06-09-14

Jessica Durlacher, Amelie Fried, Carmen Laforet, Cyrus Atabay

 

De Nederlandse schrijfster Jessica Durlacher werd geboren in Amsterdam op 6 september 1961. Zie ook mijn blog van 6 september 2010 en eveneens alle tags voor Jessica Durlacher op dit blog.

Uit: Das Gewissen (Vertaald door Hanni Ehlers)

„Nie wurde darüber geredet. Doch in unserem Unterleben, dem Leben unter unserem Alltagsleben, will ich mal sagen, wurden wir verfolgt. So empfanden wir es zumindest. Ich wurde verfolgt, weil mein Vater VERFOLGT worden war - und ein abstrakteres Wort lässt sich wohl kaum finden, beiläufiger und vornehmer lässt sich wohl kaum umschreiben, welche schmutzigen, grausamen Verbrechen das beinhaltet.
Nach Verbrechen klang das Wort auch nicht. Eher wie eine Katastrophe von kosmischen Dimensionen, ein jedes normale Maß übersteigender Alptraum, etwas aus der Zeit, als die Welt noch eine einzige Hölle war, jener gräulichen vorbewussten Zeit der Vorgeschichte.
Und alles, was zu Hause darüber gesagt wurde, war genauso entstellend abstrakt wie das Wort selbst, so abstrakt, dass das Schaudern hinter der Sprache versteckt blieb. Und die Sprache erstickte präzise und fein säuberlich, was sich hinter ihr verbarg.
Die Abstraktionen trugen Sätze wie:" Du weißt ja, nach der Bombardierung Rotterdams sind wir nach Apeldorn gegangen..."
Die ganze Aufeinanderfolge von Geschehnissen, die mein Vater als kleiner Junge miterlebt hatte, alles, was dieser Satz suggerieren sollte, die Dramen, das Schreien, die nervliche Anspannung, die Angst: nichts davon, da war meines Vaters Stimme und diese kurze Mitteilung, die uns seiner Meinung nach alles sagte.
Seine Stimme senkte sich und wurde dann plötzlich leise und grimmig. Irgend etwas schien ihm den Atem wegzusaugen, ein Feind, der ihm die Luft nahm und ihn kurzerhand daran hinderte, laut zu sprechen. Mit Gewalt, beinahe erstickend, versuchte er Atem und Stimme wiederzuerlangen.“

 

 
Jessica Durlacher (Amsterdam, 6 september 1961)


 

De Duitse schrijfster Amelie Fried werd geboren op 6 september 1958 in Ulm. Zie ook alle tags voor Amelie Fried op dit blog en ook mijn blog van 6 september 2010.

Uit: Traumfrau mit Lackschäden

„Der Abend wurde genau so, wie ich ihn mir erträumt hatte. Mit wohligem Gefühl saß ich zwischen meinen Freunden, die nicht müde wurden, mein gutes Aussehen und mein fantastisches Essen zu loben. Wir schwelgten in Erinnerungen und überraschten uns gegenseitig mit immer neuen Anekdoten, die alle mit »Wisst ihr noch« oder »Könnt ihr euch eigentlich noch erinnern« begannen. Wir lachten uns kaputt, und zwischendurch zerdrückte ich heimlich ein paar Tränen der Rührung.
»Wisst ihr noch, als Hella plötzlich weg war?«, fragte Arne.
»Da war ich sauer auf Cora«, sagte Hella. »Die meinte, ich solle nicht so viele Schokoriegel essen, weil die für die PR-Aktionen gebraucht würden.«
»Das war eine Ausrede«, kicherte Arne. »Sie wollte nicht, dass du fett wirst!«
»Noch fetter, meinst du wohl«, gab Hella grinsend zurück.
»Viel schlimmer fand ich, dass Hella mit meinem wichtigsten Kunden durchgebrannt ist!«, schaltete ich mich ein. »Weißt du noch, was du bei meiner Party zu Hennemann gesagt hast? ›Sie sind genau wie Ihre Kinderpralinen: total süß.‹ Ich wollte dir den Hals umdrehen.«
Alle prusteten los, Hella errötete. »So kann man sich irren.«
»Ach komm«, sagte ich. »Mit Herbert hast du doch einen tollen Fang gemacht!«
Insgeheim hatte ich sie manchmal beneidet, besonders wenn Ansichtskarten aus Mexiko, Thailand oder von den Malediven eintrafen, wo Hella mit Mann und Kindern sorglose Ferien verlebte. Geld spielte offenbar keine Rolle, Hennemann war wohlhabend und konnte – obwohl Schwabe – durchaus großzügig sein. Natürlich hätte ich trotzdem nicht mit Hella tauschen wollen, ihr Mann war das, was die Schwaben einen Gschaftlhuber nannten – er hätte mir den letzten Nerv geraubt. Aber Hella hatte ihn unbedingt haben wollen.
Arne verdrehte die Augen. »Ach Gottchen, die Schokoriegel! Wir standen auf Schulhöfen herum und sollten die Kinder dazu bringen, Fragebögen auszufüllen. Die haben uns einfach die Riegel geklaut und sind abgehauen.«

 

 
Amelie Fried (Ulm, 6 september 1958)

 

 

De Spaanse schrijfster Carmen Laforet werd geboren op 6 september 1921 in Barcelona. Zie ook alle tags voor Carmen Laforet op dit blog en ook mijn blog van 6 september 2010.

Uit: Nada (Vertaald door Edith Grossman)

“And he pushed at the shoulders of the woman with uncombed hair.
"My name's Gloria," she said.
I saw that my grandmother was looking at us with a worried smile.
"Bah, bah! ... What do you mean by shaking hands? You have to embrace, girls ... that's right, that's right!"
Gloria whispered in my ear:
"Are you scared?"
And then I almost was, because I saw Juan making nervous faces, biting the inside of his cheeks. He was trying to smile.
Aunt Angustias came back, full of authority.
"Let's go! Everybody get to sleep-it's late."
"I wanted to wash up a little," I said.
"What? Talk louder! Wash up?"
Her eyes opened wide with astonishment. Angustias's eyes and everybody else's.
"There's no hot water here," Angustias said finally.
"It doesn't matter...."
"You'd dare to take a shower this late?"
"Yes," I said. "Yes."
What a relief the icy water was on my body! What a relief to be away from the stares of those extraordinary beings! It felt as if in this house the bathroom was never used. In the tarnished mirror over the sink-what wan, greenish lights there were everywhere in the house!-was the reflection of the low ceiling covered with cobwebs, and of my own body in the brilliant threads of water, trying not to touch the dirty walls, standing on tiptoe in the grimy porcelain tub.”

 

 
Carmen Laforet (6 september 1921 – 28 februari 2004)
Cover 

 

 

De Duitstalige, Iraanse dichter en schrijver Cyrus Atabay werd geboren op 6 september 1929 in Teheran. Zie ook alle tags voor Cyrus Atabay op dit blog en ook mijn blog van 6 september 2010.

 

Stockung an der Paßkontrolle
du bist jetzt Emigrant zu Hause im
Woanders
schönes Wort Vergangenheitsdasein
es gewährt dir Asyl ein Sommergarten
Bignonienranken hängen über das Gittertor
Feuerdorn säumt den Weg zum Haus
ein Wort wie ein Granatapfel
die Körner auf der Schwelle –
ein überlieferter Brauch
ist das Zugrundegehn
es söhnt dich aus mit allem

 

 

Durststrecken

Bedacht war ich
von meinem Ziel
keinen Schritt abzuschwenken

Aber meine Stimme flog in die Wüste,
ich schickte sie aus nach einem Echo,
indes ich hier kämpfe gegen Wälle aus Flugsand.
Der Schmerz, der mich wachhält,
der Brunnen, um dessentwillen
ich den Durst verteidige.

 

 

 
Cyrus Atabay (6 september 1929 – 26 januari 1996)

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