12-11-17

Am vierundzwanzigsten Sonntage nach Pfingsten (Annette von Droste-Hülshoff)

 

 


De Cijnspenning door Peter Paul Rubens, ca. 1612

 

 

Am vierundzwanzigsten Sonntage nach Pfingsten
Evang.: Vom Zinsgroschen

Gebt Gott sein Recht und gebt's dem Kaiser auch!
Sein Odem ist's, der um den Obern schwebet,
Aus Hochmut nicht; in Eigenwillen hebet
Nicht eure Rechte gen den heil'gen Brauch.
Doch Gott und Welt im Streit: da, Brüder, gebet
Nicht mehr auf Kaiserwort als Dunst und Rauch.
Er ist der Oberste, dem alle Macht
Zusammen bricht, wie dürres Reisig kracht.

Den Eltern gib und gib auch Gott sein Recht!
O weh des Tiefgesunknen, dem verloren
Der frömmste Trieb, Jedwedem angeboren,
Den Freisten stempelnd zum beglückten Knecht.
Doch stell' den Wächter an der Ehrfurcht Toren
Und halte das Gewissen rein und echt;
Er ist der Vater, dem du Seel' und Leib
Verschuldest, mehr als irgend Mann und Weib.

Den Gatten lieb' und denk' an Gott dabei!
Er gab den Segen dir, als am Altare
Den Eid du sprachst, gewaltig bis zur Bahre
In Fesseln legend deine Lieb' und Treu'.
Doch wird die Liebe Torheit, o dann wahre,
O halte deine tiefsten Gluten frei!
Er ist es, dem du einer Flamme Zoll
Mußt zahlen, die kein Mensch empfangen soll.

An deine Kinder hänge nur dein Herz,
In deren Adern rollt dein eignes Leben;
Das Gottesbild, in deine Hand gegeben,
Es nicht zu lieben, wäre herber Schmerz.
Doch siehst du zwischen Glück und Schuld es schweben,
Wend' deine Augen, stoß es niederwärts;
Er, über tausend Kinder lieb und hehr,
Er sieht dir nach, ist deine Seele schwer.

Und auch dem Freunde halte Treue fest,
Mit der die Ehre innig sich verbunden,
Ein irdisch Gut, was Gnade doch gefunden,
So lang es nicht die Hand der Tugend läßt.
Doch nahen glänzender Versuchung Stunden,
Dann aller Erdenrücksicht gib den Rest
Und klammre an den Einen dich, der dann
Dir mehr als Freund und Ehre geben kann.

So biete Jedem, was sein Recht begehrt,
Und nimm von Jedem, was du darfst empfangen;
Dein Herz, es mag an zarten Banden hangen,
Die Gottes Huld so gnadenvoll gewährt;
Doch drüber wie ein Glutstern das Verlangen
Nach Einem leuchte, irdisch unversehrt,
Nach Einem, ohne den dein Herz so warm
Ewig verlassen bliebe doch und arm.

 

 
Annette von Droste-Hülshoff (10 januari 1797 – 24 mei 1848)
Burg Hüllshoff, het geboortehuis van de dichteres tijdens een tuinbeurs.

 

 

Zie voor de schrijvers van de 12e november ook mijn vorige twee blogs van vandaag.

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Daniël Dee, Lize Spit, Lucia Berlin, Frank Witzel, Johnny van Doorn, Cristina Peri Rossi, Naomi Wolf, Malcolm Guite

 

De Nederlandse dichter Daniël Dee werd geboren op 12 november 1975 in Empangeni, Zuid-Afrika. Zie ook mijn blog van 12 november 2010 en eveneens alle tags voor Daniël Dee op dit blog.

 

Dit buikje is niet van het bier...
mijn leven is een leugen en ik ben een leugenaar want het door mij geschrevene is de waarheid niet

dit buikje is niet van het bier maar van de beelden
die ik te gulzig heb opgeslokt er valt niet van poëzie
te leven de mens maakt muziek zij weet hoe dat moet
jeroen brouwers schrijft een boek hij weet hoe dat moet
ik weet niet zoveel ik snap niets van de grote verdwijntruc
en dat is op dit moment erg vervelend de kamer is gevuld

op een dag - die dag hoeft nooit te komen -
zal ik hem vragen iets voor mij te doen

wat aftrekbaar is van de belasting want zelfstandig zijn is hip
kinderwensen bootmissers en trouwperikelen het bezoek
is immers dertig plus mijn demonen zijn leeftijdsloos

ik zal hem een aanbod doen dat hij niet kan weigeren

laat ik even mijn ogen sluiten en daarna drie keer met mijn ogen
knipperen
dan verdwijnt het bezoek vanzelf

 

 

Zo zitten we weer...

zo zitten we weer hele dagen in de tuin naar de vogels te kijken en
's avonds
vallen we in slaap voor de televisie

sinds die nacht toen alle doden ontwaakten uit hun graven het gedoe
dat dat opleverde mag als bekend worden verondersteld zeker
met een stel van die hufters die ineens weer terug waren

hoe dood je iets dat al dood is en dan die allesoverheersende geur van
verrotting

ik was immers gelukkig toen ik jullie ineens weer zag
er waren nog zoveel onafgemaakte onbesproken zaken
hoewel het er nu gek genoeg weer niet van komt

de meeste vogels trekken reeds naar het zuiden

 

 
Daniël Dee (Empangeni, 12 november 1975)

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Hans Werner Richter, Michael Ende, Roland Barthes, Jacobus Bellamy, A.J.D. van Oosten, Carl Busse, Oskar Panizza, Juana Inés de la Cruz

 

De Duitse dichter en schrijver Hans Werner Richter werd geboren op 12 november 1908 in Bansin op het eiland Usedom. Zie ook mijn blog van 12 november 2010 en eveneens alle tags voor Hans Werner Richter op dit blog.

Uit: Spuren im Sand

»Ja ... und die Tochter ... ?« »Die ...«, sagte meine Mutter, »... die hatte zu viel Wasser geschluckt, und Richard hat sie rausgeholt.« »Na, nun werdet ihr ja reich werden.« »Einen Taler hat er bekommen«, sagte meine Mutter, zuckte die Schultern und stellte das Bügeleisen auf einen Teller. »Ach Rosa«, begann sie wieder, »jetzt bin ich mal wieder soweit.« »Was ist denn?« »Na ja, du weißt doch, die Männer lassen einen nicht in Ruh'.« »Was«, sagte die hochgeschnürte Rosa, »schon wieder? Seit wann denn?« »Im dritten Monat«, sagte meine Mutter. So erfuhr ich, dass es einen Großherzog von Mecklenburg gab, dessen Tochter mein Vater für drei Mark gerettet hatte, dass die Männer die Frauen nicht in Ruhe lassen und dass man im dritten Monat sein konnte. Jene hochgeschnürte Frau namens Rosa hieß School mit Nachnamen, und ihr Mann Heinrich hatte nicht weit von uns einen Kolonialwarenladen und fast eben so viel Söhne und Töchter wie mein Vater. Der Ort lag am Meer, in einer weitgeschwungenen Bucht, mit Steilküsten, Buchen- und Tannenwäldern, und einer, wie im Badeprospekt stand, ozonreichen Luft. Es war ein kleiner Ort, mit etwa 500 Einwohnern, und seine Häuser, am Strand noch drei- und vierstöckig, wurden etwa einen Kilometer landeinwärts immer kleiner, bis hin zu den armseligen Hütten der Fischer. Die Sozialdemokratie, damals noch eine revolutionäre Partei, war noch nicht bis ans Meer gedrungen. Mein Vater war noch stolz darauf, herrschaftlicher Diener auf einem Gut in Hinterpommern gewesen zu sein, und meine Mutter wusch mit Hingabe die Unterwäsche der Baroninnen und Komtessen, die im Sommer kamen, um sich unter der Aufsicht meines Vaters und seiner Kollegen ins salzhaltige Ostseewasser zu begeben. Damals gab es noch keine Strandkörbe, sondern nur Badehütten, und der Strand war deshalb nur spärlich beflaggt. Aber auf den drei Bädern —schlossähnlichen Bretterbauten mit Zinnen und Türmen — wehte die schwarzweißrote Flagge und die Reichskriegsflagge. Sie kündeten von der kaiserlichen Macht und von der Ruhe und Ordnung im Lande, und oft kam es mir vor, als ständen sie ebenso wachssteif im Wind wie der Schnurrbart meines Vaters, der jeden Morgen vor dem Spiegel balsamiert und hochgezwirbelt wurde. An jenem Nachmittag nun, an dem ich erfahren hatte, dass man im dritten Monat sein konnte und dass der Großherzog von Mecklenburg meinem Vater einen Taler für die Errettung aus Badenot gegeben hatte, erschien auch unser Gemeindevorsteher, ein ehemaliger Offizier niederen Ranges, und gratulierte meinem Vater, der dabei verlegen an seinen Schnurrbartenden zupfte.“

 

 
Hans Werner Richter (12 november 1908 – 23 maart 1993)

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