08-08-16

Dolce far niente, Adriaan Jaeggi, Jostein Gaarder, Klaus Ebner, Birgit Vanderbeke, Gernot Wolfram, Hieronymus van Alphen

 

Dolce far niente

 

 
Het laden van vaten op de Brouwersgracht in Amsterdam door Cornelis Vreedenburgh, 1919

 

 

Ode

het verbaast ons niet dat wij de mooiste zijn
zeggen de gevels
het zou niemand moeten verbazen
neuriet het water

this is pata negra-country
hier broeden de salonboten
en groene stalen bruggen ademen
het vertrouwen dat we eeuwig zijn
het is hier altijd laat van licht en tijd

de moeder van de grachtengordel
drijft een beautyshop voor platbodems
aan het ongelijk plaveisel

this is pata negra-country
je moet er iets voor doen om hier te wonen
en niemand zal vertellen wat

 

 
Adriaan Jaeggi (3 april 1963 – 10 juni 2008)
De Brouwersgracht tegenwoordig 

 

 

De Noorse schrijver Jostein Gaarder werd geboren op 8 augustus 1952 in Oslo. Zie ook alle tags voor Jostein Gaarder op dit blog.

Uit: Die Frau mit dem roten Tuch (Vertaald door Gabriele Haefs)

„Aber da bist du nicht der Einzige, Steinn. In unserer Zeit gibt es viel psychische Blindheit und viel geistige Armut.
Ich dagegen bin so naiv, dass ich es nicht als schnöden Zufall abtun kann, dass wir plötzlich noch einmal zusammen auf dieser Hotelveranda standen. Ich glaube, es hat dabei eine Art Regie gegeben. Frag mich nicht, wie oder auf welche Weise, denn das weiß ich wirklich nicht. Aber es nicht zu verstehen bedeutet, die Augen zu verschließen. König Ödipus hat auch nicht gesehen, welche Schicksalsfäden sich um ihn webten, und als er es endlich sah, war er so beschämt, dass er sich selbst das Augenlicht genommen hat. Was sein Schicksal betrifft, war er ja die ganze Zeit schon blind gewesen.
Plötzlich geht es zwischen uns zu wie beim Pingpong. Vielleicht sollten wir den ganzen Nachmittag so weitermachen? Dann komme ich an diesem schönen Sommertag auch noch ein wenig hinaus nach Ytre Sula. Was meinst du?
Doch, lass uns miteinander reden. Ich habe Ferien, und hier gilt die ungeschriebene Regel, dass an einem Ferientag jeder macht, was er will. Ein bisschen streng sind wir nur mit den Mahlzeiten, die wir gemeinsam einnehmen. (Nur frühstücken darf jeder, wenn er aufsteht.) Aber jetzt liegt das
Mittagessen noch nicht lange zurück, und ich habe bis zum späten Abendessen keine Verpflichtungen mehr. Wenn kein Wind aufkommt, können wir vielleicht auch wieder grillen.
Und du? Wohin wird es mich an diesem Nachmittag noch ein wenig verschlagen, meine ich?“

 

 
Jostein Gaarder (Oslo, 8 augustus 1952)


 

De Oostenrijkse schrijver Klaus Ebner werd geboren op 8 augustus 1964 in Wenen. Zie ook alle tags voor Klaus Ebner op dit blog.

Uit: Der Ruch von Kaffee

„Ina fragte ihn, warum auf der Karte kein Beruf stünde, denn allein mit dem Namen wisse doch niemand, dass er Maler sei. Sie kam mir dabei recht impertinent vor und machte mich verlegen, doch Walder grinste freundlich, räumte ein, dass er natürlich noch nicht mit Berühmtheiten wie Attersee und Lassnig, ganz zu schweigen von Institutionen wie Kokoschka und Schiele, mithalten könne, und erwiderte, es wirke doch zumindest blasiert, wenn die Berufsbezeichnung Maler, Kunstmaler oder gar akademischer Maler die schlichten Lettern seines Namens hochhievte. Im Grunde hatte ich mich bereits entschieden, seinem Wunsch nachzugeben und es einmal auszuprobieren, denn eine solche Gelegenheit bietet sich wohl nicht alle Tage. Indes stellte ich mich unentschlossen und tat, als wollte ich zuerst genauere Erkundigungen einholen, neigte den Kopf etwas zur Seite und äußerte eine gewisse Verwunderung darüber, dass er ausgerechnet mich auswählte. Innerlich schmunzelte ich und vermied es, Ina anzusehen, damit wir nicht beide unweigerlich in Gelächter ausbrachen, doch meiner Erwartung, gleich ein paar der üblichen Floskeln von diesem Mann zu hören, von wegen wahnsinnig attraktiver Frau, abgrundtiefer Augen, und ähnlichen Schwachsinn, begegnete er mit einem ernsten Gesichtsausdruck und bekannte, er sei an Menschlichkeit interessiert und habe das Gefühl, ich besäße eine Menge davon.
Eine Woche später klopfte ich an seine Wohnungstür im sechsten Bezirk und ein diesmal leger gekleideter Walder, mit naturfarbener Hose und dunkelblauem Sweatshirt, öffnete. Richtig galant bat er mich weiter und führte mich gleich im Atelier herum, dessen Zentrum ein riesiger Raum bildete, mit Glasplatten im Plafond, die in den freien Himmel hinausgingen und das ganze Zimmer in helles Licht tauchten. Ich verstand gut, warum ein Kunstmaler ein solches Ambiente bevorzugte, und mutmaßte gleichzeitig, dass Walder mit seinen Bildern ordentlich verdient haben musste, um dieses Atelier bezahlen zu können. An den Wänden lehnten Landschaften, Ölmalereien, die mir nicht besonders aufregend schienen und mich kaum ansprachen. Ganz vereinzelt entdeckte ich Aquarelle von Wiener Innenhöfen, begrünte und belebte Stadtoasen, von denen manche sogar als Gaststätten dienten. Diese Aquarelle besaßen einen gewissen Reiz, doch ich ließ mir nichts anmerken, weil ich die Bilder möglicherweise nur deshalb ansprechend fand, weil ich solche Höfe mochte und gern selbst einen besitzen wollte. Im Grunde vermied ich, etwas über die Werke auszusagen, das mich letzten Endes als Unwissende verriete, versuchte ich doch zumindest als feinsinnig und kunstliebend zu gelten. Nirgendwo stieß ich indes auf Akte, die angebliche Spezialität des Malers.“

 

 
Klaus Ebner (Wenen, 8 augustus 1964)

 

 

De Duitse schrijfster Birgit Vanderbeke werd geboren op 8 augustus 1956 in Dahme. Zie ook alle tags voor Birgit Vanderbeke op dit blog.

Uit: Der Sommer der Wildschweine

„Es war der Sommer der Wildschweine.
Und es war der Sommer, in dem alles anders wurde.
Wenn man genau überlegt, was in diesem Sommer passiert ist: eigentlich nicht viel. Jedenfalls uns nicht.
Aber manchmal muss gar nicht viel passieren, und dennoch steht hinterher kein Stein mehr auf dem anderen, und tatsächlich stand hinterher kein Stein mehr auf dem anderen, und vielleicht war das gut so.
Aber es ist gefährlich.
Im Laufe des Sommers hat der Boden unter unseren Füßen angefangen, sich zu bewegen, es gab erst leise und dann immer stärkere tektonische Reibungen, Zerrungen, Deformationen, irgendwelche lithosphärischen Vorgänge, kein Erdbeben natürlich, kein Vulkanausbruch, nur eben dass der Boden, auf dem du stehst, keine sehr stabile Grundlage für deine Schritte mehr ist, wir haben alle vier angefangen zu schwanken, obwohl Johnny und Anouk anfangs gar nicht dabei waren, und dazu kamen auch noch die Wildschweine.
Solche tektonischen Vorgänge gibt es in jedem Leben, in Ihrem sicherlich auch. In unserem Leben haben wir uns gewissermaßen daran gewöhnt, dass von Zeit zu Zeit die Erde bebt, und dann überlegst du: Erdbeben oder Weltuntergang. Seit wir denken können, schwankt uns immer mal wieder der Boden unter den Füßen, dass wir denken, das war’s jetzt, Weltuntergang, weil demnächst die Miete fällig ist oder der Winter kommt. Mit dem Winter ist das Heizen dran, und sonderbarerweise bebt die Erde nur selten im Sommer, jedenfalls unter unseren Füßen, sondern immer ab Oktober, November, wenn das Heizen demnächst dran ist, es hat mit der Weltwirtschaft zu tun, die gern nach den Sommerferien und noch lieber nach den Wahlen zusammenkracht, und gewählt wird meistens im Herbst, jedenfalls in den Ländern, die entscheiden, wann die Weltwirtschaft zusammenkracht.“

 

 
Birgit Vanderbeke (Dahme, 8 augustus 1956)

 

 

De Duitse schrijver en journalist Gernot Wolfram werd geboren op 8 augustus 1975 in Zittau. Zie ook alle tags voor Gernot Wolfram op dit blog.

Uit: Das Wüstenhaus

„Als sie am Gare du Nord angekommen waren, war der Himmel über dem Bahnhofsgebäude glasklar, ein nüchternes, weites Strahlen, das die Augen blendete. Er fragte, ob sie mit ihm etwas essen gehen wolle.
Ich muss zurück ins Hotel. Mein Onkel wartet auf mich.«
Ich kann mir ein paar Tage freinehmen und nach Freiburg kommen.«
Es macht keinen Sinn, wenn wir uns wiedersehen.«
Maja, verschwinde jetzt nicht einfach wieder. Komm endlich in der Wirklichkeit an.«
In welcher denn ...? Ich muss wirklich gehen. Bernhard hat schon mehrmals angerufen.«
Dann war sie schnell in eine Seitenstraße eingebogen, wobei sie sich nocheinmal umdrehte und ihm kurz zuwinkte.
Jemand klopfte an die Tür. Ein Kollege aus der Sportredaktion, der fragte, ob er zu der Nachmittagskonferenz hinüberkomme. Die anderen würden schon warten. Irgendetwas liege in der Luft.
Ich komme gleich.«
Er nahm sein Jackett und verschloss die Fenster.
Er lächelte, als er sah, wie draußen im Hof der Hund des Pfortners um das Glashäuschen hemmtrottete. Als ihm Maria auf dem Gang das Papier mit den Stichpunkten für die Sitzung überreichen wollte, nickte er kurz, nahm es und steckte es ungelesen in die Innentasche seines Jacketts.
Er schlenderte über den Hof in das Nebengebäude, in dem die Konferenz stattfand. Er hielt das Gesicht in die Sonne. Ein noch versteckter, zarter Geruch nach Herbst lag in der Luft. Er dachte an die Geschichte von Maj as Vater, an den Oktopus und dessen Tentakelbewegungen in dem Plastikeimer. Er fragte sich, ob er jemals einen Oktopus gesehen hatte, der in Freiheit lebte. Wie weit diese Tiere wohl ihre Fangarme ausstrecken konnten?“

 

 
Gernot Wolfram (Zittau, 8 augustus 1975)

 

 

De Nederlandse dichter en schrijver Hieronymus van Alphen werd op 8 augustus 1746 geboren te Gouda. Zie ook alle tags voorHieronymus van Alphen op dit blog.

 

De verwelkte roos

Waarom verwelkt de roos zo ras?
Zei Jantje, och of 't anders was!
God wierd ook, dunkt me, meer geprezen,
Zo 't roosje langer bleef in wezen.

Al denkt ge, dat ge 't wel doorziet,
Mijn lieve Jan! het is zo niet.
De Schepper weet het best van allen,
Waarom 't zo schielijk af moet vallen;
En wil ook, dat ge gadeslaat,
Hoe ras het aardse schoon vergaat.
De schepper, die 't ons past te vrezen,
Wordt door bedillen nooit geprezen.

 

 

De bedelaar

Die afgeleefde man, die bijkans nakend zit,
En trillend van de kou, mij om een duitje bidt,
Is even goed als ik. Gods wijsheid gaf alleen
Mij wat meer geld dan hem. Ben ik dan beter?... Neen.
Een vroom en eerlijk mens draagt dikwijls slechte kleren,
Ik wil dan ook de deugd in arme mensen eren.
Die met verachting op hem ziet,
Doet naar ‘t bevel van Jesus niet.

 

 

Flipje, de vader en de tuinman

Flipje:
Wel waarom snoeit ge toch de bomen,
Zeg trouwe Piet?
Daar aan die takjes vrucht zou komen,
Gelijk ge ziet.

De tuinman:
Een boom, die al te veel moet dragen,
Verliest zijn kracht,
Ook zou de vrucht zo niet behagen,
Als gij verwacht.
Uw vader heeft graag goede peren!

De vader:
't Is wel gezegd:
En 't deel van die te veel begeren
Is doorgaans slecht.

 

 
Hieronymus van Alphen (8 augustus 1746 – 2 april 1803)
De markt in Gouda door Johannes Bosboom, 1880

 

 

Zie voor meer schrijvers van de 8e augustus mijn blog van 8 augustus 2015 en ook mijn blog van 8 augustus 2015 deel 2.

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