07-05-17

Horst Bienek, Joseph Joubert, Stanisław Przybyszewski, Karl Gustav Vollmõller, A. E. W. Mason, Therese Huber, Dorit Zinn, Angela Carter, André du Bouchet

 

De Duitse dichter en schrijver Horst Bienek werd geboren op 7 mei 1930 in Gleiwitz. Zie ook alle tags voor Horst Bienek op dit blog.

 

Berlin, Chausseestrasse 125

Man muß die Schuhe abstreifen,
noch einmal, bevor man eintreten darf.
Der strenge Blick der Aufseherin,
die auch in Bautzen
Dienst tun könnte. Wer fünf Minuten
später kommt, wird nicht mehr eingelassen.
Überhaupt, nur Gruppenführungen. Im Kollektiv.

Dann: die Räume,
aus denen die Zeit entflohen ist. Hier
also hat er gelebt. Hier also
soll er geschrieben haben. Briefe.
Die Bearbeitung des Coriolan. Nichts
Neues mehr. Die Elegien in Buckow, draußen,
unter Sandkiefern.
Dämmerlicht, von einem Raum zum andern,
− Wo er doch die Klarheit liebte
Der wuchtige Schreibtisch, leer,
kahl, abweisend. Das Holz ist das einzige,
was hier noch atmet.

Leben des Galilei schrieb er auf den Knien
in engen, stickigen Hotelzimmern .

Früher ging der Blick auf den
Dorotheenstädtischen Friedhof. Hegels Grab.
Fichtes Gedenkstein. Früher.
Jetzt verwehrt das eine dicke graue Gardine.
Aus konservatorischen Gründen, sagt die
Aufseherin. Aus was?

Nichts erinnert an ihn. Nicht einmal
die amerikanischen Krimis, oben im Regal,
die er gelesen haben soll.
Nur im Schlafzimmer seine Mütze, die schwarze,
verschwitzte, am Haken, hinter der Tür,
beweist, daß er einmal hier gewesen ist.

 

 
Horst Bienek (7 mei 1930 – 7 december 1990)

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07-05-11

Stanisław Przybyszewski, Karl Gustav Vollmõller, A. E. W. Mason, Therese Huber, Dorit Zinn, Angela Carter, André du Bouchet

 

De Poolse dichter en schrijver Stanisław Przybyszewski werd geboren op 7 mei 1868 in Łojewo. Zie ook mijn blog van 7 mei 2007en ook mijn blog van 7 mei 2008 en ook mijn blog van 7 mei 2009 en ook mijn blog van 7 mei 2010.

 

Uit: De Profundis

 

„In ein paar Wochen gedenk' ich ein Buch herauszugeben: »De profundis«, dem ich jetzt schon einige Begleitworte an Stelle der Vorrede vorausschicke.

Ich möchte das Buch nur in wenigen Händen wissen – es ist kein Buch für das Volk – und diesen Zweck glaub' ich dadurch zu erreichen, daß ich es nur in einer sehr beschränkten Anzahl von Exemplaren drucken lasse.

Ich habe in diesem Buche das Gebiet des sogenannten »normalen Denkens«, also das Gebiet des »logischen Gehirnlebens«, des Lebens in der »Realität« (!) gänzlich verlassen. Alle, die sich auch nur ein wenig mit dem Seelenleben beschäftigt haben, wissen, was das »freisinnige Bürgertum« unter dem normalen Denken versteht: Alles, was über die Begriffssphäre des ehrbaren Müller und Schulze hinausgeht, ist natürlich verrückt. Selbstverständlich ist für diese Menschen Goethe der Maßstab des »normalen« Empfindens, wobei natürlich übersehen wird, daß er in seinen Epigrammen Proben von einer schon ganz schön vorgerückten sexuellen Perversität abgegeben hat.

Nun ja: dies ehrbare Gehirnleben, dies uniforme Gehirnleben, dessen Denkgesetze sowohl für den niedrigsten Bildungsplebejer von der Sorte Max Nordau wie für den entwickeltsten und scharfsinnigsten Gehirnaristokraten von der Art Nietzsche im gleichen Maße gelten, fängt an, furchtbar langweilig zu werden. Das hat auch Nietzsche eingesehen, und so schrieb er sein »verrücktes« Buch, d. h. sein seelischestes Buch: »Also sprach Zarathustra« ...

In »De profundis« handelt es sich um die Manifestation des reinen Seelenlebens, der nackten Individualität, des Zustandes der somnambulen Ekstase, oder wie die zahllosen Worte auch heißen mögen, die eine und dieselbe Tatsache ausdrücken, die Tatsache nämlich, daß es noch etwas Anderes gebe außer dem dummen Gehirn, ein au delà vom Gehirn, eine unbekannte Macht mit seltsamen Fähigkeiten begabt, nämlich: die Seele – die Seele, die Ekel empfand, in der fortwährenden Berührung mit der lächerlichen Banalität des Lebens zu stehen und sich das Gehirn geschaffen hatte, um sich nicht jeden Tag prostituieren zu müssen ...“

 

 

 

Stanisław Przybyszewski (7 mei 1868 – 23 november 1927)

Dagny and Stanisław Przybyszewski in 1897/1898

 

 

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