10-01-15

Jared Carter, Jutta Treiber, Franz Kain, Philip Levine, Renate Schostack, Ingeborg Drewitz

 

De Amerikaanse dichter Jared Carter werd geboren op 10 januari 1939 in Elwood, een dorpje in Indiana, VS. Zie ook alle tags voor Jared Carter op dit blog.

 

Improvisation

To improvise, first let your fingers stray
across the keys like travelers in snow:
each time you start, expect to lose your way.

You’ll find no staff to lean on, none to play
among the drifts the wind has left in rows.
To improvise, first let your fingers stray

beyond the path. Give up the need to say
which way is right, or what the dark stones show;
each time you start, expect to lose your way.

And what the stillness keeps, do not betray;
the one who listens is the one who knows.
To improvise, first let your fingers stray;

out over emptiness is where things weigh
the least. Go there, believe a current flows
each time you start: expect to lose your way

Risk is the pilgrimage that cannot stay;
the keys grow silent in their smooth repose.
To improvise, first let your fingers stray.
Each time you start, expect to lose your way.

 

 
Jared Carter (Elwood, 10 januari 1939)
Cover


 

De Oostenrijkse dichteres en schrijfster Jutta Treiber werd geboren op 10 januari 1949 in Oberpullendorf. Zie ook alle tags voor Jutta Treiber op dit blog. 

Uit: Vergewaltigt

„Als Franka aufwachte, war sie verwundert, dass sie noch lebte. Es war ein ehrliches Erstaunen darüber, dass es möglich war, ein solches Ereignis tatsächlich zu überstehen. Ich lebe noch, sagte Franke zu sich selbst. Ich lebe noch. Es ist ein Wunder, aber ich lebe. Sie schaute auf ihre Hände, als sähe sie sie zum ersten mal…..Die Schmerzen kamen nach und nach zurück. Das Würgen im Hals, der Wundschmerz im Kopf, das Brennen in den Augen, die Schmerzen im Bauch, das Brennen in der Scheide. Noch einmal spürte sie einen widerlichen Brechreiz, lief aufs Klo, würgte, spuckte, aber es kam nur noch Schleim heraus, es war sonst nichts mehr in ihr. Sie ging mit unsicheren Schritten ins Badezimmer, putzte sich die Zähne, endlos lange. Sie wollte das Grauen aus ihrem Mund putzen, den schalen Geschmack zum Verschwinden bringen.“

 

 
Jutta Treiber (Oberpullendorf, 10 januari 1949)

 

 

De Oostenrijkse schrijver, journalist en politicus Franz Kain werd geboren op 10 januari 1922 in Goisern, het huidige Bad Goisern. Zie ook alle tags voor Franz Kain op dit blog.

Uit: Auf dem Taubenmarkt

„Auf dem Taubenmarkt wird nicht nur über das gesprochen, was gerade anzupreisen ist, es kommen auch Gespräche zustande wie unter ganz gewöhnlichen Leuten über das Wetter, über die Arbeit, über Ärger in der Familie, über gemeinsame Bekannte und über Reiseziele. Diese Passanten sind manchmal naiv neugierig, oft aber stellen sie auch regelrechte Verhöre an. Weil er immerzu sagt, er habe nichts zu verbergen und er drücke sich auch um keine Antwort auf unangenehme Fragen, nehmen sie ihn spöttisch beim Wort. Manchmal kommt es ihm vor, als sei er schon zu Lebzeiten ein Typ, nämlich der Geschichtenerzähler vom Taubenmarkt geworden. Oft hat er Schwierigkeiten, den Wust der Fragen zu ordnen. Chronologisch auffädeln kann er sie und sich nicht, dazu purzeln sie zu sehr durcheinander.
Seine erste Erinnerung ist, daß er vor einem riesigen Teller einer süßen Speise sitzt, eine alte Frau mit einem Kopftuch, aus dem Büschel weißen Haares heraushängen, sich zu ihm herniederneigt und warm tropfende Tränen auf seinen Nacken fallen. Als er nur noch dies eine von dem Vorgang wußte, klärte ihn seine Mutter über die Begleitumstände auf. Sie hatte ihn zu der Bäuerin mitgenommen, bei der sie seit dem Krieg hin und wieder einige Tage arbeitete, vor allem für Butter, Topfen, Rahm und Schotten. Er war als Kind überall dabei, machte Ohren und Augen auf und es war eine Welt voll tiefer Geheimnisse.
Der Teller, der vor ihm stand, war Grießschmarrn mit viel Zucker drauf. Aber es war kein gewöhnlicher Grießschmarrn, es war vielmehr die hochzeitliche Variante dieser Speise, die deshalb auch Hochzeitskoch genannt wurde.“

 

 
Franz Kain (10 januari 1922 – 27 oktober 1997)
In 1995

 

 

De Amerikaanse dichter Philip Levine werd geboren op 10 januari 1928 in Detroit, Michigan. Zie ook alle tags voor Philip Levine op dit blog.

 

 

An Abandoned Factory, Detroit

The gates are chained, the barbed-wire fencing stands,
An iron authority against the snow,
And this grey monument to common sense
Resists the weather. Fears of idle hands,
Of protest, men in league, and of the slow
Corrosion of their minds, still charge this fence.

Beyond, through broken windows one can see
Where the great presses paused between their strokes
And thus remain, in air suspended, caught
In the sure margin of eternity.
The cast-iron wheels have stopped; one counts the spokes
Which movement blurred, the struts inertia fought,

And estimates the loss of human power,
Experienced and slow, the loss of years,
The gradual decay of dignity.
Men lived within these foundries, hour by hour;
Nothing they forged outlived the rusted gears
Which might have served to grind their eulogy.

 

 

Unholy Saturday

Three boys down by the river
search for crawdads. One has
hammered a spear from a
curtain rod, and head down,
jeans rolled up to his knees, wades
against the river's current.
Barely seven, he's the most
determined. He'll go home
hours from now with nothing
to show for his efforts except
dirt and sweat and that residue
he's unaware of sifting
down from a distant sky
and glinting like threads
of mica across his shoulders.
In the distance someone keeps
calling the names of the brothers
in the same order over
and over, but they don't hear
what with the river bank gorged
with blue weed patches and all
the birds in hiding. Perhaps no
one is calling and it's only
the voices of the air as
the late light of June hangs on
in the cottonwoods before
the dark gets the last word.

 

 
Philip Levine (Detroit, 10 januari 1928)

 

 

De Duitse schrijfster en journaliste Renate Schostack werd geboren op 10 januari 1938 in Pforzheim. Zie ook alle tags voor Renate Schostack op dit blog.

Uit: Der Chello

“Niemand konnte mir sagen, woher der Name kam. Vielleicht aus seiner Zeit in der Fremdenlegion. Eigentlich hieß er Richard Mürle. Er war mehrere Jahre jünger als ich. Als Kinder hatten wir um den Marktplatz unseres Fleckens herum, wie die Einheimischen ihr von der angrenzenden Stadt verschlucktes einstiges Dorf nannten, Fangen und Verstecken gespielt. Seine Eltern besaßen die größte Metzgerei des Orts, wohnten im stattlichsten Haus am Platz. Wir waren arme Ausgebombte. Später ging er auf ein anderes Gymnasium als ich, und so kam er mir schon in der Schulzeit aus den Augen. Als ich nach dreißig Jahren wieder häufiger in meine Heimatstadt zurückkam, war von ihm gelegentlich die Rede. „Was, du kennst den Chello nicht? Ein Original!“ Sind wir nicht alle Originale? Doch der Chello war ein besonderes Original.
Er war kein alter Mann, weder krank noch geistig beschränkt. Einer Arbeit ging er nicht nach. Er glich einem seltsamen Vogel, dessen Habitat der Marktplatz, die alte Hauptstraße und die davon abzweigenden Gassen waren. Jeden Vormittag strich er dort herum, mal einen Damenhut tragend, mal geschminkt und mit Hornbrille, oft mit einer Bierflasche in der Hand. Dass er noch als Minderjähriger den Sirenenklängen der französischen Werber, vor denen in den fünfziger Jahren die Lehrer ihrer Schüler warnten, gefolgt war, viele Jahre in den schmutzigen Kriegen der ausgehenden Kolonialzeit gekämpft hatte, wussten alle. Er sprach nie über diese Zeit. Auch nicht über das Leben danach. Es muss eine Frau gegeben haben, von der er sich wieder trennte. Kinder hatte er nicht.”

 

 
Renate Schostack (Pforzheim, 10 januari 1938)

 

 

De Duitse schrijfster Ingeborg Drewitz werd geboren op 10 januari 1923 in Berlijn. Zie ook alle tags voor Ingeborg Drewitz op dit blog.

Uit: Barbaratag

„Am Barbaratag Kirschzweige schneiden, damit sie am 24. Dezember blühen - in meiner Kindheit habe ich davon nur wenig gewusst. Noch immer habe ich nicht die Ursache der völligen Abwendung von traditionellen Bräuchen meiner Familie ergründe können. Ich kann nur vermuten, dass durch die Armut die sie gekannt hatten, durch ihre flüchtige Berührung mit dem Sozialismus, durch die Viertelbildung die sie sich neben der Arbeit angeschlossen hatten, jene Scheu in sich hatten aufkommen lassen, die sie jeder Gefülsäußerung gegenüber hatten.
Vielleicht war es auch die Scheu vor irgendwas ländlicher Herkunft.
So habe ich erst als Erwachsene von dem schönen Brauch gehört und ihn mit meinen Kindern zusammen wiederaufgenommen.
Ich sehe uns bei Schneegestöber nach Kirschbäumen in den Laubengärten suchen, überhängende Zweige ausmachen um sie bei einbrechender Dunkelheit gleich zu finden, noch ehe der Haupteingang der Laubenkolonie abgeschlossen würde. Ich seh mich mit den Zweigen unter dem Mantel  heimkommen, die Kinder in die Küche holen und ihnen die Anschnitte zeigen.
Ich seh uns die Zweige ordnen und die Knospen zählen. Und wie wir das zögernde Anschwellen der Knospen beobachten von Tag zu Tag. Ein bisschen schlechtes Gewissen war schon dabei, aber ich hatte nachgelesen, dass das Obst geschnitten werden musste. Über die heilige Barbara hatte ich nichts nachgelesen.“
 

 
Ingeborg Drewitz (10 januari 1923 – 26 november 1986)

 

 

Zie voor nog meer schrijvers van de 10e januari ook mijn vorige blog van vandaag.

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