12-06-15

Christoph Meckel, Wolfgang Herrndorf, Anne Frank, Renan Demirkan, Djuna Barnes, Johanna Spyri

 

Duitse dichter, schrijver en graficus Christoph Meckel werd geboren op 12 juni 1935 in Berlijn. Zie ook alle tags voor Christopher Meckel op dit blog.

 

Schlüssel aus Holz

Es war das Gewicht des Schlüssels in ihrer Tasche,
aber sie hatte ihn nie aus der Tasche genommen,
er war in ihr unsichtbar geblieben.
Fehlte nur noch das Schlüsselloch,
irgendwo in der Welt war ein Schlüsselloch,
alt, aus Holz, das allein für den Schlüssel da war.
Zum erstenmal nahm sie den Schlüssel aus der Tasche,
er war alt, aus Holz, mit zerkratztem Bart,
und sie sagte zum Schlüssel in ihrer Hand:

Das Haus gehört uns, wir kennen es nicht,
wir kennen das Haus nicht, es gehört uns nur.
Wir haben es nicht gebaut, gekauft gestohlen,
wir brauchen es nicht, es gehört uns nur.
Wir wissen nicht, ob die Tür einen Riegel hat,
einen Vorhang oder ein Schlüsselloch.
Das Haus gehört uns, aber wir kennen es nicht.
Das Haus gehört uns, aber wir kennen es nicht.

 

 

Vogel

DER VOGEL IST VON ALLEM DAS GEGENTEIL –
Aber kein Gegenteil von Luft und Himmel
die sind Palast und Tanzraum der Vogelvölker.

Bis ans Ende der Weltnacht eine Dohle,
die im letzten Schnee des Märzmorgens ruft,
kann sein eine Elster, Stellas Silberkettchen
im Schnabel, wohin damit. Er ist nicht
Gegenteil des Lichts, des Meers, des Sommers,
der Stürme aus neunzig Richtungen des Nadir.

Er ist der Schwarze Milan und hat keine Feinde.
Mein Vogel, aber er kennt mich nicht.

 

 
Christoph Meckel (Berlijn, 12 juni 1935)

Bewaren


 

De Duitse schrijver, schilder en illustrator Wolfgang Herrndorf werd geboren op 12 juni 1965 in Hamburg. Zie ook alle tags voor Wolfgang Herrndorf op dit blog.

Uit: Sand

“Auf der Lehmziegelmauer stand ein Mann mit nacktem Oberkörper und seitlich ausgestreckten Armen, wie gekreuzigt. Er hatte einen verrosteten Schraubenschlüssel in der einen Hand und einen blauen Plastikkanister in der anderen. Sein Blick fiel über Zelte und Baracken, Müllberge und Plastikplanen und die endlose Wüste hinweg auf einen Punkt am Horizont, über dem in Kürze die Sonne aufgehen musste.
Als es so weit war, schlug er Schraubenschlüssel und Plastikkanister gegeneinander und rief: «Meine Kinder! Meine Kinder!»
Die östlichen Wände der Baracken flammten hellorange auf. Der hohle, schleppende Rhythmus sank in die bleigrauen Gassen hinab. In Kuhlen und Gräben wie Mumien liegende verschleierte Gestalten erwachten, rissige Lippen formten Worte zu Lob und Preis des alleinigen Gottes. Drei Hunde tauchten ihre Zungen in eine schlammige Pfütze. Die ganze Nacht über war die Temperatur nicht unter dreißig Grad gesunken.
Unbeeindruckt hob sich die Sonne über den Horizon und schien über Lebende und Tote, Gläubige und Ungläubige, Elende und Reiche. Sie schien über Wellblech, Sperrholz und Pappe, über Tamarisken und Dreck und eine dreißig Meter hohe Barriere aus Müll, die Salzviertel und Leeres Viertel von den übrigen Bezirken der Stadt trennte. Ungeheure Mengen von Plastikflaschen und entkernten Autos erstrahlten in ihrem Licht, Pylonen aus aufgeklopften Batteriegehäusen, zerschroteten Ziegeln, Schamott, Gebirge aus Fäkalschlamm und Tierkadavern. Über die Barriere hinweg hob sich die Sonne und beschien die ersten Häuser der Ville Nouvelle, vereinzelte zweistöckige Gebäude im spanischen Stil und die bröckeligen Minarette der Vorstadt. Lautlos glitt sie über die Rollbahn des Militärflughafens, die Tragflächen einer verlassenen Mirage 5, den Suq und die angrenzenden Verwaltungsgebäude von Targat. Ihr Licht glänzte auf herabgelassenen Metallrouleaus kleiner Handwerksgeschäfte und drang durch die Fensterläden des zu dieser Stunde noch unbesetzten Zentralkommissariats, wanderte die von Halfagras gesäumte Hafenstraße hinauf, rieselte am zwanzigstöckigen Sheraton-Hotel hinunter und erreichte kurz nach sechs Uhr das vom Küstengebirge sanft abgeschirmte Meer. Es war der Morgen des 23. August 1972.”

 

 
Wolfgang Herrndorf (12 juni 1965 – 26 augustus 2013)

 

 

De Nederlandse schrijfster Anne Frank werd geboren in Frankfurt am Main op 12 juni 1929. Zie ook alle tags voor Anne Frank op dit blog.

Uit:The Diary of a Young Girl (Vertaald door B. M. Mooyart-Doubleday)

“FRIDAY, JULY 10, 1942
Dearest Kitty,
I've probably bored you with my long description of our house, but I still think you should know where I've ended up; how I ended up here is something you'll figure out from my next letters.
But first, let me continue my story, because, as you know, I wasn't finished. After we arrived at 263 Prinsengracht, Miep quickly led us through the long hallway and up the wooden staircase to the next floor and into the Annex. She shut the door behind us, leaving us alone. Margot had arrived much earlier on her bike and was waiting for us.
Our living room and all the other rooms were so full of stuff that I can't find the words to describe it. All the cardboard boxes that had been sent to the office in the last few months were piled on the floors and beds. The small room was filled from floor to ceiling with linens. If we wanted to sleep in properly made beds that night, we had to get going and straighten up the mess. Mother and Margot were unable to move a muscle. They lay down on their bare mattresses, tired, miserable and I don't know what else. But Father and I, the two cleaner-uppers in the family, started in right away.
All day long we unpacked boxes, filled cupboards, hammered nails and straightened up the mess, until we fell exhausted into our clean beds at night. We hadn't eaten a hot meal all day, but we didn't care; Mother and Margot were too tired and keyed up to eat, and Father and I were too busy.
Tuesday morning we started where we left off the night before. Bep and Miep went grocery shopping with our ration coupons, Father worked on our blackout screens, we scrubbed the kitchen floor, and were once again busy from sunup to sundown. Until Wednesday, I didn't have a chance to think about the enormous change in my life. Then for the first time since our arrival in the Secret Annex, I found a moment to tell you all about it and to realize what had happened to me and what was yet to happen.
Yours,
Anne”

 

 
Anne Frank (12 juni 1929 – maart 1945)
Scene uit een opvoering van “Je Anne” in Amsterdam, 2011

 

 

De Turks-Duitse schrijfster en actrice Renan Demirkan werd geboren op 12 juni 1955 in Ankara. Zie ook alle tags voor Renan Demirkan op dit blog

Uit:Respekt

„Und der Moslem will es vom Christen.
Genauso wie der alte Mensch vom jungen.
Oder der schwarze vom weißen.
Behinderte wollen es von Nichtbehinderten.
Der Ohnmächtige vom Mächtigen.
Selbst der Kriminelle will es vom Gesetzestreuen.
Sie alle wollen Respekt.
Aber warum?
Was ist dieser „Respekt“, wonach ausgegrenzte Menschen verlangen wie Verletzte nach einem Arzt?
Was schmerzt sie so sehr, dass der Mangel an Respekt ihren Blick schamvoll krümmt und sie mal aggressiv, mal apathisch werden lässt?
Was erhoffen sich all diese Menschen an den sozialen und kulturellen Rändern?
Und warum hört man diese verbindende Forderung nicht von Wohlhabenden und Besitzenden?
Brauchen sie denn keinen Respekt?
Was also ist dieser „Respekt“?
Wo tut man ihn sich hin? Und was macht er mit dem Respektierten?
Welche Geschichten – welche Tränen wischt das Gefühl, respektiert zu sein, ab?
Gibt es da vielleicht einen universellen „Respektcode“ für Ausgegrenzte? Ein Zauberwort gegen Demütigung?
Warum denn sonst verlangen sie ausgerechnet nach „Respekt“, der kaum zu finden ist, und begnügen sich nicht mit der kreuz und quer feilgebotenen „Toleranz“ oder mit der regelmäßig reanimierten „Solidarität“ oder mit der bei jedem Wahlkampf wiedergeborenen „Gerechtigkeit“?“

 

 
Renan Demirkan (Ankara, 12 juni 1955)

 

 

De Amerikaanse schrijfster Djuna Barnes werd geboren in Cornwall-on-Hudson, Orange County in de staat New York op 12 juni 1892. Zie ook alle tags voor Djuna Barnes op dit blog.

Uit: Nightwood

“His embarrassment took the form of an obsession for what he termed "Old Europe": aristocracy, nobility, royalty. He spoke any given title with a pause before and after the name. Knowing circumlocution to be his only contact, he made it interminable and exacting. With the fury of a fanatic he hunted down his own disqualification, re-articulating the bones of the Imperial Courts long forgotten (those long remembered can alone claim to be long forgotten), listening with an unbecoming loquacity to officials and guardians for fear that his inattention might lose him some fragment of his resuscitation. He felt that the great past might mend a little if he bowed low enough, if he succumbed and gave homage.
In nineteen hundred and twenty he was in Paris (his blind eye had kept him out of the army), still spatted, still wearing his cutaway, bowing, searching, with quick pendulous movements, for the correct thing to which to pay tribute: the right street, the right cafe, the right building, the right vista. In restaurants he bowed slightly to anyone who looked as if he might be "someone," making the bend so imperceptible that the surprised person might think he was merely adjusting his stomach. His rooms were taken because a Bourbon had been carried from them to death. He kept a valet and a cook, the one because he looked like Louis the Fourteenth, and the other because sheresembled Queen Victoria, Victoria in another cheaper material, cut to the poor man's purse.”

 

 
Djuna Barnes (12 juni 1892 – 18 juni 1982)
Cover

 

 

De Italiaanse dichter en schrijver Sandro Penna werd geboren op 12 juni 1906 in Perugia. Zie ook alle tags voor Sandro Penna op dit blog.

 

A thought of love returns

A thought of love returns
To the tired heart 
As in winter twilight
   a young boy
Homeward against the sun

 

It was my city

It was my city, the empty one
At dawn, full with one of my desires
But my love song, my most honest one
To others remained unknown

 

Vertaald doorAlexander Booth

                                                

 
Sandro Penna (12 juni 1906 – 21 januari 1977)

 

 

De Zwitserse schrijfster Johanna Spyri werd geboren in Hirzel op 12 juni 1827. Zie ook alle tags voor Johanna Spyri op dit blog.

Uit: Heidi kann brauchen, was es gelernt hat

»Sesemann, das muß sein«, sagte sehr bestimmt der Herr Doktor, und als sein Freund stillschweigend und niedergeschlagen dasaß, fuhr er nach einer Weile fort: »Bedenke doch, wie die Sache steht. Klara hat seit Jahren keinen so schlimmen Sommer gehabt, wie dieser letzte war. Von einer so großen Reise kann keine Rede sein, ohne daß wir die schlimmsten Folgen zu befürchten hätten. Dazu sind wir nun in den September eingetreten, da kann es ja noch schön sein oben auf der Alp, es kann aber auch schon sehr kühl werden. Die Tage sind nicht mehr lang, und oben bleiben und da die Nächte zubringen kann Klara doch nun gar nicht. So hätte sie kaum ein paar Stunden oben zu verweilen. Der Weg von Bad Ragaz dort hinauf muß ja schon mehrere Stunden dauern, denn zur Alp hinauf muß sie entschieden im Sessel getragen werden. Kurz, Sesemann, es kann nicht sein! Aber ich will mit dir hineingehen und mit Klara reden, sie ist ja ein vernünftiges Mädchen, ich will ihr meinen Plan mitteilen. Im kommenden Mai soll sie erst nach Ragaz hinkommen; dort soll eine längere Badekur unternommen werden, so lange, bis es hübsch warm wird oben auf der Alp. Dann kann sie dort von Zeit zu Zeit hinaufgetragen werden, da wird sie diese Bergpartien erfrischt und gestärkt, wie sie dann sein wird, ganz anders genießen, als es jetzt geschähe. Du begreifst auch, Sesemann, wenn wir noch eine leise Hoffnung für den Zustand deines Kindes aufrechterhalten wollen, so haben wir die äußerste Schonung und die sorgfältigste Behandlung zu beobachten.«
Herr Sesemann, der bis dahin schweigend und mit dem Ausdrucke trauriger Ergebung zugehört hatte, fuhr jetzt auf einmal empor:
»Doktor«, rief er aus, »sag es mir ehrlich: Hast du wirklich noch Hoffnung auf eine Änderung dieses Zustandes?«

 

 
Johanna Spyri (12 juni 1827 - 7 juli 1901)
Scene uit de Oostenrijkse film “Heidi” uit 1965

 

 

Zie voor nog meer schrijvers van de 12e juni ook mijn blog van 12 juni 2012 en ook mijn blog van 12 juni 2011 deel 2.

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