11-01-18

Katharina Hacker, Jasper Fforde, W. C. Heinz, Nikos Kavvadias, Mart Smeets, Oswald de Andrade, Eduardo Mendoza, Diana Gabaldon, Slavko Janevski

 

De Duitse dichteres en schrijfster Katharina Hacker werd geboren op 11 januari 1967 in Frankfurt am Main. Zie ook alle tags voor Katharina Hacker op dit blog.

Uit:Die Erdbeeren von Antons Mutter

„Sie war so unglücklich, sagte Anton. Sie kennen doch meine Mutter. Immer gefaßt. Aber diesmal hat sie geweint am Telefon, weil sie vergessen hat, die Erdbeeren zu pflanzen.
Und was wollen Sie ihr weismachen? Daß es nicht zu spät ist. Daß sie es nicht vergessen hat.
Ob es richtig war, mit einer Lüge jemanden zu trösten oder glücklich machen zu wollen? Er würde seiner Mutter vorschlagen, in den Garten zu gehen, um nach den Erdbeeren zu schauen. Ihre Angst spürte er, eine Unruhe, die sich verbarg, immer wieder aufbrach, mit einem erschrockenen Reflex.
Er hatte sich zu Bett gelegt, als sie in sein Zimmer kam.
Anton?
Er sah im unregelmäßigen Licht der Straßenlaterne, die, von einer Weide halb verdeckt, vor dem Fenster stand, ihr Gesicht. Es sah männlich aus. Grobe, obenhin zusammengesetzte Flächen, scharf voneinander abgesetzt, nur die Augenpartie war verschwollen.
Mein Kind, sagte sie. Er kam sich groß vor. Da er schnell gewachsen war (mit dreizehn war er schon einen Meter achtzig groß), hatten seine Eltern ihm zum zwölften Geburtstag ein Erwachsenen-Bett geschenkt, auf das er stolz gewesen war.
Das erste Jahr, bis zu seinem dreizehnten Geburtstag, war großartig, sein Zimmer war das Zimmer nicht eines großen Jungen, sondern eines jungen Mannes. Er hatte sich so danach gesehnt, ein junger Mann zu sein. Er war ein guter Sportler, ein Schwimmer und Basketballspieler, von seiner Schwester verehrt. Von ihren Mitschülerinnen, zwei Jahre jünger als er, verehrt. Sein Haar war hell, im Nacken und an den Schläfen gelockt. Wenn er Fotos von damals sah, staunte er selbst, was für ein hübscher Junge er gewesen war.
Dann wurde er dick. Keiner konnte sich erklären, was geschah. Seine Mutter war verzweifelt.
Die Kleider paßten in der Länge, denn er wuchs nicht mehr so rasch, sie waren aber alle eng und bald zu eng.
Sie nahm ihn mit einkaufen, sie fuhren zusammen nach Braunschweig. Sie nahm ihn mit, während sie all die Jahre zuvor für ihn ohne weiteres ausgesucht hatte, was ihm gefiel.
Sein Bund mit der Welt war zerfallen.“

 

 
Katharina Hacker (Frankfurt am Main, 11 januari 1967)

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