26-02-15

In Memoriam Fritz J. Raddatz

 

In Memoriam Fritz J. Raddatz

De Duitse schrijver, criticus, columnist, essayist en biograaf Fritz J. Raddatz is op 83-jarige leeftijd overleden. Zie ook alle tags voor Fritz J. Raddatz op fit blog.

Uit: Tagebücher

„15.–17. Mai 1982
Seltsames, im Grunde trauriges Wochenende in Berlin. Freitag abend mit Brasch essen, ein anfänglich wunderbarer, freundschaftlicher Abend – habe das Gefühl, daß wir uns gegenseitig sehr mögen (was er ja, als ich krank war, auch durch rührende Fürsorglichkeit bewies) und uns auch sehr viele « Wahrheiten » sagen können. Er wohnt sehr am Abgrund, an der Finsternis – und versteht dadurch offenbar meine Lebenssituation, die ich als immer auswegloser empfinde ; was ich ihm sagen kann. Sonst muß ich ja der Muntere und Flinke sein. « Ediert, nicht geboren », nannte das der ahnungslose Henrichs neulich, weil er annimmt, daß Leben für mich nur aus Lesen und Intellektualität bestünde. Wenn er wüßte, daß ich bereit wäre, die ganze Scheiß-Intellektualität hinzuwerfen, wenn . . . Neulich nach dem Montand-Konzert sah ich jemanden, der prompt hinterher auch im bösen Keller auftauchte, dann – obwohl ich ihn ansprach – sehr rasch « weg » war. Ärgerte mich nexten Tags, weil ich dachte, das sei wegen « betrunkener, alter Mann » gewesen. Nix da : Donnerstag abend, bevor ich nach Berlin flog, war ich dort wieder, traf den, sprach mit ihm – ein CDU-Parolen plappernder Dummkopf, der mir gleich sagte, er sei aber kein Gesprächspartner für mich. Erstens sei ich doch nun wohl alt genug geworden, um zu wissen, daß man sich hier nicht unterhalten wolle, und zweitens sei ich ihm zu « hoch » – er wisse genau, wer ich sei. Sprach’s und ging vor meinen Augen in den Dunkelraum. Das meinte Brasch , wenn er mich zu « mächtig » nannte. Ein gutes Wort auf der Suche nach dem Grund, war um Menschen – erst von mir fasziniert – mich gleichsam abstoßen, sich retten ; mindestens in die « Scheidung » à la Ledig : Alle retteten sich ja vor mir. Es ist irgendeine « Über »-Spannung in mir oder an mir. Ich habe das nun tausendmal erlebt. Der Brasch -Abend wurde eine Brasch-Nacht mit entsetzlichem Besäufnis, wohl ganz komisch, was er mir hinterher davon erzählte – ganze Teile, die ich nicht mehr erinnerte, habe dann ja förmliche Blackouts und wüßte selbst unter Mordverdacht nicht mehr zu sagen, was ich wann und wo tat. Auch kein gutes Zeichen.“

 

 
Fritz J. Raddatz (3 september 1931 - 26 februari 2015)

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