18-03-16

Prijs van de Leipziger Buchmesse voor Guntram Vesper

 

Prijs van de Leipziger Buchmesse

De Prijs van de Leipziger Buchmesse 2016 gaat naar de Duitse schrijver Guntram Vesper Hij ontvangt de prijs, waaraan een geldbedrag van € 15.000 verbonden is in de categorie fictie voor zijn roman “Frohburg”. In de meer dan duizend pagina’s tellende roman vertelt Vesper gaat over zijn geboorteplaats Frohburg: een kleine stad ten zuiden van Leipzig, waar hij zijn kindertijd en jeugd doorgebracht, voordat de familie in 1957 vluchtte naar de Bondsrepubliek. Zie ook alle tags voor Guntram Vesper op dit blog.

Uit: Frohburg

„Unsere uneigene Sache, unser eigentliches Ding: die endlos langen Sommerabende. Fußball. Räuber und Gendann, Versteckspiel, renn ums Leben. Sonst abgeschlagen, ausgeschieden, ausgenommen. zu den Toten. In den Auguststaub klopfende lgelitsandalen, hallende Rufe, spitze Schreie. Grölen. Quieken. zurückgeworfen vom dämmergrauen Geviert der Häuserreihen, Geschiebe‚ Gesehubse, Gezerre, Gerangel, bei zunehmender Dunkelheit,  gemeint die Mädchen, wer sonst.
Brückengasse Wyhrabrücke Gußleisenkonstruktion aus Cainsdorf, Königin-Marien-l-lütte. Unter jedem Laster Zittern, Beben. Schwingen. Auch bei Hochwasser und Eisgang: Treibgut Balken, Schollenstoß,
Töpferplatz. Die Maulbeerhecke. Eßbar oder. Drei Trittstufen zur Schöpfe. Der alte Bürstenrnacher Prause bis zum Knie im seichten Fluß: Auf Wiedersehn, du schöne Welt. Von der Tochter zurückgesehleppt ins Haus und eingeschlossen. Warum auch nicht. muß sein. Lindenreihe. In den Hundstagswochen, vor Gewittern schwarzrotes Gewimmel der Franzosenkäfer.
Greifenhainer Straße.
Die Großeltern. Nach dem großen Brand am Markt das Haus am Fluß gekauft. Dort ich geboren.
(…)

Meine ersten Jahre, die ersten anderthalb Jahrzehnte, dort drüben, da hinten, in Frohburg. Als hätte man sie im Hinterzimmer einer riesengroßen, rastlos stampfenden Mühle verbracht, die Ideen und Gefühle und noch die leisesten Regungen zerschrotete und Menschen verbrauchte, in maßloser Menge, ganze Städte, Landstriche, Provinzen und Länder wurden zu Schutt und Erinnerung, während man selber Lesen und Schreiben lernte und die Sonne aufgehen und hinter dem Horizont wieder versinken sah. Zitternde Bilder, zitternder Boden. Wirkt und wühlt in uns weiter, wirst sehen.
Kindheit ohne Ziel, ohne Mitte. Musik war Kirchengesang oder FDJ-Lied, Wörter wie Oper, Sinfonie, Streichquartett hast du kaum oder gar nicht gehört, sie kamen, wenn du genau überlegst, einfach nicht vor, einfach, das sagt sich so leicht, von Mozart, Beethoven, von Hans Pfitzner, sein Vater in Frohburg geboren, und Schönberg keine Spur. Rückschritt, den man Fortschritt nannte. Fortschritt, der Rückschritt hieß. Dazu die Lehrer, Uniformfotos von gestern bestens versteckt, wenn nicht verbrannt, was sie als junge Offiziere und Unteroffiziere an der Ostfront oder im Hinterland getrieben hatten, darüber kein Wort, sie lobten Johannes R. Becher und Kuba über alles und beteten jede Eloge der Zeitungen auf Aschajew und Babajewski nach, Fern von Moskau, Ritter des goldenen Sterns, was sie wirklich dachten, behielten sie lieber für sich.“

 

 
Guntram Vesper (Frohburg, 28 mei 1941)

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