19-12-15

José Lezama Lima, Paul Nizon, Michel Tournier, Tankred Dorst, Peter Stephan Jungk, Jügen Fuchs, Anne Golon, Johannes Kirschweng

 

De Cubaanse dichter en schrijver José Lezama Lima werd geboren op 19 december 1910 in Havanna. Zie ook alle tags voor José Lezama Lima op dit blog.

 

Old Surrealist Ballad

When the rivulet swells with lashing
snaketails and the piano with its backside turned
displays its shoes shining like the night when it sinks, a sagging armchair whose old wicker
strands are still a plaything for the boy with a big head
Taking shelter from a slice of violin melon
the dancers bump their heads and perspire sawdust
and midnight is as bored
as a chessboard leaned against a blackboard
I had no plan to go, but my keychain was missing
the enormous lock the dog that always follows me
until it goes off licking the back of its leg
The violin like an arm covered with frogs
began releasing drops of evaporated honey
The chief’s canoe crossed the crystal lake
at the stroke of two in the morning
and those who woke up danced with those who were sleeping
The woman we waited for is here and I hid
like a hypocrite behind a child’s box of pencils
which lent me their yellow fingers
and scraps of the accordion like a grapefruit packed in syrup
I used to save tears like bread crumbs
to throw into the pool of sissified alligators
When the doughnut began to puff
the patent leather definitely squealed
and the chiefs canoe was filled with crystal shards.
 

​Vertaald door Roberto Tejada.

 

 
José Lezama Lima (19 december 1910 – 9 augustus 1976) 


 

De Zwitserse schrijver en kunsthistoricus Paul Nizon werd geboren op 19 december 1929 in Bern. Zie ook alle tags voor Paul Nizon op dit blog.

Uit: Die Zettel des Kuriers

„23. Mai 1990, Paris
Karl Jakob Wegmann gewesen. Wohnt jetzt an der Seestraße in einem heruntergekommenen Mietshaus, das wie ein schon fast fauliger Zahn (an der Verkehrsstraße) allein dasteht.
Wohnt im Erdgeschoß, und wenn man läutet, wächst erst einmal die Stille, bevor sich die Tür öffnet. Karl kam wie ein verlotterter Asylinsasse aus dem dunklen, ungelüfteten Kranken- und Wohnzimmer, das auch Atelier ist, jedoch im Vergleich zu den früheren großen Residenzen natürlich nur noch im Format eines Verlieses. Kam mit herunterhängender Hose, klaffendem Bauch, am Stock, die großen Araberaugen noch verklebt und hielt mir eine gekrümmte, wohl gelähmte? Hand hin, nein: den Arm; zum Schütteln. Es sah fürchterlich aus, doch bald einmal auch komödiantisch. Die Palette, sehr schön in den Farbhäufchen, auf einem wackligen Gestell. Er raucht wieder an die vierzig Zigaretten pro Tag, wobei er die Anzahl auf der Schachtel mit Strichen kennzeichnet, er dürfte ja nicht. Er habe Anfälle wie ein Epileptiker, immer wieder, sagt H. Er ist ihr ausgeliefert, angewiesen auf ihre Dienste, Handreichungen, Aufsicht – und dabei behandelt er sie anscheinend teuflisch (wie sie sagt), erniedrigend? Irgendwie scheint Karl, der auch mit den Ärzten auf Kriegsfuß steht – in der Erscheinung halb Simulant, halb senil oder nicht ganz bei Sinnen, schwer zu sagen, da er zwischendurch blitzhelle Gedanken formuliert –, ein Fall für die Endstation mit ganz wenig Überlebenschancen. Doch malt er immer wieder, die letzten Bilder genialisch in der Reduktion der Formen und dem Spielen mit der Leere. Auch befaßt er sich wieder mit mittelalterlicher Malerei aus der päpstlichen Residenz in Avignon, wie ein aufgeschlagenes Kunstbuch mit ihn inspirierenden Jagdszenen vermuten läßt – eine Art Übertragung eines Ausschnitts in Wegmannsche Formen und Farben lehnt auf einem Stapel Bilder. Er scheint eine erfolgreiche Ausstellung gehabt zu haben, total ausverkauft, jedenfalls scheint das Geld kein Hauptproblem. Schwer abzuschätzen, wie viel Übertreibung und In-Szene-Setzen mit im Spiel ist. Er steht unter starken Medikamenten, muß immer wieder nach Anfällen, Zusammenbrüchen als Notfall hospitalisiert worden sein."

 

 
Paul Nizon (Bern, 19 december 1929)

 

 

De Franse schrijver Michel Tournier werd geboren op 19 december 1924 in Parijs. Zie ook alle tags voor Michel Tournier op dit blog.

Uit:Le médianoche amoureux

“La lumière est selon Newton, composée des sept couleurs du spectre. Proposition scandaleuse, inacceptable pour Goethe. La lumière est le comble de la pureté, de la simplicité, de l'homogénéité. Comment pourrait-elle résulter d'un mélange de couleurs qui toutes sont plus sombres qu''elle ? Non, la lumière est première, originelle, éternelle. Pour que naissent les couleurs, il faut qu'elle soit filtrée par un milieu trouble, comme un cristal ou comme l'atmosphère du ciel. Les couleurs sont la souffrance de la lumière, ses passions et aussi ses actions, car l'un ne va pas sans l'autre. De même le torrent de montagne limpide et clair qui se rue en avant peut être capté dans une turbine qui le voue à l'obscurité et à des travaux complexes. Quant à l'homme, c'est à son noyau de ténèbres qu'il doit ses couleurs.
La physique moderne a choisi Newton et sa lumière composite et seconde par rapport à la couleur. Mais il serait facile de montrer que toute l'histoire de la peinture a pris le parti de Goethe et de son ombre polychrome. Ses sommets s'appellent Léonard de Vinci inventeur du clair-obscur avec sa Vierge au rocher, Rembrandt avec ses scènes nocturnes, le Caravage qui refait le monde avec un soupirail trouant le fond d'une cave, les impressionnistes avec leurs ombres mauves ».

 

 
Michel Tournier (Parijs, 19 december 1924)

 

 

De Duitse schrijver Tankred Dorst werd geboren op 19 december 1925 in Oberlind bei Sonneberg. Zie ook alle tags voor Tanked Dorst op dit blog.

Uit: Glück ist ein vorübergehender Schwächezustand

„–Wo ist denn das Kind? Es hat mich nämlich mit dem Programm losgeschickt, damit Sie etwas hineinschreiben.
Sie hält mir das Programmheft hin. Ich nehme es und fange an, darin zu blättern, aufmerksam, alsob ich es jetzt zum erstenmal sähe.
– Sie wollte das unbedingt, Ihren Namenszug (»Namenszug« mit ironischem Unterton), obwohl sie gar nicht geklatscht hat! Ich habe selbstverständlich brav geklatscht, während sie neben mir saß und sich nicht rührte. Nachher, als wir rausgingen, hat sie mir fast eine Szene gemacht wegen dem Autogramm. Sonst wäre es mir nicht in den Sinn gekommen, hier einzudringen.
– Wie heißt sie denn? erkundige ich mich.
– Ich sage immer Blütchen zu ihr. Laura.
– Blütchen! Hübsch. Soll ich »Blütchen« schreiben?
– Es paßt so gut zu ihr. Was habe ich ihr in das Programmheft geschrieben? Ich war plötzlich so guter Laune, statt wie üblich »Herzlich für ...« unter mein Foto zu setzen, schrieb ich unter das Reklamefoto der Dame im Pelz »Ich habe heute abend für Blütchen gespielt, aber sie ist davongelaufen«.
– Ich verstehe das auch nicht, aber so ist sie. Poldi wollte nach der Vorstellung nicht mit in die Kantine, sie mußte unbedingt nach Hause, um mit ihrer Mutter zu telefonieren. Sonntag, Mittwoch, Freitag sind die »Muttertage«. Aber natürlich kann sie nicht einfach kurz fragen, wie es Mama Lilly geht, und ein paar nette Worte sagen – nein, sie muß es sich zu Hause in ihrem mexikanischen   Korbstuhl   gemütlich   machen, den Hörer zwischen die hochgezogene Schulter und den schräggelegten Kopf   geklemmt, während sie sich einen Campari nachgießt, auf dem Schreibblock herumkritzelt, Blätter herausreißt und daraus ihre japanischen Frösche faltet (Kreativkurs. Japanische Falttechnik). Es soll so gemütlich sein, wie wenn sie mit ihrer Mutter zusammensäße. Und unvermeidlich gleitet sie nach einiger Zeit in das dröge Norddeutsch, das ihre Mutter spricht“.

 

 
Tankred Dorst (Oberlind, 19 december 1925)

 

 


De Amerikaanse, Duitstalige, schrijver Peter Stephan Jungk werd geboren op 19 december 1952 in Santa Monica. Zie ook alle tags voor Peter Stephan Jungk op dit blog.

Uit:Die Dunkelkammern der Edith Tudor-Hart

“Es muss im HerbSt 1967 gewesen sein. ich war vierzehn, bald fünfzehn, besuchte die fünfte Klasse des akademischen Gymnasiums am Beethovenplatz. meine Eltern hatten Edith nach Wien eingeladen, Vater übernahm die Reisekosten, Mutter brachte ihre einzige Cousine in der Pension Nossek unter, am Graben, im ersten Bezirk. Die Rückkehr in ihre Geburtsstadt war Ediths erste Auslandsreise nach über dreißig Jahren, seit ihrer Auswanderung nach England im Herbst 1933. Ich erinnere mich nicht an Einzelheiten ihres Besuchs, bin auch nicht sicher, wie viele Tage sie in Wien geblieben ist. aber ich sehe einen kühlen, regnerischen Sonntagvormittag vor mir, sehe uns beide, Edith und mich, Riesenrad fahren – sie hatte sich das gewünscht.
Wir saßen allein in einer Gondel. Edith wollte wissen, ob ich mich für Musik interessierte und für welche. Opern? Sinfonien? klavierkonzerte? Violinsonaten? ob ich oft den Musikvereinssaal, das Konzerthaus besuchte? mein Zögern irritierte sie. Musik, das waren für mich die Beatles, die Rolling Stones, Troggs, Kinks, Tremeloes, Monkees, die Small Faces, die Bee Gees. Mozart, Beethoven, Haydn, Schubert, Verdi, Wagner, Mahler bedeuteten mir nichts. Wir besaßen keine Stereoanlage, keine einzige klassische Schallplatte. meine Eltern hatten mir erst ein Jahr zuvor einen kleinen aufklappbaren Monoplattenspieler geschenkt, auf dem ich Singles mit 45 Umdrehungen in der Minute abspielen konnte. und da hörte ich meine Lieblings-Hits, hörte sie Hunderte, Aberhunderte Male.
»Wer gefällt dir denn besser, die Beatles oder die rolling Stones?«, fragte Edith, ein wenig geistesabwesend. Diese beiden seien die einzig ihr bekannten Bands.
»Die Beatles.« »und warum …?«
»Die Rolling Stones sind mir zu wild …«
»Wie heißt denn das wildeste Lied von denen?« »I can’t get no satisfaction …«
»Verrückt …« Danach verstummte sie.
Die Gondel war an ihrer höchsten Stelle angekommen, blieb da eine Weile leise schwankend stehen. Wir sahen aus sechzig Metern auf die Stadt hinab. Es hatte zu regnen aufgehört, der Blick in alle Himmelsrichtungen war ganz klar. Kahlenberg, Leopoldsberg, Stephansdom, Karlskirche, Ringturm, Schönbrunn. Rdith starrte vor sich hin. als sich das Rad langsam wieder in Bewegung setzte und der Erde näherte, erwähnte sie einen Freund, mit dem sie vor vielen Jahren im Riesenrad gesessen habe.”

 

 
Peter Stephan Jungk (Santa Monica, 19 december 1952)

 

 

De Duitse dichter, schrijver en burgerrecht-activist Jürgen Fuchs werd geboren op 19 december 1950 in Reichenbach in het Vogtland. Zie ook alle tags voor Jürgen Fuchs op dit blog.

Uit:Zellenkrieg

"Vorwärts! Hopp, hopp! Komm´ Se, geh´n Se! Da lang!" Ein trister Flur, dann links ein Raum wie eine Pförtnerloge für die Aufnahmeprozedur. Rechts gegenüber hinter Gitterstäben eine völlig kahle Zelle. "Da rein!" Hinter dem Milchglasfenster ist nur ein massives Gitter zu erkennen. Adieu, Blick nach draußen. "Nackt ausziehen. Alles! Bücken. Arschbacken auseinander. Anziehen." Die eigenen Sachen, wenigstens das. Ein besonderes Privileg: "Sie bekommen Hausschuhe. Die Lederjacke brauchen Sie nicht. Bei uns ist geheizt. Gehen Sie rechts, Mann! Halt, hier rein." Zelle 117. Der Schließer öffnet eine dreifach verriegelte Stahltür, dick wie an einem Panzerschrank. Dahinter gibt es keine Farben mehr, nur Weiß, Grau und Holzbraun. Glasziegel brechen das Tageslicht. (...) Gegen 19 Uhr wird der Untersuchungshäftling das erste Mal in den angrenzenden Vernehmertrakt geführt, ein endlos lang erscheinender Flur, links und rechts Vernehmertür an Vernehmertür. Vernehmer I setzt die Befragung fort, zu seiner Person, zu seiner "ausgeübten Tätigkeit":
"Tragen Sie ein, was Sie für richtig halten. Ich beschreibe Papier." I: "... wollen Sie damit sagen, daß Sie Schriftsteller sind? Als Psychologe waren Sie nicht tätig, also: ohne Beschäftigung, nicht wahr?" "Was Sie aufschreiben oder für sich notieren, ist mir völlig gleichgültig. Schreiben Sie meinetwegen Schmierfink oder Straßenkehrer."

 

 
Jürgen Fuchs (19 december 1950 – 9 mei 1999)
Cover

 

De Franse schrijfster Anne Golon werd geboren als Simone Changeux in Toulon, Frankrijk op 19 december 1921. Zie ook alle tags voor Anne Golon op dit blog.

Uit: La tentation d'Angélique

"– Dors maintenant, chuchota Colin, allons, il faut dormir.
Et, se laissant sombrer au fond de l'eau noire du sommeil, elle croyait l'entendre murmurer, dans la solitude des nuits maghrébines...
– Dors, mon agneau, dors, mon ange. Demain, nous avons une longue route à faire, tous les deux, dans le désert.
Peut-être le murmurait-il ?”
(…)

« Néanmoins, Piksarett tint à rappeler quelques principes essentiels.
– N'oublie pas que tu es ma captive, interrompit-il en pointant son index à la naissance du cou d'Angélique.
– Je sais, je sais, je t'ai déjà dit que je le reconnaissais volontiers. Est-ce que je t'empêche d'être là où je suis ?... Demande à tes compagnons si j'ai l'attitude d'une captive qui voudrait t'échapper ?...
Tracassé par la subtilité du raisonnement où il discernait quelque chose de louche, mais aussi de cocasse, Piksarett penchait la tête de côté pour réfléchir plus à fond, et son regard oblique pétillait de plaisir tandis que ses deux comparses lui donnaient bruyamment leur avis.
– À Gouldsboro, tu pourras même me vendre à mon propre mari, expliquait Angélique. Il est très riche et je suis sûre qu'il n'hésitera pas à se montrer généreux. Enfin, du moins, je l'espère, se reprenait-elle avec une mimique assombrie qui mettait en joie les trois Indiens.
À l'idée que l'époux d'Angélique se trouverait contraint de racheter sa femme, leur hilarité ne connut plus de bornes."

 

 
Anne Golon (Toulon, 19 december 1921)
Cover

 

De Duitse dichter en schrijver Johannes Kirschweng werd geboren in Wadgassen/Saar op 19 december 1900. Zie ook alle tags voor Johannes Kirschweng op dit blog.

Uit: Der Kathedralenläufer

“Wäre ich für die Bildung der jungen Menschen verantwortlich. die sich darauf vorbereiten. im nächsten Jahr oder irgendwann unsere Kinder zu erziehen. Ich würde ihnen Bems als Aufgabe stellen. den Berg aus Sandstein und Kalk. Mit seinen Äpfeln und Zwetschen. mit seinen Ministerialen des Herzogs von Lothringen und der Bildschnitzerfamilie Guldner. mit seinen schon verdämmemden keltischen Erinnerungen und seiner heiligen Oranna. die sich zu neuer Herrlichkeit erhebt. Ich würde ihnen das als Aufgabe stellen und keine Ruhe geben, bis ihnen das Herz darüber warm und glücklich würde. An diesem Glück aber würde ich das Verlangen entzünden. auch Wadgassen etwa oder Saarlouis oder Tholey oder Mettlach oder Merzig auf die gleiche Weise zu erforschen. zu deuten und darzustellen. Und so müssten wir dazu kommen. endlich. endlich! uns selber zu erkennen, damit wir dann auch endlich uns selber leben können. das Leben einer Provinz des Ahendlandes. die gesegnet ist vom schattenlosen. durch Blut und Schmach hindurchgeretteten Genius des deutschen Volkes wie von dem edlen und großm‘t'ttigen des französischen. und die langsam zu dem verschütteten Schatz ihrer eigenen Tiefe zuriickfindet.“

 

 
Johannes Kirschweng (19 december 1900 – 22 augustus 1951)

 

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