23-07-12

Dolce far niente (Friedenssaal zu Münster)


Dolce far niente

 

 

Friedenssaal zu Münster

An Freiligrath, 1840.

 

Zum Friedenssaal! — Es war ein sonn'ger Tag;

Die Lind' im Vorhof legte ihre Schatten

Auf die gefärbten Scheiben, und es brach

Das Licht darin sich in ein trüb Ermatten:

 

Als wolt' es nicht die düstern Kammern sehn,

Und tiefer nicht in die Gewölbe lugen! —

Vorn sieht man Karls und Heinrichs Bilder stehn,

Die Heiligen, die Deutschlands Krone trugen;

 

Darob der Aar, des Reiches stolz Panier

Der deutschen Kaiser schreckende Standarte,

Die Flügel schlagend um der Stadt Zimier,

An blanker Zinne, ihrer Freiheit Warte.

 


Friedenssaal


Es ist ein düstrer feierlicher Ort!

Viel Bilder schauen mit vergilbten Mienen —

Hier Trautmannsdorff und Orenstierna dort —

Als ob sie selber sich zu zürnen schienen,

 

Daß sie in diesem Raume hier die Pracht,

Die Kraft, die Herrlichkeit des Reichs begraben,

Und einen Frieden schmachvoll hier gemacht,

Nach welschem Sinn, mit welscher Zunge haben.

 

Es ist ein düstrer, feierlicher Ort,

Durch den verstorbner Tage Schatten schwanken.

Und durch Jahrhunderte so stecht er fort,

Ein letzt Asyl gespenstischer Gedanken.

 

Rings steht von alten Panzern eine Zahl,

Mit Schien' und Tartsch', verbogen und verrostet:

Der lang' bestäubten Ritterschwerter Zahl

Hat schon der Väter Blut nicht mehr gekostet.

 

„Nimm eins zur Hand! Schwing du des Kaisers Schwert!

So wie der Rothbart einst dein Spiel geschlagen,

So bist auch du es, Mann der Lieder, werth,

In deiner Faust des Kaisers Schwert zu tragen!"

 



Friedenssaal


„Mir diese Wehr!" Das mächt'ge Waffen klirrt,

Wir lassen keck es um die Häupter kreisen:

„Gekreuzt die Klingen!" — Ha, der Funke schwirrt

Und rasselnd biegt in Scharten sich das Eisen! —

 

Schwang so dein Roland einst mit läss'ger Faust

Um Sarazenenköpfe Durindane?

Hat Rothbart so durchs Schlachtgewühl gebraust?

Du bist so stark nicht, wie dein grimmer Ahne!

 

Gewaltge Wucht! Der Arm erlahmt und sinkt:

Da, laß den Flamberg und die Helme stehen;

Sieh, wo im goldnen Sonnenlicht uns winkt

Mit luftgem Flattern unsres Banners Wehen:

 

Der Blüthenzweig, gewiegt in blauer Luft,

Die herzgeformten Blätter dieser Linden!

Der Strahl ist unser, unser ist der Duft,

Die hellen Tage unser, bis sie schwinden!


Und lockt uns Kampf — das doppelschneid'ge Wort

Gilt es wie blinkend hellen Stahl zu biegen,

Zu stehn wie keckbehelmte Ritter dort,

Wo als Standarten die Gedanken fliegen!

 

 

 


Levin Schücking (6. September 1814 - 31. August 1883)

 

 

 

Zie voor de schrijvers van de 23e juli ook mijn blog van 23 juli 2012 deel 1 en eveneens deel 2.

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