10-12-17

Emily Dickinson, Karl Heinrich Waggerl, Reinhard Kaiser Mühlecker, Jorge Semprún, Gertrud Kolmarm, Jacquelyn Mitchard, Nelly Sachs, Cornelia Funke

 

De Amerikaanse dichteres Emily Dickinson werd geboren op 10 december 1830 in Amherst, Massachusetts. Zie ook alle tags voor Emily Dickinson op dit blog.

 

On the Paradox of Advent

The Infinite a sudden Guest
Has been assumed to be —
But how can that stupendous come
Which never went away?

 

 

The Savior must have been

The Savior must have been
A docile Gentleman—
To come so far so cold a Day
For little Fellowmen—

The Road to Bethlehem
Since He and I were Boys
Was leveled, but for that 'twould be
A rugged Billion Miles—

 

 

Heaven is so far of the Mind

Heaven is so far of the Mind
That were the Mind dissolved -
The Site - of it - by Architect
Could not again be proved -

‘Tis vast - as our Capacity -
As fair - as our idea -
To Him of adequate desire
No further ’tis, than Here -


 
Emily Dickinson (10 december 1830 – 15 mei 1886)
De UMASS-campus in Amherst


 

De Oostenrijkse schrijver Karl Heinrich Waggerl werd geboren op 10 december 1897 in Bad Gastein. Zie ook alle tags voor Karl Heinrich Waggerl op dit blog.

Uit: Die stillste Zeit im Jahr 

"Am Abend nach dem Essen wurde der Schmuck für den Christbaum erzeugt. Auch das war ein unheilschwangeres Geschäft. Damals konnte man noch ein Buch echten Blattgoldes für ein paar Kreuzer beim Krämer kaufen. Aber nun galt es, Nüsse in Leimwasser zu tauchen und ein hauchdünnes Goldhäutchen herumzublasen. Das Schwierige bei der Sache war, daß man sonst nirgendwo Luft von sich geben durfte. Wir saßen alle in der Runde und liefen blaurot an vor Atemnot, und dann geschah es eben doch, daß plötzlich jemand niesen mußte. Im gleichen Augenblick segelte eine Wolke von glänzenden Schmetterlingen durch die Stube. Einerlei, wer den Zauber verschuldet hatte, das Kopfstück bekam jedenfalls wieder ich, obwohl das nur bewirkte, daß sich der goldene Unsegen von neuem in die Lüfte hob. Ich wurde dann in die Schlafkammer verbannt und mußte Silberpapier um Lebkuchen wickeln, — um gezählte Lebkuchen.
Heutzutage weiß man nicht mehr viel von alten Weihnachtsbräuchen, wie etwa das Anglöckeln einer war. Ich wüßte nicht zu sagen, was für ein tieferer Sinn in dieser Sitte liegen könnte, vielleicht steckt wirklich noch ein Rest von Magie aus der Heidenzeit dahinter, wie manche Gelehrten meinen. Meine Mutter jedenfalls hielt dafür, daß es ein frommer Brauch sei, und deshalb durfte auch ich mit meiner Schwester und dem Nachbarbuben auf die Reise gehen. Was dazu an Verkleidung nötig war, besorgte der Vater mit einer unerschöpflichen Phantasie. Unter seinen Händen verwandelten wir uns in seltsame Zwitterwesen, halb Engel, halb Gespenst. Aber uns machte es weiter kein Kopfzerbrechen, wen wir eigentlich darstellen sollten, die Heiligen Drei Könige oder bloß etliche von den vierzig Räubern. Das Wichtigste an der ganzen Ausrüstung war jedenfalls ein geräumiger Sack. Mit dem zogen wir abends von Tür zu Tür und sangen, was uns gerade einfiel, Heiliges und Unheiliges durcheinander. Manchmal kam gleich ein ungehobelter Hund dazwischen, der uns an die Beine fuhr, statt andächtig zuzuhören, aber gewöhnlich konnten wir mit dem Erfolg zufrieden sein, aus Gründen freilich, die ich damals nicht richtig einschätzte."

 

 
Karl Heinrich Waggerl (10 december 1897 – 4 november 1973)
Cover

 

 

De Oostenrijkse schrijver Reinhard Kaiser Mühlecker werd geboren op 10 december 1982 in Kirchdorf an der Krems. Zie ook alle tags voor Reinhard Kaiser Mühlecker op dit blog.

Uit:Roter Flieder

“Wie der rennt«, sagte die Wirtin vor sich hin und drehte langsam den Kopf. Ihr Blickwar aus dem Fenster gerichtet. Keiner der paar vereinzelt stumm Herumhockenden reagierte darauf, niemand achtete darauf, jeder war in seinen eigenen ewigen zwei, drei Gedanken versunken. Aber es fiel derWirtin nicht auf, dass niemand ihr zuhörte, denn sie redete auch gar nicht mit jemandem – bloß mit sich selbst. Jetzt verschwand er hinter der Mauer und tauchte einen Moment später im anderen Fenster wieder auf: ein wehender dunkler Fleck. Er kam näher, lief an den wie mit Gewalt violett blühenden Fliederbüschen vorbei, die den Weg zum Gasthaus an einer Seite säumten. Sie blühten erst seit wenigen Tagen. Sogar die Luft schien violett, und das Gesicht des Burschen, wie die Wirtin über den längst über Zwanzigjährigen dachte, seine weißen Hände, seine dunkle, an allen Enden zu kurze Kleidung ebenso.
Seit Krieg war, herrschte über die Wirtin der Zweifel. Er herrschte wie eine fremde, unbegreifliche Macht. Nie hatte sie zur Nachdenklichkeit geneigt – jetzt war sie nachdenklich, außerdem war sie langsamer geworden; das hing zusammen.
Unter den Füßen des Burschen staubte der Schotter auf und hielt sich in der Luft wie gelber Nebel.
Ja, sie war nachdenklich. Und in diesem Moment, heimgesucht von unzähligen, unbenennbaren Erinnerungen, wurde sie zusätzlich wehmütig, und sie murmelte: »Zum Teufel, nur die Wahnsinnigen rennen mit einer solchen Entschlossenheit.«
Ihre Augen waren durch die ganze Gaststube gewandert, und ihr Blick lag nun auf der Tür und wartete. Als die Tür mit einem dumpfen Laut aufflog, sah ihn die Wirtin nicht sofort; zu sehr blendete sie das noch in der einsetzenden Dämmerung silberweiße Licht, das seit kurzem herrschte und voreilig schon jetzt, Ende April, den Sommer ankündigte. Ein Licht wie ein Versprechen, so kam es derWirtin vor, und sie fiel noch einmal tiefer in die Wehmut hinein. Sie spürte in den Eingeweiden, wie sie fiel.“

 

 
Reinhard Kaiser Mühlecker (Kirchdorf an der Krems, 10 december 1982)

 

 

De Spaanse schrijver en politicus Jorge Semprún Maura werd geboren in Madrid op 10 december 1923. Zie ook alle tags voor Jorge Semprún op dit blogen ook mijn blog van 10 december 2010.

Uit: Was für ein schöner Sonntag! (Vertaald door Johannes Piron)

„Aber wir sind nicht mehr im Herbst 1960, am übernächsten Tag, nachdem ich mit Fernand Barizon über den XX. Parteitag der KPdSU gesprochen hatte. Mit nichtssagender Miene, als wäre nichts vorgefallen, als wäre die Zeit nicht vergangen, nicht verflossen wie das Wasser eines Flusses, so stand ich da, erstarrt in einer anderen beschaulichen Unbeweglichkeit: der gleichen. Ein anderes Ich, das gleiche Ich. Ein anderes Bild, das gleiche Bild. Die gleiche Erinnerung an Josef Frank eines Sonntags in Buchenwald.
Wir sind im Jahre 1969, Anfang April.
Gestern hatte ich Jiri Zak wiedergetroffen.
Die Sonne streifte seitlich die Fensterscheiben des Zimmers, in dem wir uns befanden, aber sie kündigte noch keinen Frühling an. Jan Pallach hatte sich selbst verbrannt, und einige Tage danach sollte Alexander Dubcek von der wenigen Macht, die er noch besaß, ausgeschlossen werden. Die Normalisierung konnte beginnen: die Wiedereinführung des Richtigen Denkens, der Zwangsarbeit, der bürokratischen Korrektur. Sicherlich wußten wir, daß es in diesem Jahr noch nicht Frühling werden sollte, trotz jener schrägen Sonne, die schöne Tage anzukündigen schien.
Ich betrachtete Jiri Zak, der inzwischen weiße Haare hatte. Ich betrachtete die Frau in den Sechzigern, die ihn begleitete und die Josef Franks Witwe war.
Ich war an diesem Frühlingsanfang 1969 mit Costa Gavras nach Prag gekommen, der immer noch die Möglichkeit ins Auge faßte, L'Aveu an den Orten zu drehen, an denen sich die Ereignisse abgespielt hatten. Und dann hatte ich, da ich wußte, daß ich nie mehr nach Prag zurückkehren wurde, all die Lieblingsorte meiner Erinnerung an Prag ausgiebig besucht. Morgen wollte ich, kurz bevor ich wieder abflog, zur Nationalgalerie gehen, um ein letztes Mal jenes Bild von Renoir zu betrachten, mit dem mein Leben eng verbunden war.
Aber ich betrachtete Jiri Zak und Josef Franks Witwe. Da habe ich in der Stille, die sich auf uns senkte, so wie die Nacht sich senkt, so wie man die Arme senkt, in jener Stille, nachdem wir nochmals Erinnerungen heraufbeschworen, Fotos ausgetauscht hatten, plötzlich ganz scharf jenes Bild in meinem Gedächtnis wiedergefunden:“

 

 
Jorge Semprún (10 december 1923 - 7 juni 2011)

 

 

De Duitse dichteres en schrijfster Gertrud Kolmar (pseudoniem van Gertrud Käthe Chodziesner) werd op 10 december 1894 in Berlijn geboren. Zie ook alle tags voor Gertrud Kolmar op dit blog.

 

Wintermorgen

Neig' dich wieder, neig' dich nieder,
Glühendes Gesicht!
Gern erwachen meine Glieder,
Meine Seele nicht.
Ihre Blicke, ihre Küsse
Herzen deinen Traum,
Fallen flimmernd, Silbernüsse,
Ihm vom Sternenbaum.

Sieh! Ich bin der dunkle Quader,
Der vor Schätzen birst;
Du - o meine gold'ne Ader,
Wenn du mich durchirrst!
Wird einst Wahrheit in mich steigen
Mit dem Bergmannslicht?
Woll' dich neigen, froh im Schweigen,
Glühendes Gesicht.

Immer muß ich dich betrachten,
Der mein Tagwerk führt!
Kann ich noch des Windes achten,
Der das Kleid mir rührt?
Schellenrasselnd naht ein Schlitten;
Fordert mich der Schwall?
Seine Fragen, seine Bitten
Finden keinen Hall.

Denn um mich ist Luft gewoben,
Luft aus Schneearom,
Flocken zittern nach von droben,
Weißer, warmer Strom.
Fremde Brunst und Kunst und Schlingen
Sinken hier ins Grab,
Wehn mit starren Schmetterlingen
Lautlos von mir ab.

Grauer Wolkenvogel, schütte
Schwebend weichen Flaum,
Deck' mir meine braune Hütte,
Meinen Tannensaum.
Schwelt doch blaß durch dein Gefieder
Ferner Sonne Licht....
Neig' dich wieder, neig' dich nieder,
Glühendes Gesicht!

 

 
Gertrud Kolmar (10 december 1894 – (?) maart 1943)
Het huis in Falkensee, waar Gertrud Kolmar van 1923 tot 1939 met haar vader woonde.

 

 

De Amerikaanse schrijfster Jacquelyn Mitchard werd geboren in Chicago, Illinois, op 10 december 1951. Zie ook alle tags voor Jacquelyn Mitchard op dit blog.

Uit: Christmas, Present 

“Ironically, in just two years' time, if the Amelia of today was not talking, she was sleeping. Honoring his mother, he still sometimes called Amelia "Amy," especially when he was the one putting her into her bed.
Elliott's mother was the one who, by offhand example, had instructed him in the custom that husbands, not wives, were responsible for the construction of the wedding anniversary.
This seemed only fair.
He knew that Laura assumed a titan's share of the engineering of all the other holidays, getting up at four A.M. to wash and baste great birds -- one year jollying her brother, Stephen, late, when the girls were tiny and fuddled with sleep, into appearing at the doorway to their room in red-padded plush and white rabbit fur. Even Annie, the eldest at thirteen, still remained convinced she'd once glimpsed the real Santa.
Celebrating their anniversary was often deferred until New Year's Eve -- with school concerts, shopping, and the arrival of Laura's three siblings, Elliott's father, and sometimes his sister all crowding the week before the holiday. Her sisters and brother stayed with Miranda in the capacious Georgian brownstone she'd occupied alone since their father's death, when Laura was only three. But Laura insisted everyone squeeze into her and Elliott's tiny saltbox for a Christmas Eve feast of seafood and pasta. Laura made everything, from the pasta to the Buche de Noel, by hand, and her labors left her so drained, she could barely nibble at the elaborate annual brunch Miranda had had catered by the Palatial Palate on the following day. Elliott had a dozen photos of Laura, asleep on the couch at Christmas dinner. One year sometime soon, he often thought, he would protest; but he could not bear to interfere with the whispered traditions and sly confidences of the MacDermotts at Christmastime, when even the slightly chilly elder sister, Suzanne, and her precocious little boy seemed to loosen up ...”

 

 
Jacquelyn Mitchard (Chicago, 10 december 1951)
Cover

 

 

De Duitse dichteres en schrijfster Nelly Sachs werd op 10 december 1891 in Berlijn geboren. Zie ook alle tags voor Nelly Sachs op dit blog.

 

Hier ist Amen zu sagen

Hier ist
Amen zu sagen
diese Krönung der Worte die
ins Verborgene zieht
und
Frieden
du großes Augenlid
das alle Unruhen verschließt
mit deinem himmlischen Wimpernkranz

du leiseste aller Geburten

 

 

Land Israel

Land Israel,
deine Weite, ausgemessen einst
Von deinen, den Horizont übersteigenden Heiligen.
Deine Morgenluft besprochen von den Erstlingen Gottes,
deine Berge, deine Büsche
aufgegangen im Flammenatem
des furchtbar nahegerückten Geheimnisses.

Land Israel,
erwählte Stemenstätte
für den himmlischen Kuß!

Land Israel, nun wo dein vom Sterben angebranntes Volk
einzieht in deine Täler
und alle Echos den Erzvätersegen rufen
für die Rückkehrer,
ihnen kündend, wo im schattenlosen Licht
Elia mit dem Landmanne ging zusammen am Pfluge,
der Ysop im Garten wuchs
und schon an der Mauer des Paradieses —
wo die schmale Gasse gelaufen zwischen Hier und Dort
da, wo Er gab und nahm als Nachbar
und der Tod keines Emtewagens bedurfte.

Land Israel,
nun wo dein Volk
aus den Weltenecken verweint heimkommt
um die Psalmen Davids neu zu schreiben in deinen Sand
und das Feierabendwort Vollbracht
am Abend seiner Ernte singt —

steht vielleicht schon eine neue Ruth
in Armut ihre Lese haltend
am Scheidewege ihrer Wanderschaft.

 

 
Nelly Sachs (10 december 1891 – 12 mei 1970)
Het Nelly Sachs Park in Berlijn-Schöneberg

 

 

De Duitse schrijfster en illustratrice Cornelia Funke werd geboren in Dorsten op 10 december 1958. Zie ook alle tags voor Cornelia Funke op dit blog.

Uit:Steinernes Fleisch / Reckless

„Die Sonne stand schon tief über den Mauern der Ruine, aber Will schlief immer noch, erschöpft von den Schmerzen, die ihn seit Tagen schüttelten.
Ein Fehler, Jacob, nach all den Jahren der Vorsicht. Er richtete sich auf und deckte Will mit seinem Mantel zu.
All die Jahre, in denen er eine ganze Welt sein Eigen genannt hatte. All die Jahre, in denen aus der fremden Welt das Zuhause geworden war. Vorbei. Schon mit fünfzehn hatte Jacob sich für Wochen hinter den Spiegel gestohlen. Mit sechzehn hatte er nicht einmal mehr die Monate gezählt und trotzdem hatte er sein Geheimnis bewahrt. Bis er es einmal zu eilig gehabt hatte. Hör auf, Jacob. Es ist nicht mehr zu ändern.
Die Kratzwunden am Hals seines Bruders waren gut verheilt, aber am linken Unterarm zeigte sich schon der Stein. Die blassgrünen Adern trieben bis hinunter zur Hand und schimmerten in Wills Haut wie polierter Marmor.
Ein Fehler nur.
Jacob lehnte sich gegen eine der verrußten Säulen und blickte hinauf zu dem Turm, in dem der Spiegel stand. Er war nie hindurchgegangen, ohne sich zu vergewissern, dass Will und seine Mutter schliefen. Aber seit ihrem Tod gab es auf der anderen Seite nur noch ein leeres Zimmer mehr, und er hatte es nicht erwarten können, die Hand wieder auf das dunkle Glas zu pressen und fortzukommen. Weit fort.
Ungeduld, Jacob. Nenne es beim Namen.Eine deiner hervor-stechendsten Eigenschaften.
Er sah immer noch Wills Gesicht hinter sich im Spiegel auftauchen, verzerrt von dem dunklen Glas. »Wo willst du hin, Jacob?« Ein Nachtflug nach Boston, eine Reise nach Europa, es hatte viele Ausreden im Lauf der Jahre gegeben. Jacob war ein ebenso einfallsreicher Lügner, wie sein Vater es gewesen war. Doch diesmal hatte seine Hand sich schon auf das kühle Glas gepresst – und natürlich hatte Will es ihm nachgetan.“

 

 
Cornelia Funke (Dorsten, 10 december 1958)

 

 

Zie voor nog meer schrijvers van de 10e december ook mijn vorige blog van vandaag.

Zie voor bovenstaande schrijvers ook mijn blog van 10 december 2008 deel 1 en ook deel 2 en eveneens mijn blog van 10 december 2007 en mijn blog van 10 december 2006

 

De commentaren zijn gesloten.