13-02-16

Urs Faes, Faiz Ahmed Faiz, Irene Dische, Karl Klostermann, Katja Lange-Müller

 

De Zwitserse schrijver Urs Faes werd geboren op 13 februari 1947 in Aarau. Zie ook alle tags voor Urs Faes op dit blog.

Uit:Sommer in Brandenburg

“Was war das für eine Stimme, ein Lachen, nicht laut, aber eindringlich, übermütig verspielt, unbekannt, vor allem das: ein Mädchenlachen, das er nie zuvor gehört hatte, ein Klang, der ihm fremd war, kehlig, rauh.
Er kannte sie doch alle, die hier waren, seit Monaten, die Mädchen und die Jungen, Chawerot und Chawerim. Er lauschte, hielt die Hand gegen die Sonne, die blendete, Gegenlicht, darüber der Himmel, blau, preußischblau, dieser große Himmel, Frühsommer noch und heiß. Schnell sprang er über die Schattensprenkel auf dem Weg, eilte dem Stall zu, wollte das Tor schließen, dann hinunter zum Sportplatz, für ein paar Ballwürfe in den Korb vor dem Abendbrot.
Vom Brunnen drang noch immer das Lachen herüber, ausgedehnt und breit. Was gab es da zu lachen, vor dem Brunnen. Dahinter schimmerte der Schwanenteich; da sirrten die Libellen, an diesem Spätnachmittag als Drohung über dem Schilf, bläulich durchlässig. Hecken säumten das Ufer, darüber das Grün der hohen Eichen, die den Weg verschatteten, der sandig war und trocken, weil Regen schon seit Tagen ausgeblieben war. Krähen flogen über den hohen Zaun, der das Landgut umgab.
Wir haben Gänse und Hühner, Ziegen, sogar zwei Pferde, hatte er Helma geschrieben, sechs Kühe, die für eine ganze Milchwirtschaft reichen, mit Käse und Quark. Helma hatte gespottet in ihrem Brief, von Sommerlager gesprochen und Pfadfinder-Romantik, die nicht reiche für den Pioniergeist, den es brauche im fremden Land. Was wußte schon Helma.
Das Lachen, zu wem gehörte es? Die Stimme, etwas laut für eine Zeit, in der sie gelernt hatten, leise und unauffällig zu sein,keinAufsehenzuerregen,zutun,als wären sie nicht da. Und nun lachte da eine, rief hinüber zum Haus, wo die Mädchen waren. Er hielt im Laufen inne, machte ein paar Schritte auf das Gebäude zu, ein Jagdschlößchen aus vergangener Zeit.“

 

 
Urs Faes (Aarau,13 februari 1947)


 

De Duits-Amerikaanse schrijfster Irene Dische werd op 13 februari 1952 in New York geboren. Zie ook alle tags voor Irene Dische op dit blog.

Uit: Liebe Mom, lieber Dad

„Liebe Mom, lieber Dad, bitte entschuldigt, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe. Ich kann mir vorstellen, dass Ihr Euch Sorgen gemacht habt, aber ich konnte wirklich nicht anrufen. Bis gestern lag ich im Krankenhaus.
Zum ersten Mal seit anderthalb Monaten sitze ich wieder an einem Tisch. Nach unserem Streit vor sechs Wochen wegen Ralph, der Euch nicht gefällt, weil er so viel älter ist als ich und überhaupt eine seltsame Wahl ist, weil er kein Arzt oder Anwalt ist wie alle anderen, die ich kenne, war ich so wütend, dass ich mich besser nicht ans Steuer gesetzt hätte.
Jackie hatte die ganze Zeit im Wagen auf mich gewartet. Sie ist immer meine beste Freundin gewesen. Ich war doch bloß vorbeigekommen, um Euch kurz zu umarmen. Danach wollten wir weiterfahren – über das Wochenende nach Maine, wo Ralph eine Farm hat. So arm ist er nämlich gar nicht, wisst Ihr. Ich war hereingekommen und sagte: „Ich wollte euch bloß Guten Tag sagen, ich bin auf dem Weg nach Maine.“ Da habt ihr gleich angefangen, mir Vorwürfe wegen Ralph zu machen. Ihr werdet Euch daran erinnern. Als Du, Dad, meine Beziehung zu ihm eine „Katastrophe“ nanntest und Mom zu weinen anfing, da habe ich eben kehrtgemacht und bin gegangen. Ihr seid hinter mir her, aber ich war schneller. Ich habe mich in den Wagen gesetzt, mit zitternden Händen. Jackie bot an, sie könne fahren. Aber ich wollte nicht. Ich fuhr zu schnell. Ich fuhr viel zu schnell. Jackie schrie mich an. Ich stand einfach auf dem Gaspedal. Hundertfünfzig bin ich gefahren. An einer Baustelle verengte sich die Straße, und ich schoss auf die Gegenfahrbahn. Ein kleiner Wagen, eine indische Familie mit vier Kindern, kam mir entgegen – ich krachte in sie rein. Noch immer habe ich Jackies „Nein! Nein!“ im Ohr. Es waren ihre letzten Worte, Jackie ist tot.“

 

 
Irene Dische (New York, 13 februari 1952)

 

 

De Pakistaanse (Urdu) dichter Faiz Ahmed Faiz werd geboren op 13 februari 1911 in Sialkot. Zie ook alle tags voor Faiz Ahmed Faiz op dit blog.

 

Bangladesh II

This is how my sorrow became visible:
its dust, piling up for years in my heart,
finally reached my eyes,

the bitterness now so clear that
I had to listen when my friends
told me to wash my eyes with blood.

Everything at once was tangled in blood—
each face, each idol, red everywhere.
Blood swept over the sun, washing away its gold.

The moon erupted with blood, its silver extinguished.
The sky promised a morning of blood,
and the night wept only blood.

The trees hardened into crimson pillars.
All flowers filled their eyes with blood.
And every glance was an arrow,

each pierced image blood. This blood
—a river crying out for martyrs—
flows on in longing. And in sorrow, in rage, in love.

Let it flow. Should it be dammed up,
there will only be hatred cloaked in colors of death.
Don’t let this happen, my friends,

bring all my tears back instead,
a flood to purify my dust-filled eyes,
to was this blood forever from my eyes.

 

Vertaald door Agha Shahed Ali

 

 
Faiz Ahmed Faiz (13 februari 1911 - 20 november 1984)
Cover

 

 

De Duits-Tsjechische schrijver Karl Klostermann werd geboren op 13 februari 1848 in Haag am Hausruck in Oostenrijk. Zie ook alle tags voor Karl Klostermann op dit blog.

Uit: Aus der Welt der Waldeinsamkeiten

„Gott weiß, welches Geschick den Revierförster Koán im Jahre 186… nach Pürstling verschlagen hat. In einer Einöde, inmitten von Wald und Moor, wohin wohl über dreißig Jahre kein menschlicher Fuß den Weg gefunden hat, liegt es eine halbe Stunde von der bayerischen Grenze.
Durch eine Hochebene, durch sattes Grün, stellenweise mit grauem Moose überwachsen, schlängelt sich in weitem Bogen ein Bach dahin – die junge Wottawa. Aus dem Inneren des Lusen kommend, spiegelt sich ihr Wasser in granatroter Farbe, und ihre Quelle, die Gold enthalten soll, wie aus längst vergangener Zeit berichtet wird, gibt einfach von ihrem Rest an kostbarem Metalle dem „krummen“ Fluß mit auf seinen Weg.
Von diesem goldenen Überschuß ist jetzt wohl nichts mehr zu sehen.
Trittst du aus der Türe des Forsthauses, steht vor dir der Lusen, den struppigen Kopf in weiße Nebel oder in schwarze Wolken eingehüllt, in südlicher Richtung die Ebene abschließend.
Unbeweglich steht er da, im ewigen Schweigen, als würde er trauern über die Veränderungen der letzten Jahr­­zehnte.
Auf der rechten, westlichen Seite begrenzt die Ebene der Plattenhausen, der Große und der Kleine Spitzberg, auf der linken, östlichen Seite, der Moorkopf und der Marberg, alle dicht mit Wald bewachsen bis hinauf zu den Gipfeln. Zwischen den Bergen findet man keine tiefe Schlucht, keinen Abgrund, nur ein enges Tal am Fuße des sanften Abhanges. Überall moorige Einöde, unbewegt, einförmig bis zur Verzweiflung, elender Wald, den Kälte und Feuchtigkeit nicht zum Wachsen kommen lassen, nur Knie- und Krummholz, durch das kein Fußpfad führt.“

 

 
Karl Klostermann (13 februari 1848 – 17 juli 1923)

 

 

De Duitse schrijfster Katja Lange-Müller werd geboren op 13 februari 1951 in Berlijn-Lichtenberg. Zie ook alle tags voor Katja Lange-Müller op dit blog.

Uit: Böse Schafe

„Wir liegen auf den beiden Matratzen, nicht Seite an Seite, dennoch Kopf an Kopf. Die Arterie über deinem Schläfenbein pulst gegen meine Wange. Dein Haar berührt meine Nase, doch es kitzelt nicht, riecht bloß – nach Shampoo und nach dir. Seit Minuten oder Stunden bewegen wir uns kaum, sagen nichts, atmen flach. Deine Augen sind geschlossen, meine schauen hoch zum offenen Fenster, in dem sich nichts zeigt als ein Stück des wolkenlosen, weder hellen noch dunklen Himmels. Und wollte ich mich überhaupt etwas fragen, dann nur, ob der Morgen herandämmert oder der Abend. Ich fühle mich weder müde noch wach, weder schwer noch leicht, muß weder rauchen noch essen, noch trinken, noch zum Klo. Ich habe nicht das Bedürfnis nach Distanz, aber auch keine Lust, dich zu umarmen. Ich bin frei, nicht zu, sondern von allem, und trotzdem nicht einsam …
Dieser Film läuft, sobald ich an dich, an uns denke. Ich sehe ihn und gleichzeitig mich darin vorkommen (mitspielen wäre wohl das falsche Wort), nicht als die Frau, die ich jetzt bin, sondern so, wie ich vor vielen Jahren war: jünger, schöner und meistens neben dir.
Ich kann den schon ein wenig verblichenen und zerkratzten Film nicht zurückspulen, nur beschleunigen oder strecken, Sequenzen, die mir gefallen, anhalten, bis sich der ganze Spuk auflöst, weil das Telefon wieder klingelt oder der Postbote oder weil ich, von keiner weiteren Störung behelligt, das heute nähere, morgen fernere Ufer des Schlafs erreicht habe.
Je länger der Film dauert, um so ereignisloser wird er; und vielleicht ist der Vergleich mit einem stotternd abgespulten Kino- oder Fernsehfilm nicht der beste, vielleicht gehören diese Bilder, die mir eins nach dem anderen über die Netzhäute flimmern, ja eher zu einer Serie nicht sehr scharfer, auch deshalb einander ähnlicher Diapositive, deren unwillkürliche, nie identische Reihenfolge von meinen Wimpernschlägen abhängt, davon, wann und wie oft sich meine Augen schließen, öffnen, schließen …“

 

 
Katja Lange-Müller (Berlijn, 13 februari 1951)

 

 

Zie voor nog meer schrijvers van de 13e februari ook mijn vorige blog van vandaag.

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