggest problem.
Ariana had seated herself at the head of the table, as if she were presiding. For the previous four months they had deliberated at a table that had no head, being round. It was in an office suite high above the gouged earth, and there the other jurors had deferred to the widow's desire to sit with her back to the window, so that the charnel ground below was only a gray blur when Claire walked to her chair. But tonight the jury was gathered, for its last arguments, at Gracie Mansion's long table. Ariana, without consultation or, it appeared, compunction, had taken pride of place, giving notice of her intent to prevail.
"The names of the dead are expected; required, in fact, by the competition rules," she continued. For such a scouring woman, her voice was honeyed. "In the right memorial, the names won't be the source of the emotion."
"They will for me," Claire said tightly, taking some satisfaction in the downcast eyes and guilty looks along the table. They'd all lost, of course--lost the sense that their nation was invulnerable; lost their city's most recognizable icons; maybe lost friends or acquaintances. But only she had lost her husband.
She wasn't above reminding them of that tonight, when they would at last settle on the memorial. They had winnowed five thousand entries, all anonymous, down to two. The final pruning should have beeneasy. But after three hours of talk, two rounds of voting, and too much wine from the mayor's private reserve, the conversation had turned ragged, snappish, repetitive. The Garden was too beautiful, Ariana and the other artists kept saying of Claire's choice. They saw for a living, yet when it came to the Garden they wouldn't see what she saw.”

 

 
Amy Waldman (Los Angeles, 21 mei 1969)

08:25 Gepost door Romenu in Literatuur | Permalink | Commentaren (0) | Tags: amy waldman, romenu |  Facebook |