10-01-16

Jared Carter, Yasmina Khadra, Jutta Treiber, Franz Kain, Philip Levine, Renate Schostack, Ingeborg Drewitz

 

De Amerikaanse dichter Jared Carter werd geboren op 10 januari 1939 in Elwood, een dorpje in Indiana, VS. Zie ook alle tags voor Jared Carter op dit blog.

 

Dark Transit

Always the passing of trains in the night,
The sound becoming a part of sleep, unnoticed,
Until one night you hear the call, and know
That a certain train has come for you at last.

The cars illumined with strange empty light,
The dining room with its starched tablecloths,
Its gleaming chairs, the lanterns swinging
In time with the headlong surge of the wheels.

Diesel engine, steam engine, wood-burner,
It does not matter, it is slowing down now,
And it has come for you, already you can see
How it glides to a stop in the empty station.
 
The stationmaster waves his yellow lantern
And confers with the conductor. 
It is time.
The train has arrived.  You must go forward.
Passengers peer from the clouded windows.

The conductor folds down the steps, he beckons,
It is time, it is time, the whistle calls, the engine
Lets off steam, steam roiling and billowing
Far down the edge of the long dark platform.

 

 

Snow

At every hand there are moments we
cannot quite grasp or understand. Free

to decide, to interpret, we watch rain
streaking down the window, the drain

emptying, leaves blown by a cold wind.
At least we sense a continuity in

such falling away. But not with snow.
It is forgetfulness, what does not know,

has nothing to remember in the first place.
Its purpose is to cover, to leave no trace…

 

 
Jared Carter (Elwood, 10 januari 1939)


 

De Algerijnse schrijver Yasmina Khadra (pseudoniem van Mohammed Moulessehoul) werd geboren op 10 januari 1955 in Kenadsa. Zie ook alle tags voor Yasmina Khadra op dit blog.

Uit: The Swallows of Kabul (Vertaald door John Cullen)

"Where have you been?" thunders a large-bellied, bearded man stroking a Kalashnikov. "I sent someone to fetch you an hour ago."
Without slackening his gait, Atiq says, "I beg your pardon, Qassim Abdul Jabbar. I wasn't home." Then, in a resentful voice, he adds, "I was at the hospital. I had to take my wife. It was an emergency."
Qassim Abdul Jabbar grumbles, not at all convinced, and puts a finger on the face of his watch, indicating to Atiq that everyone's growing impatient, and all because of him. Atiq hunches his shoulders and heads toward the building, where armed men waiting for him are squatting on either side of the main door. One of them stands up, dusts off his behind, walks over to a pickup truck parked about sixty feet away, climbs inside, guns the motor, and backs up to the prison entrance.
Atiq Shaukat extracts a ring of keys from under his long vest and rushes into the jail, followed by two militiawomen hidden inside their burqas. In a corner of the cell, in a pool of light directly under a small window, a veiled woman has just finished her prayers. The other two women, the ones from the militia, ask the prison guard to withdraw. Once they are alone, they wait for the prisoner to rise to her feet. Then they approach her, unceremoniously command her to keep still, and begin to bind her tightly, pinioning her arms to her sides and trussing her legs together at midthigh. Having verified that the cords are pulled taut and solidly knotted, they envelop the woman in a large sack of heavy cloth and push her ahead of them into the corridor. Atiq, who is waiting at the door, signals to Qassim Abdul Jabbar that the militiawomen are coming. He, in turn, tells the men in front of the jail to move away. Intrigued by the proceedings, a few onlookers form a silent group at some distance from the building. The two militiawomen step out into the street, seize the prisoner by her armpits, push and haul her up into the back of the truck, load her onto the bench, and sit beside her, so close that she's pinned between them."

 

 
Yasmina Khadra (Kenadsa, 10 januari 1955)

 

 

De Oostenrijkse dichteres en schrijfster Jutta Treiber werd geboren op 10 januari 1949 in Oberpullendorf. Zie ook alle tags voor Jutta Treiber op dit blog. 

Uit: Liebe und andere Ungereimtheiten

 

Ich möchte
ehe es zu spät ist
noch einmal etwas
ganz Verrücktes tun
noch einmal über
Licht und Schatten springen
noch einmal laute
Feuerlieder singen
möcht einmal nicht
den Zeigefinger
gegen mich erheben
möcht einen bunten
Lebensteppich weben
noch einmal
über goldne Wasser
schweben
und mich dem Rausch
des schwarzen Lorbeerbaums
hingeben

 

 
Jutta Treiber (Oberpullendorf, 10 januari 1949)

 

 

De Oostenrijkse schrijver, journalist en politicus Franz Kain werd geboren op 10 januari 1922 in Goisern, het huidige Bad Goisern. Zie ook alle tags voor Franz Kain op dit blog.

Uit: Auf dem Taubenmarkt

„Statt Milch wurde dem Grieß in der Pfanne süßer Rahm aufgegossen und als Fett durfte nur reine Butter genommen werden. Dadurch wurde der Grieß flaumig und weich. Damit das Gericht eine goldgelbe Farbe bekam, wurden einige Fädchen Safran darüber gestreut. Diese Speise, die am Hochzeitsmorgen zum Frühstück gegessen wird, braucht soviel Butter, daß sie wie Grundwasser unter dem Löffelstich liegt. Diese überreichliche Fettzugabe wurde auch deshalb praktiziert, damit die vielen Gäste nicht gleich einen ganzen Weidling voll fressen können. Er hatte von der Bäuerin das Hochzeitskoch als Belohnung bekommen, weil er das lange Gedicht »dö heilig’ Nocht« aufgesagt hatte, ohne auch nur ein einzigesmal stecken zu bleiben. Als er den Satz rezitierte

»Und waun i stoanold wia,
Dö Nocht vagis i mei Löbtag nia!«

war es auf einmal ganz still in der Bauernstube. Die Bäuerin schluchzte vor Rührung laut auf und die Mutter hatte vor Stolz auf das Gedächtnis des Knaben nasse Augen.
Die Bäuerin war eine bekannte »Zauberin«. Sie murmelte oft unverständliche Sätze und dabei wurde ihr verschmitztes Gesicht böse und drohend. Obwohl evangelisch, hatte sie stets Sehnsucht nach dem Mystischen der Katholiken und Weihwasser hielt sie für ein wirkliches Zaubermittel. Ständig mußte die Mutter Weihbrunn beschaffen, wobei der Vater ganz einfach beim Brunnen eine Bierflasche vollaufen ließ. Wenn die Mutter gegen diesen Betrug aufbegehrte, sagte der Vater nur: Hier gilt das Wort, Weib, dein Glaube hat dir geholfen. Wenn im Dorf von dem kleinen Anwesen, das etwa tausend Meter hoch lag, mit dem Blick auf den Dachsteingletscher und den schwarzen Hallstättersee, die Rede war, wurde stets nur der Name der Bäuerin, nie der ihres Mannes genannt. Der saß meist in der Stube und spaltete aus eingeweichtem Fichtenholz Späne. Der Knabe schaute ihm dabei genau zu, ein wenig ängstlich, denn der alte Mann hatte ein »ausgeronnenes« Auge mit einem weißen Augapfel. Der uralte Mann sprach stets von noch älteren Zeiten.”

 

 
Franz Kain (10 januari 1922 – 27 oktober 1997)
 

 

De Amerikaanse dichter Philip Levine werd geboren op 10 januari 1928 in Detroit, Michigan. Zie ook alle tags voor Philip Levine op dit blog.

 

The End Of Your Life

First light. This misted field
is the world, that man
slipping the greased bolt

back and forth, that man
tunneled with blood
the dark smudges of whose eyes

call for sleep, calls
for quiet, and the woman
down your line,

the woman who screamed the loudest,
will be quiet.
The rushes, the grassless shale,

the dust, whiten like droppings.
One blue
grape hyacinth whistles

in the thin and birdless air
without breath.
Ten minutes later

a lost dog poked
for rabbits, the stones
slipped, a single blade

of grass stiffened in sun;
where the wall
broke a twisted fig

thrust its arms ahead
like a man
in full light blinded.

In the full light the field
your eyes held
became grain by grain

the slope of father mountain,
one stone of earth
set in the perfect blackness.

 

 
Philip Levine (10 januari 1928 – 14 februari 2015)

 

 

De Duitse schrijfster en journaliste Renate Schostack werd geboren op 10 januari 1938 in Pforzheim. Zie ook alle tags voor Renate Schostack op dit blog.

Uit: Der Chello

„Seine Geschwister, welche die Metzgerei nicht weiterführten, hatten sich von ihm losgesagt. Die Eltern waren tot. An diese erinnere ich mich gut. Sie galten als „bhäb“. Ein unübersetzbares schwäbisches Wort: geizig, engherzig, von kleinlichem Wesen in jedwedem Sinn. Als Kind hatte ich bei den Mürles Leber- und Schinkenwurst gekauft und zugesehen, wie die Metzgerin dicht an den Fingerkuppen die Stücke abschnitt. Oft trugen ihre Hände einen Verband. Sie hatte ein hartes Gesicht mit eingezogenen Lippen. Dass sie lachte, konnte man sich nicht vorstellen. Ganz anders die Tante Emma, die ebenfalls im Laden stand. Eine unverheiratete dralle Blondine mit roten Backen, blauen Augen und fast immer einem Lächeln auf den Lippen.
Der Chello wohnte in der ehemaligen Wurstküche im Hof seines Elternhauses. Es war ein Raum ohne Fenster, spärlichst möbliert, mit einer Glühbirne an der Decke. Betonfußboden und gekachelte Wände. Manchmal verschwand er für einige Tage. Er hatte Geld gespart, das er bei nächtlichen Streifzügen in den Vergnügungsvierteln der nahen Großstädte durchbrachte. Auf einen Tausender mehr oder weniger in einer Nacht kam es ihm nicht an. All dies weiß ich von seinem Betreuer, den er sich in späteren Jahren erwählte: seinem Hausarzt, den er von Kinder- und Schultagen her kannte. Die Praxis lag neben der früheren Metzgerei. Jeden Morgen erschien der Chello am Empfang mit einem heiseren „Mädle, wie geht’s euch?“ Er fragte nach dem Chef, erkundigte sich, was es zu tun gebe. Er leerte den Briefkasten, versah die Gänge zum Postamt, zur Apotheke, stellte die Mülleimer vor die Tür, besorgte er dem Praxisteam den Wurstweck fürs zweite Frühstück. Dass dabei ein Leberwurstbrötchen oder eine Butterbretzel auch für ihn abfiel, nahm er gern an. Aber es war nicht die Bedingung für seine Hilfe. Er wollte unter den Leuten sein, einen Schwatz machen.“

 

 
Renate Schostack (Pforzheim, 10 januari 1938)
Pforzheim

 

 

De Duitse schrijfster Ingeborg Drewitz werd geboren op 10 januari 1923 in Berlijn. Zie ook alle tags voor Ingeborg Drewitz op dit blog.

Uit: Gestern war Heute - Hundert Jahre Gegenwart

„Das Mädchen lässt sie allein. Sie hört Stimmen, sitzt auf der Kiste. Ihr ist elend. Sie würde sich gern waschen. Sie würde gern das Fenster aufklinken, dahinter ein Baum, hellgrüne Blätter. Lächerlicher Wunsch, aufzuräumen: die leeren Konservendosen, die als Aschenbecher dienen, die Zeitungsstapel, die geknäulten Decken auf den Feldbetten und Liegen, die herumstehenden Schuhe, Wäschebündel.
Jemand kommt ins Zimmer, grüßt nicht, greift ein paar Zeitungen, geht. Geflickte Bluejeans, schiefgetretene Ab-sätze, lange, lockige Haare, der Pullover hängt ausgeleiert über dem Hosenbund. Die hier wohnen, haben sicher alle ein Zuhause mit Bett oder Couch, mit Badezimmer, mit Teppichen, Stühlen, Tischen, haben Mütter, die für ihre Wäsche gesorgt haben, ihre Schuhe zum Besohlen gebracht haben. Dasitzen, warten, Fragen stellen, ohne Antworten zu wissen.
Als Renate vor ihr steht, zuckt sie zusammen, hat sie, barfuß, nicht kommen hören. Sie will ihr die Hand geben, aber Renate hat keine Hand bereit. Sie bückt sich, um die Veil-chen aus dem Zeitungspapier zu wickeln. Ich hab da was,Veilchen, die magst du doch. Lass die mal drin, sagt Renate.
Und hier ein bisschen was - für euch alle. Wir brauchen keine Geschenke, sagt Renate.
Dasitzen. Die Plastiktüte wieder abstellen, die Veilchen nicht wieder einwickeln.

 

 
Ingeborg Drewitz (10 januari 1923 – 26 november 1986)

 

 

Zie voor nog meer schrijvers van de 10e januari ook mijn vorige blog van vandaag.

 

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