14-04-16

Tjitse Hofman, Roman Graf, Alexandre Jardin, Péter Esterházy, Landolf Scherzer, Gabriele Stötzer, Charles Lewinsky

 

De Nederlandse dichter Tjitse Hofman werd geboren in Assen op 14 april 1974. Zie ook alle tags voor Tjitse Hofman op dit blog.

 

Roodvocht

Meer meer
en vooral meer
en dat het mooi

Roodvochtige ijlslaap
van stroom en stoom
dat er bloedsoep kookt

Dat het borrelt
dat wij blootlijf

Koudzweet en warm
rillen en alles willen
alles tegelijk

Dat we dampen
stijgen en hopen
dat het licht uit

Dat het donker -

 

ZOMER

Het gulpt uit
alle poriën

Een beetje plakkerig
aan de zak

Wat zweterig
in de naad ook

Kleffe dreadlocks
in de oksels.

 

 
Tjitse Hofman (Assen, 14 april 1974)
Portret door Lammert Joustra, 2006


 

De Zwitserse dichter en schrijver Roman Graf werd geboren geboren op 14 april 1978 in Winterthur, Zwitserland. Zie ook alle tags voor Roman Graf op dit blog.

Uit: Niedergang

„Am höchsten hinauf, am weitesten kommt, wer mit der Natur verschmilzt, dachte André; das schlechte Wetter muss man sich zum Verbündeten machen.
Regenschwerer Nebel hatte über Nacht das Tal gefüllt, klebte im Talgrund, hakte sich an Häuserecken, Dachvorsprüngen, Dachrinnen fest, erstickte das Bergdorf. Der Kirchturm und die Giebel der höheren Häuser waren im Nebel verschwunden, wie abgetrennt, nicht mehr Teil dieser Welt. Straße und Trottoir, aber auch der Felsen neben der Bäckerei lagen vom Nieselregen verfärbt. Von unten, dem Bahnhof her, nahte ein gelbes Fahrzeug, ein Postauto, fuhr halb leer vorbei, stach in den Nebel und versank.
André und Louise hatten, auf das Drängen Louises hin, die soeben geöffnete Bäckerei betreten, wo Louise einen Kaffee und ein Croissant kaufte. Nun saßen sie draußen an einem kleinen, wackeligen Tisch auf zwei feuchten, mit den Ärmeln ihrer Regenjacken abgewischten Plastikstühlen, André ungeduldig mit dem Fuß wippend, Louise wie in Zeitlupe kauend. Statt mit einem Schluck Kaffee nachzuhelfen, versuchte sie mehrmals, das trockene Stück hinunterzuwürgen, bis es schließlich gelang. Sie lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und schaute regungslos die Straße hinunter, als sehne sie sich nach dem Heimweg.
Nicht einmal ihre Augenlider bewegte sie.
»Nun?«, fragte André, als Aufforderung, sie möge den Kaffee trinken und den Rest des Croissants aufessen. Er wollte los. Je schneller sie die Nebeldecke unter sich hätten, desto besser. Louises Stimmung würde sich mit dem Tageslicht aufhellen; sie würde später von der Bergwanderung schwärmen.
Er hatte in der Bäckerei nichts gekauft, als Zeichen, dass er mit dieser frühen Einkehr nach einem dreiminütigen Spaziergang durch das Dorf nicht einverstanden war.
Er hätte nicht gewusst, was kaufen. Einen Kaffee brauchte er nicht, weckte einen das feuchte Wetter doch gut genug, zudem regte er die Verdauung an; ein heißer Tee war ebenso ungeeignet, wenn sie später nicht alle zehn Minuten eine Pinkelpause einlegen wollten; für Wasser gedachte er nicht so viel Geld auszugeben.“

 

 
Roman Graf (Winterthur, 14 april 1978)

 

 

De Franse schrijver Alexandre Jardin werd geboren in Neuilly op 14 april 1965. Zie ook alle tags voor Alexandre Jardin op dit blog.

Uit: L'île des gauchers

“Le capitaine Renard rêvait de fonder une colonie où les rapports entre les hommes et les femmes seraient la colonne vertébrale de l'organisation sociale, le souci majeur au regard duquel toute règle collective serait arrêtée. Notre utopiste, grand lecteur de Fourier et de Proudhon, voulait établir un ordre social où l'attention aux choses de l'amour et la recherche de la tendresse se substitueraient à l'agressivité, à l'initiative personnelle, à l'émulation économique, à l'instinct de possession - mobiles habituels de notre civilisation. Renard était né gaucher dans un monde de droitiers ; jamais il ne s'était senti à son aise dans cet univers où rien n'était fait pour lui, où tout lui semblait à l'envers, les poignées de porte comme les espérances. Ses camarades rêvaient de trajectoires brillantes, honorables ; lui ne songeait qu'à aimer Hélène, sa femme, et à se préserver des calculs de la vie des carriéristes. Son entourage parisien raillait son goût pour le bonheur, se gaussait de ses naïvetés. Lui n'avait jamais vu d'élégance dans le fait de mariner dans ses désarrois, de s'y complaire en y découvrant une esthétique. Il croyait en la beauté d'un amour illimité, dans un milieu d'officiers républicains où il était de bon ton de sourire de ce genre de mièvrerie. Toujours il s'était senti en porte à faux, décalé. Parfois, il avait le sentiment d'être passé enfant à travers un miroir. Dans sa folie il en était venu à penser qu'un monde de gauchers serait peut-être un univers à l'endroit, et que seule une colonie de gauchers serait à même de jeter les bases d'une civilisation qui placerait l'amour au centre de l'existence. Dès 1884, Auguste Renard fonda la Société géographique des gauchers, à Paris, afin de rallier tous ceux que son utopie tentait. »

 

 
Alexandre Jardin (Neuilly, 14 april 1965)

 

 

De Hongaarse schrijver Graaf Péter Esterházy van Galántha werd geboren in Boedapest op 14 april 1950. Zie ook alle tags voor Péter Esterházy op dit blog.

Uit: Esti (Vertaald door Heike Flemming)

„Wenn du in zwei Wochen, in denen du mit Hilfe deiner Tante bei der Aneignung der deutschen Sprache auf dem aus finno-ugrischer Sicht gewiß holprigen Weg so weit vorankommst, in zehn deutschen Sätzen, und seien diese noch so kurz, begründen zu können, warum du die Uhr brauchst, bekommst du sie. Was? Nicht was, niemals was, sondern wie bitte. (Die Uhr hieß Lanco.) 2. Schweiß, nicht Blut. 3. Lacht wie ein Holzhund, diesen Ausdruck verstand niemand. Und ich verstand nicht, was man da nicht verstehen konnte. 4. Das lilafarbene Haar der Deutschlehrerin. 5. Rübenzutzler. Rüamzuzla. 6. Wenn die Soldaten durch die Stadt marschieren etc. Und das Ende des Liedes irgendwie so: drübere druntere aber auch juche (?). 7. Die gothischen Buchstaben! Und: es lebe das scharfe ß! 8. Polter! Polter! (beim Blättern in Fix und Foxi zu Beginn der sechziger Jahre fragt die gestrenge Wiener Tante mit einem Verdacht in der Stimme, was ich denn mache, beziehungsweise womit ich die Zeit verbringe. Ich lerne Deutsch. Gut so, sagt sie und wirft einen kurzen Blick ins Heft, wo auf einer Doppelseite nur zwei Wörter zu sehen sind, in einer Zeichnung rollen Steine herab, und dort steht, wohl für den Klang der rollenden Steine: Polter! Polter! Ich verstehe, sagt die Fürstin eisig und verläßt den Raum. Da verstand ich plötzlich, wie Revolutionen entstehen.) 9. “Und die Deutschen haben auf alles Nutella geschmiert! Richtige Hitler-Jugend!” “Es sind keine Deutschen, sondern Österreicher.” “Das ist egal.” “Es ist nicht egal.” 10. In Polen konnte er entweder Deutsch oder Russisch reden. Das eine war peinlicher als das andere. Er versuchte es mit einem betont schlechten Deutsch. Jetzt ist es natürlich angenehm, ein Ungar zu sein, nicht wahr?! 11. Wessen Sprache, dessen Herrschaft. “Warum hast du sie ungarisch angesprochen?” “Sie haben mir lange deutsche Sätze gesagt. Und ich habe ihnen halt lange ungarische Sätze gesagt.” “Aber so habt ihr einander nicht verstehen können!” “Nein.” 12. Stiftung und Mehrheit, sagte einmal eine Frau ernsthaft, so heiße ein Buch von Goethe. Sie sagte, sie liebe mich.“

 

 
Péter Esterházy (Boedapest, 14 april 1950)

 

 

De Duitse schrijver Landolf Scherzer werd geboren op 14 april 1941 in Dresden. Zie ook alle tags voor Landolf Scherzer op dit blog.

Uit:Der Grenzgänger

“Ich solle ein paar Häuser weiter beim alten Hübner vor-beigehen. "Der kann Ihnen erzählen, wie es hier vor 1961 an der Grenze war."Eine alte, freundliche Frau öffnet. Ich frage nach ihrem Mann. Sie bedauert. "Der ist gerade rüber in die Ostzone.""In die Ostzone?""Ja, zu seinem Cousin. Der wohnt in der Ostzone, in Wohlmuthausen.""Haben Sie im Osten noch mehr Verwandte?""Nein, wir haben sonst keine Kontakte nach drüben. Die sind irgendwie anders, die dort in der Ostzone.""Wie anders?""Sie sind eben anders. Wie genau anders? Das kann ich nicht sagen."--------- Nach dem Gewitterregen scheinen die Berge in der klaren Luft zum Greifen nahe, und die Wiesen dampfen. Unter mir liegt das hessische Dippach. Am ersten Haus rechts an der Straße ins thüringische Unterweid stehen polierte Gebrauchtwagen. Der Autohändler, ein junger Mann mit kantigem Gesicht und Drei-Tage-Bart, der gerade vom Hof fahren will, hat nur für ein Fünf-Minuten-Gespräch Zeit. Ich frage ihn nach den ersten Wendejahren, als die Grenze geöffnet war und die Ostdeutschen "ein Westauto" fahren wollten, gleich, wie viel Jahre die "Wagen" auf dem Buckel hatten. Er erinnert sich gern an den "warmen Regen", der auf sie niederging. "Doch der hörte auf, als man sich gerade dran gewöhnen wollte. Unsere Finanzämter filzten damals alle Autohändler an der Grenze und holten sich von denen 'ne volle Flocke."Der Autohändler Hartmut Jacob, ein gelernter Maschinenschlosser, besitzt noch eine Autofiliale in Frankfurt am Main. "Nach der Wende hatte ich manchmal fünfzig Autos im Angebot, aber hier an der ehemaligen Grenze ist der Boom wohl endgültig vorbei. Im Osten fehlt das Geld, und die Leute in den bayerischen und hessischen Orten wechseln ihre Autos genauso selten wie ihre Unterhemden.“

 

 
Landolf Scherzer (Dresden, 14 april 1941)

 

 

De Duitse schrijfster Gabriele Stötzer werd geboren op 14 april 1953 in Emleben inThüringen in de toenmalige DDR. Zie ook alle tags voor Gabriele Stötzer op dit blog.

Uit: Ich bin die Frau von gestern

Sie haben keine Gefühle füreinander. Ihre Eltern hatten keine Zeit, es ihnen zu lehren, und jetzt beschäftigt sich niemand mehr mit ihnen. Sie haben viel Zeit, denn es gibt nichts mehr zu tun. Die Landschaften sind zerstört, es lohnt sich kaum noch zu reisen. Sie setzen sich auf die Tische und machen die Beine breit. Sie sind unkeusch und zügellos, und doch weiß ich nicht, wie sie Liebe machen. Den Nutten fehlen die Freier. Und reißt sich einmal eine die Kleider vom Leib, schaut keiner hin. Vielleicht weil die Musik fehlt.
Er hätte weiter geredet. Er wäre vielleicht noch tiefer gegangen, hätte noch weiter ausgeholt. Er hätte ein terminologisch-philosophisches System aufbauen können. Er hätte mir seine Jugend erzählen können. Aber er sah mir an, dass ich den Kontakt zerbrach. Wir waren noch aus der Zeit, da man sich ohne Worte verstand. Wo ein Blick noch ein Meer war. Wir wussten das Gleiche. Wir hatten Augen, Ohren, Gefühl und Wissen. Wir hatten gehört, gesehen, gefühlt und gelebt. Wir wussten zu allem die richtigen Worte. Wir wussten das Gleiche.
Wir waren stumm.”

 

 
Gabriele Stötzer (Emleben, 14 april 1953)

 

 

De Zwitserse schrijver en draaiboekauteur Charles Lewinsky werd geboren op 14 april 1946 in Zürich. Zie ook alle tags voor Charles Lewinsky op dit blog.

Uit:Zehnundeine Nacht

«Es war einmal ein Mann», sagte die Prinzessin, «der hatte zwei Köpfe.»
«Zwei Schwänze wären mir lieber», sagte der König.
«Hast du die nicht?», fragte die Prinzessin, die ihrenKunden zu schmeicheln wusste.
«Das kommt dir nur so vor», sagte der König.
Die Prinzessin verschränkte die Arme hinter dem Kopf und suchte an der Decke nach dem einen Wasserfleck, der immer wieder seine Form wechselte. Manchmal sah er aus wie ein zum Wegfahren gepackter Koffer und manchmal wie ein Sarg. Heute war er ein Schiff, unterwegs nach einem fernen Land. Ein Land ganz weit weg.
«Ein Mann mit zwei Köpfen», erinnerte sie der König.
Er klang nicht einmal ungeduldig. Vielleicht, wenn sie Glück hatte, würde er bald einschlafen.
«Schon beim Ultraschall hatte man etwas Ungewöhnliches bemerkt», sagte sie. «Gleich am Anfang der Schwangerschaft. Ein Geschwür, dachte man. Etwas Überflüssiges auf jeden Fall. Darauf war man vorbereitet. Aber dann waren da zwei Köpfe, und beide völlig gesund. Beide hatten sie blaue Augen. Beide verzogen sie in dem plötzlichen Licht das Gesicht. Und beide schrien sie. Sie mussten sich ein Paar Lungen teilen, aber sie schrien sehr laut.»
«Wie waren sie denn angewachsen?», fragte der König.
«Ich meine: Gab es da zwei Hälse nebeneinander, oder wie war das?»
Die Prinzessin hatte sich diesen Teil der Geschichte vorher nicht überlegt und musste jetzt ganz schnell reden, damit man ihr die Improvisation nicht anmerkte.“

 

 
Charles Lewinsky (Zürich, 14 april 1946)

 

 

Zie voor nog meer schrijvers van de 14e april ook mijn blog van 14 april 2013.

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