18-08-17

Dolce far niente, Hans Andreus, Ulrich Woelk, Marc Degens, Luciano de Crescenzo, Alain Robbe-Grillet, Idea Vilariño

 

Dolce far niente

 

 
Fiets in Amsterdam door Leonid Afremov, 2013

 

 

Dinsdagmorgengracht

De mussen pikken kleine witte edelstenen brood
een rok fietst op een fiets die vrouw is enkel rok
een mannelijke jas en een vrouwelijke jas
gaan kouwelijk de fiets die ook al rok is achterna
de dikke pijl met vleugels van een meeuw gaat bovenal
maar daar weer boven gaat de hemel uitgestreken blauw.

lk hoor opeens het orgel waar de man aan draait
hij draait een driekwartsmaat hij is ook zelf driekwart
toch draait hij zich te boven langzaam met het wiel
draait hij zichzelf te boven driekwartshemel van
het uitgestreken blauw maar wees vooral gerust
hij weet het niet hij is er lang al aan gewend.

Maar dan rukken de vuilnisbakkenmannen op en op
hoor de muziek der vuilnismannen hoor het orgel zwijgt
triomfmars en het blauw der mannen is ook al triomf
meer dan de hemel dan het uitgestreken blauw
want meer zoals de meeuw zoals de gracht die zwijgt en lacht
zoals de mussen en hun kleine witte edelstenen brood.

 

 
Hans Andreus (21 februari 1926 – 9 juni 1977) 
Amsterdam, Palmgracht. Hans Andreus werd in Amsterdam geboren.

 


 

De Duitse schrijver Ulrich Woelk werd geboren op 18 augustus 1960 in Beuel bij Bonn. Zie ook alle tags voor Ulrich Woelk op dit blog.

Uit:Was Liebe ist

“Dafür, dass er Epileptiker ist, hat er seinen Weg gemacht. Er ist sechsunddreißig, promovierter Jurist und hält zehn Prozent der Anteile des elektrotechnischen Familien-unternehmens, das sein Großvater in den dreißiger Jahren gegründet hat. Auf dem Markt für Großtransformatoren und Starkstrom-Umspannanlagen ist die Firma weltweit mit Erfolg aktiv. Anlagen der Negier Group stehen unter anderem in Kanada, Mexiko und Südafrika. Das sind die Länder, in denen er vor Ort war, was mit seiner Krankheit nicht selbstverständlich ist. Manche Fluggesellschaften verlangen von Epileptikern, dass sie sich vor dem Abflug beim Kabinenpersonal melden. Man möchte während des Flugs keine unliebsamen Überraschungen er-leben. Er gibt seine Epilepsie beim Check-in trotzdem nicht mehr an. Durch die Wahl des richtigen Medikaments ist er seit ungefähr zehn Jahren anfallsfrei. In dieser Hinsicht hat er Glück gehabt, denn Anfallsfreiheit wird medikamentös keineswegs bei allen Epileptikern erreicht. Deswegen beunruhigt ihn das unheilvolle, schwer zu fas-sende Gefiihl, das sich in ihm verdichtet, als er in Berlin vor einem Straßencafe aus dem Taxi steigt. Für Ende Oktober ist es ungewöhnlich warm und schwül. Der Luftzug eines Busses wirbelt ein paar Blätter über den Gehweg. Irgend-etwas geschieht in diesem Moment in ihm. Er spürt einen Druck in der Magengegend und eine unbestimmte, in nichts wurzelnde Angst. Er locken den Knoten seiner Krawatte, aher diese Geste, mir deren Beiläufigkeit er sich selbst ein wenig beruhigen möchte, bringt keine Erleichterung Das vage, vom Bauch aufsteigende Gernhl säuerlicher Wärme lässt nicht nach und auch die unbestimmte Angst nicht, so dass er schließlich denkt: „Was. wenn es die Vorahnung eines kommenden Anfalls ist?“ Die Tür des Cafés steht offen. Hinter dem Panoramafenster zur Straße lesen die Gäste Zeitung oder beschmieren kleine Brötchen mit Marmelade. Es ist Frühstückszeit. Dass in dem Café gelesen wird, wertet er als Beleg dafür, dass es sich bei den Gästen um besonnene. informierte und letztlich intelligente Mitmenschen handelt. Sollte er einen Anfall haben, wäre das sicher ein Vorteil. Von dem zufällig zusammengewürfelten Straßenpublikum in einerGroßstadt wie Berlin lässt sich das wahrscheinlich nicht sagen. Außerdem könnte der Fußboden dort ein Holz- oder Teppichboden sein und also federnd oder sogar weich im Vergleich zu den harten Betonplatten des Gehwegs. Das Café scheint den Schutz zu bieten, den er braucht. falls es wirklich zu einem Anfall kommen sollte. Ihm bleibt nicht viel Zeit, sich zu entscheiden. Oh vergehen nur Sekunden, bis sich aus der Vorahnung eines epileptischen Anfalls —einer Aura — ein Anfall entwickelt.“

 

 
Ulrich Woelk (Beuel, 18 augustus 1960)

 

 

De Duitse schrijver Marc Degens werd geboren op 18 augustus 1971 in Essen. Zie ook alle tags voor Marc Degens op dit blog.

Uit:Das kaputte Knie Gottes

„Immerhin hatte ich nun eine Adresse und schrieb ihm eine kurze, wütende Postkarte zurück; wenige Tage später rief er mich an. Er entschuldigte sich für sein Verhalten, dann endlich erzählte er mir die Geschichte seines Umzugs. »Du erinnerst dich noch an die Fossilienmesse«, fragte er mich, »wo meine Betonblumen geklaut wurden?« »Klar«, antwortete ich. »Da war doch eine Frau, die sich für die Betonblumen interessiert hatte«, sagte Dennis. »Ich hab gar nicht mit ihr gesprochen, aber du.« »Stimmt.« An die vornehme Dame in dem schwarzen Kostüm konnte ich mich noch lebhaft erinnern. »Als du im Urlaub warst«, fuhr Dennis fort, »hat mich diese Frau angerufen, Brigitte Caumann. Sie wollte mehr über mich und meine Arbeit wissen.« »Woher hatte die denn deine Nummer?«, fragte ich ihn. »Von den Fernsehfritzen«, erklärte mir Dennis. »Brigitte hatte diesen schrecklichen Peniskunstbericht gesehen, die Betonblumen wiedererkannt und sich dann meine Nummer besorgt. Vier Stunden am Stück haben wir miteinander telefoniert, ich habe ihr mein ganzes Herz ausgeschüttet. Du weißt ja, wie dreckig es mir damals ging. Der Tod von Lucky und diese Fernsehgeschichte, außerdem litt ich immer noch unter der Trennung von Lily. Brigitte wollte mir helfen und riet zu einer Luftveränderung. Ich sollte Abstand zu allem gewinnen, auch räumlich. Sie bot mir an, in ihrer Eigentumswohnung in Berlin zu wohnen. Kostenlos, die Wohnung stand sowieso leer.« »Das hat sie dir einfach so am Telefon angeboten«, fragte ich ungläubig, »ohne dich zu kennen?« »Sie kannte doch die Blumen. Und sie bot mir noch mehr an«, fuhr Dennis fort. »Brigitte meinte, dass ich mir keine Sorgen machen solle, sie werde sich um alles kümmern, sie sei seit ein paar Jahren Witwe, und ihr Mann habe ihr genug Geld hinterlassen. Und dann ging alles ganz schnell.”

 

 
Marc Degens (Essen,  18 augustus 1971)

 

 

De Italiaanse schrijver Luciano de Crescenzo werd geboren in Napels op 18 augustus 1928. Zie ook alle tags voor Luciano de Crescendo op dit blog.

Uit: Geschichte der griechischen Philosophie (Vertaald door Linde Birk)

“Du bist ein Philosoph und weißt es nicht; Du bist ein Philosoph, weil Du die Probleme des Lebens auf ganz persönliche Art angehst. So kam ich auf die Idee, dass Dich eine Beschäftigung mit der griechischen Philosophie besonders interessieren müsste. Deshalb habe ich mich entschlossen, meinen Versuch, Leben und Denken der ersten Philosophen in möglichst leicht verständlicher Form darzustellen, Dir zu widmen.
Warum die Griechen? Da muss ich Dir als Erstes einmal sagen, lieber Salvatore, dass Du gar kein Italiener bist, sondern ein Grieche. Ja, mein Lieber, Grieche, fast möchte ich sogar noch hinzufügen: Athener! Setzt man nämlich Grichenland mit einer bestimmten Lebensart gleich, so ist es ein riesiges Mittelmeerland, das aus Sonne und Geselligkeit gemacht ist und sich auf der italienischen Halbinsel etwa bis an die Ufer des Volturno erstreckt (vgl. Abb. 1). Außerhalb dieser geographischen Grenze, an der sich auch die Lebensform verändert, leben die Römer, Etrusker, Mitteleuropäer, alles Leute, die ganz anders sind als wir und mit denen man oft nur schwer auskommen kann. Willst Du etwas besser verstehen, wodurch wir uns eigentlich von den andern {10}unterscheiden, möchte ich Dir vorschlagen, einmal über ein Verb nachzudenken, das es in der griechischen Sprache gibt, für das sich aber in keiner anderen Sprache eine Entsprechung findet und das daher wirklich unübersetzbar ist, wenn man es nicht mit ganzen Sätzen umschreiben will. Dieses Verb heißt agorazein.
Agorazein bedeutet: ›auf den Markt gehen und hören, was es Neues gibt‹ – also reden, kaufen, verkaufen und seine Freunde treffen; es bedeutet aber auch, ohne genaue Vorstellungen aus dem Haus zu gehen, sich in der Sonne herumzutreiben, bis es Zeit ist zum Mittagessen, oder so lange zu trödeln, bis man Teil eines menschlichen Magmas aus Gesten, Blicken und Geräuschen geworden ist. Agorazonta, das Partizip dieses Verbs, bezeichnet die Fortbewegungsart dessen, der sich dem agorazein hingibt. Er schlendert, die Hände auf dem Rücken, ziellos dahin, wobei er fast nie eine gerade Strecke verfolgt. Ein Fremder, der aus geschäftlichen Gründen oder als Tourist in eine griechische Stadt kommt, egal ob Korinth oder Pozzuoli, kann diese Menschenmenge nur staunend betrachten, die da auf den Straßen hin- und hergeht, alle paar Schritte stehen bleibt, laut redet und redet, weitergeht und wieder stehen bleibt. Vielleicht glaubt er dann, an einem besonderen Festtag hierhergeraten zu sein, dabei hat er nur eine gewöhnliche Szene des agorazein miterlebt. Nun, dieser Gewohnheit des Umherwandelns in südlichen Gefilden verdankt die griechische Philosophie sehr viel.
»Mein lieber Phaidros«, sagt Sokrates, »wohin des Wegs und woher?«

 

 
Luciano de Crescenzo (Napels, 18 augustus 1928)

 

 

De Franse schrijver en filmmaker Alain Robbe-Grillet werd geboren in Brest op 18 augustus 1922. Zie ook alle tags voor Alain Robbe-Grillet op dit blog en ook mijn blog van 18 augustus 2010.

Uit: Les gommes

“Dans la pénombre de la salle de café le patron dispose les tables et les chaises, les cendriers, les siphons d’eau gazeuse ; il est six heures du matin.
Il n’a pas besoin de voir clair, il ne sait même pas ce qu’il fait. Il dort encore. De très anciennes lois règlent le détail de ses gestes, sauvés pour une fois du flottement des intentions humaines ; chaque seconde marque un pur mouvement : un pas de côté, la chaise à trente centimètres, trois coups de torchon, demi-tour à droite, deux pas en avant, chaque seconde marque, parfaite, égale, sans bavure. Trente et un. Trente-deux. Trente-trois. Trente-quatre. Trente-cinq. Trente-six. Trente-sept. Chaque seconde a sa place exacte.
Bientôt malheureusement le temps ne sera plus le maître. Enveloppés de leur cerne d’erreur et de doute, les événements de cette journée, si minimes qu’ils puissent être, vont dans quelques instants commencer leur besogne, entamer progressivement l’ordonnance idéale, introduire ça et là, sournoisement, une inversion, un décalage, une confusion, une courbure, pour accomplir peu à peu leur oeuvre : un jour, au début de l’hiver, sans plan, sans direction, incompréhensible et monstrueux.
Mais il est encore trop tôt, la porte de la rue vient à peine d’être déverrouillée, l’unique personnage présent en scène n’a pas encore recouvré son existence propre. Il est l’heure où les douze chaises descendent doucement des tables de faux marbres où elles viennent de passer la nuit. Rien de plus. Un bras machinal remet en place le décor.
Quand tout est prêt, la lumière s’allume…”

 

 
Alain Robbe-Grillet (18 augustus 1922 – 18 februari 2008)
In 1957

 

 

De Uruguayaanse dichteres Idea Vilariño werd geboren op 18 augustus 1920 in Montevideo. Zie ook alle tags voor Idea Vilariño op dit blog.

 

Song

I would like to die
now
of love
so you could know
how and how much I loved you.
I would like to die
of love
so you can know.

 

 

Neither

Now you’re gone. I smell
your place in bed
your heat that still remains
and at the same time bitter
alienated I know
I am still alone and that
it will be only my body
the sweet the possessed
and never you
that will gather up my life.

 

Vertaald door Jesse Lee Kercheval

 

 
Idea Vilariño (18 augustus 1920 - 28 april 2009)
In 1954

 

 

Zie voor nog meer schrijvers van de 18e augustus ook mijn blog van 18 augustus 2016 en ook mijn blog van 18 augustus 2013 deel 1 en ook deel 2 en eveneens mijn blog van 18 augustus 2010.

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