29-12-10

Brigitte Kronauer, Carmen Sylva, Herbert Hindringer, Constantin Göttfert

 

De Duitse schrijfster Brigitte Kronauer werd geboren op 29 december 1940 in Essen. Zie ook mijn blog van 29 december 2006  en ook mijn blog van 29 december 2007 en ook mijn blog van 29 december 2008 en ook mijn blog van 29 december 2009.

 

Uit: Teufelsbrück

 

„Im EEZ, unmittelbar vor dem Zusammenstoß mit einem fremden Paar, muß ich in merkwürdiger Stimmung gewesen sein. Momentan keine Ahnung, wieviel Zeit inzwischen vergangen ist. Ich hatte auf meine Uhr gesehen. Genau sechs! Und dann auf eine männliche Schaufensterpuppe, die einen dreifarbigen Slip trug. Das lebensecht gewölbte Mittelstück grün, die gelben Seitenteile durch rote Abnäher fröhlich separiert, und mir war so traurig zumute. Ich wußte nicht, warum.

»Mein Vöglein mit dem Ringlein rot
singt Leide, Leide, Leide,
es singt dem Täublein seinen Tod
singt Leide, Lei -«
ging mir noch durch den Kopf. Da lag ich schon auf den Knien, spürte einen eindeutigen körperlichen Schmerz und hörte wie von fern:
»Zuküth, ziküth, ziküth.«
»Wie blöd, wie blöd«, wurde gleichzeitig oder in Wirklichkeit ganz in meiner Nähe geflüstert. Aber der Mann, der umständehalber mit mir auf dem Boden kniete und mich versehentlich umschlang, hatte es nicht gesagt. Er lächelte ja, ohne den Mund zu öffnen, ohne die Lider zu heben, was mich sofort aufreizte. Noch bevor ich feststellen konnte, daß wir in unseren gegenwärtigen Positionen gleich groß waren , genoß ich den Eindruck, blitzschnell, ehe er vorüber war, in den Armen eines eleganten Verbrechers gelandet zu sein. Hatte ich mir das etwa mein Leben lang gewünscht?“

 

 

 

 

Brigitte Kronauer (Essen, 29 december 1940)

 

 


 

De Duitse schrijfster Carmen Sylva werd geboren op 29 december 1843 in Neuwied als prinses Pauline Elisabeth Ottilie Luise zu Wied. Zie ook mijn blog van 29 december 2007 en ook mijn blog van 29 december 2008 en ook mijn blog van 29 december 2009. 

 

 

Die Göttin

Und ist die Liebe Sünde,
Wer hat sie denn gemacht?
Und ist es Höllenfeuer,
Wer hat es denn entfacht?

Und ist sie ungeberdig,
Wer hat sie so gewollt?
Und ist sie zu tyrannisch,
Wer hat darob gegrollt?

Die Lieb ist Trank und Speise,
Die Lieb ist höchste Kraft,
Die Lieb ist Göttergabe,
Die Lieb ist Lebenssaft.

Doch wehe, wer die Göttin
In niedre Bahnen schleift!
Sie sengt die frechen Hände,
Die sie zu rauh gestreift.

 

 

 

Im Forsthaus

Die Freude kehrte bei mir ein,
Ich schmückte Haus und Herz,
Der Göttin bracht ich Opfer dar,
Mit Tanz und Sang und Scherz.

O liebe Freude, weile doch,
Du bist so wunderschön, -
Wie wandelst Du so duftig, leicht,
Singst himmlisches Getön!

Sie sah mir in die Augen tief
Und küßte mir das Haar,
Noch fühlt ich ihren Flügelschlag,
Als sie verschwunden war.

 

 

 

 

Carmen Sylva (29 december 1843 – 2 maart 1916)

Villa Carmen Sylva in Domburg, waar de dichteres in 1889 verbleef.

 

 

 


Onafhankelijk van geboortedata:

 

 

De Duitse dichter en schrijver Herbert Hindringer werd geboren op 8 november 1974 in Passau. Sinds oujaarsdag 2005 woont hij in Hamburg. Hindringer debuteerde in 2003 met de bundel biete bluterguss & suche das weite. In de herfst van 2007 volgde zijn  tweede bundel Distanzschule.

 

 

shine your teeth til meaningless

 

ich habe den ball abgegeben (wurde kein doppelpass draus)

und laufe seit einer halben stunde ins leere
how to fight loneliness
smile all the time

man hebe die pfütze auf
für einen anderen tag und lege sie auf
die festplatte, regentropfen-prélude (60 bpm)
das wird ein nachspiel haben, sagt der dj salinger
heb den lautstärkebalken doch zumindest ein wenig an, robert zimmerman

ich habe den löffel abgegeben (wurde kein mordsspaß draus)
und kaue seit einer halben stunde die leere
that's how you fight it
just smile all the time

der da hat barfüße und scheckige hände
er geht nicht mehr ans telefon
er legt nur noch auf, nimmt schrecklich ab
ein din a4-salatblatt pro tag sollte genügen, denkt er
und schreibt es vor dem verzehr mit den ausgeschlagenen einladungen voll

 

 



Herbert Hindringer (Passau, 8 november 1974)

 

 

 

 

De Oostenrijkse dichter en schrijver Constantin Göttfert werd in 1979 in Wenen geboren. Hij studeerde Germaanse en culturele studies aan de Universiteit van Wenen. Sinds oktober 2007 studeerde hij aan het Deutsche Literaturinstitut in Leipzig. Göttfert woont in Leipzig en Wenen en werkt naast zijn literaire carrière als redacteur, vertaler en tekstschrijver en is lid en jurylid van de Poetenladen. Hij publiceerde in literaire tijdschriften en bloemlezingen. Hij ontving o.a. de Wiener Werkstattpreis 2006.

 

Uit: In dieser Wildnis

 

„Zwei Nächte verbrachte ich bei meinem Vater. Du denkst an Berge, wenn du an Österreich denkst, du erinnerst dich an die Luft, die du auf einer deiner Reisen in die Lunge gezogen hast. Vielleicht denkst du daran, wie der Schnee unter deinen Schiern knarzt, oder an Seilbahnen, die über dicht bewaldeten Hängen schaukeln; in Wahrheit jedoch ist das, was ich meine Heimat nenne, eine flachgedrückte Ebene.
  Kein Fremder ist jemals an diesem Ort dem Zug entstiegen. Du wärest der erste. Und würdest du dann an der Eingangstür meines Vaterhauses stehen und dich noch einmal zurückwenden, so ginge dein Auge über eine unendliche Fläche aus Feldern und brachliegendem Land, und nichts finge deinen Blick auf, keine Erhebung, kein Wald, nicht die Lichter einer Stadt. Nur die Felder der Sonnenblumen würdest du sehen, die bis an den Horizont reichen, deren Köpfe so schwer sind, dass sie sich kaum bewegen, wenn der Wind an ihnen reißt, und die Stimmen der Kinder hören, die aus der Schule am Ende der Straße kommen; immer noch laufen sie durch dieselben Tore, durch die auch ich gelaufen bin, immer noch lachen sie, stellen sich ein Bein, stecken sich Sonnenblumenkerne zwischen die Zähne und treten sich mit den Spitzen ihrer Schuhe gegen die Schienbeine.
  Eben dort, am Rande der Sonnenblumenfelder, stand ich und wartete, bis die Stimmen verstummt waren. In der plötzlichen Stille hörte ich, wie eine leere Medikamentendose über die ­Gitterstäbe eines Kanaldeckels rollte. Der Wind musste sie aus dem Mülleimer vor der Haustür gerissen haben. Sie hatte sich zwischen den Gitterstäben verfangen, schaukelte dort hin und her, bis sie plötzlich frei kam und vom Wind an der Gehsteigkante hinabgetrieben wurde. Es dauerte viel zu lange, bis ich den richtigen Schlüssel fand, und als ich das Haus meines Vaters betrat, war meine Hand, die den Koffer vom Bahnhof bis hierher getragen hatte, unendlich müde geworden.“

 

 

 

 

Constantin Göttfert (Wenen, 1979)

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