13-12-16

Dolce far niente, Mary Oliver, Heinrich Heine, José Eduardo Agualusa

 

Dolce far niente

 

 
Vor Weihnachten door Ernst Bosch, 1868.

 

 

Making the House Ready for the Lord

Dear Lord, I have swept and I have washed but
still nothing is as shining as it should be
for you. Under the sink, for example, is an
uproar of mice –it is the season of their
many children. What shall I do? And under the eaves
and through the walls the squirrels
have gnawed their ragged entrances –but it is the season
when they need shelter, so what shall I do? And
the raccoon limps into the kitchen and opens the cupboard
while the dog snores, the cat hugs the pillow;
what shall I do? Beautiful is the new snow falling
in the yard and the fox who is staring boldly
up the path, to the door. And I still believe you will
come, Lord: you will, when I speak to the fox,
the sparrow, the lost dog, the shivering sea-goose, know
that really I am speaking to you whenever I say,
as I do all morning and afternoon: Come in, Come in.

 

 
Mary Oliver (Maple Heights, 10 september 1935)


 

De Duitse dichter Heinrich Heine werd geboren in Düsseldorf op 13 december 1797. Zie ook alle tags voor Heinrich Heine op dit blog.

 

Deutschland. Ein Wintermärchen, Caput II (Fragment)

Während die Kleine von Himmelslust
Getrillert und musizieret,
Ward von den preußischen Douaniers
Mein Koffer visitieret.

Beschnüffelten alles, kramten herum
In Hemden, Hosen, Schnupftüchern;
Sie suchten nach Spitzen, nach Bijouterien,
Auch nach verbotenen Büchern.

Ihr Toren, die ihr im Koffer sucht!
Hier werdet ihr nichts entdecken!
Die Konterbande, die mit mir reist,
Die hab ich im Kopfe stecken.

Hier hab ich Spitzen, die feiner sind
Als die von Brüssel und Mecheln,
Und pack ich einst meine Spitzen aus,
Sie werden euch sticheln und hecheln.

Im Kopfe trage ich Bijouterien,
Der Zukunft Krondiamanten,
Die Tempelkleinodien des neuen Gotts,
Des großen Unbekannten.

Und viele Bücher trag ich im Kopf!
Ich darf es euch versichern,
Mein Kopf ist ein zwitscherndes Vogelnest
Von konfiszierlichen Büchern.

Glaubt mir, in Satans Bibliothek
Kann es nicht schlimmere geben;
Sie sind gefährlicher noch als die
Von Hoffmann von Fallersleben! –

Ein Passagier, der neben mir stand,
Bemerkte, ich hätte
Jetzt vor mir den preußischen Zollverein,
Die große Douanenkette.

»Der Zollverein« – bemerkte er –
»Wird unser Volkstum begründen,
Er wird das zersplitterte Vaterland
Zu einem Ganzen verbinden.

Er gibt die äußere Einheit uns,
Die sogenannt materielle;
Die geistige Einheit gibt uns die Zensur,
Die wahrhaft ideelle –

Sie gibt die innere Einheit uns,
Die Einheit im Denken und Sinnen;
Ein einiges Deutschland tut uns not,
Einig nach außen und innen.«

 

 
Heinrich Heine (13 december 1797- 17 februari 1856)
Cover luisterboek

 

 

De Angolese schrijver José Eduardo Agualusa werd op 13 december 1960 in Huambo geboren. Zie ook alle tags voor José Eduardo Agualusa op dit blog.

Uit: Das Lachen des Geckos (Vertaald door Michael Kegler)

„Er trug einen blauen, altmodisch geschnittenen Anzug, der ihm allerdings gut stand, und hielt in der linken Hand eine lederne Aktentasche. Das Wohnzimmer verdunkelte sich. Als sei die Nacht, oder etwas, das noch düsterer war, mit ihm hereingekommen. Er zog eine Visitenkarte hervor und las laut:
»Félix Ventura. Schenken Sie Ihren Kindern eine bessere Vergangenheit.« Er lachte. Ein trauriges Lachen, aber sympathisch: »Sie selbst, nehme ich an? Ein Freund gab mir diese Karte.«
Sein Akzent ließ nicht erkennen, woher er kam. Der Mann sprach sanft und mit einer Reihe unterschiedlicher Betonungen, einer leicht slawisch anmutenden Härte, gewürzt vom Honig des brasilianischen Portugiesisch. Félix Ventura stutzte.
»Wer sind Sie?«
Der Fremde schloss die Tür, durchquerte das Wohnzimmer, die Hände auf dem Rücken, und hielt für einen längeren Moment vor dem schönen Ölgemälde, einem Porträt von Frederick Douglass, inne. Schließlich ließ er sich auf einen der Sessel nieder und lud den Albino mit eleganter Geste ein, es ihm gleichzutun. Als sei er der Herr im Haus. Gemeinsame Freunde, sagte er, und seine Stimme wurde noch sanfter, hätten ihm diese Adresse gegeben. Sie hätten ihm von einem Mann berichtet, der mit Erinnerungen handelt, Vergangenheit verkauft, heimlich, wie andere Kokain schmuggelten. Félix musterte ihn misstrauisch. Alles an dem Fremden irritierte ihn - seine sanfte und doch bestimmte Art, der archaische Schnurrbart. Er nahm im majestätischen Korbstuhl in der gegenüberliegenden Ecke des Zimmers Platz, als befürchtete er, von der Sanftheit des anderen kontaminiert zu werden.“

 

 
José Eduardo Agualusa (Huambo, 13 december 1960) 

 

 

Zie voor nog meer de schrijvers van de 13 december ook mijn blog van 13 december 2015 deel 1 en eveneens deel 2.

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